Porträt: Janus Ensemble

Dass es die Formation eigentlich gar nicht mehr gibt, hat sich vermutlich noch nicht wirklich herumgesprochen. Nach offizieller Sprachregelung hat Christoph Cech, Leiter des Janus Ensembles, dessen Aktivitäten zurzeit „stillgelegt“. Ohne hier das letzte Wort gesprochen zu sehen, dennoch eine Quasi-Rückschau auf einen das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts mitgestaltenden Klangkörper.

Die Lücke, die das Janus Ensemble ursprünglich schloss, bestand einerseits darin, ästhetikübergreifende Programme zu gestalten, bei denen primär – aber nicht nur – junge und jüngste Komponisten mit neuen und neuesten Werken eingeladen wurden, andererseits war es eines der Spezialensembles für zeitgenössisches Musikschaffen, das seine Präsentationen nicht auf die Bundeshauptstadt beschränkte, sondern in verschiedensten österreichischen Regionen erlebbar machte. Eine internationale Laufbahn wurde offenbar gar nicht erst wirklich angestrebt, und auch das oft gängige herumgereicht Werden bei den diversen Moderne-Festivals unterblieb.

Gerade diese sympathische „Nichtaufdringlickeit“ mag zugleich eine leichte Schattenseite in einer nicht wirklich dominierenden Präsenz in den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung des entsprechenden Spezialpublikums bewirkt haben. Andererseits wäre Janus wohl auch nicht geeignet gewesen, Omnipräsenz mit einigen Dutzend Aufführungen jährlich in den Konzertsälen zu erfüllen, hätte das doch vermutlich viel zu markant unbeabsichtigte Einschnitte in die übrige Arbeit seines auf so vielfältige Weise als reproduzierender Musiker und Komponist im österreichischen Musikleben aktiven Mitbegründers und Leiters Christoph Cech gebracht

Cech zum Credo des Ensembles: „Wir wollen uns nach allen Richtungen offene Ohren bewahren, wollen aufnehmen, was die verschiedenen Musiker als ihr Eigenes einbringen. Allein das ergibt ein Konglomerat aus sehr vielen unterschiedlichen stilistischen Blickwinkeln. Die Gesamtheit der Unterschiede formen wir zu unserer Eigenheit um. Das verlangt Hingabe und Sensitivität. Wir sind kein Einwegunternehmen, wir beschreiben oft kompliziert-verschlungene, mäanderartige Vielwege.“

Am Beginn der rund 15 Jahre währenden Existenz des Janus Ensembles stand die Uraufführung von Cechs Oper „Aus allen Blüten Bitternis“ an der Wiener Kammeroper 1996. Sämtliche Beteiligten entschlossen sich damals zur gemeinsamen Etablierung des dabei mitwirkenden Klangkörpers als eigenständige Formation. Die auch auf der weiterhin existierenden Website nachzulesende Zielsetzung: „Jede Musikerin und jeder Musiker übernimmt Verantwortung für das Dargebotene, aus dieser Verantwortung entsteht ein persönlicher und selbstbewusster Klang. Die Orientierung an diesem Klang ist das Kriterium, nach welchen KomponistInnen eingeladen werden, für das Ensemble zu komponieren. Die so entstandenen Werke begleiten das Ensemble über längere Zeit, um eine der neuen Musik so selten zugestandene Werkverbundenheit auszudrücken.“ (Janus 2010)

Zu den theoretisch definierten und praktisch ausgeführten Merkmalen gehörten weiters die Gestaltung von nach thematischen Schwerpunkten zusammengefassten Konzerten und als besonderes Anliegen die Verbindung von komponierter mit improvisierter Musik, wie es weiter heißt: „Unter dem Motto ‚improvisierende Komponisten‘ sind für das Ensemble Schreibende als Improvisatoren in ihren eigenen, aber auch in nicht von ihnen selbst verfassten Strukturen zu hören. Unter dem Motto ‚Groove und neue Musik‘ wird der Ästhetik konkreter Rhythmik wieder ein Platz im Neue-Musik-Geschehen verschafft. Unter dem Motto ‚Correctness‘ erweist sich das – scheinbar – Altmodische in seiner Authentizität erfrischend, ehrlich und – neu!“

Das Stammensemble mit dem Cech diese Aufgaben zu erfüllen trachtete, enthält bestens bekannte und geschätzte Namen: Annegret Bauerle (Flöte), Georg Riedl (Klarinette), Balduin Wetter (Horn), Lorenz Raab (Trompete), Fritz Kircher und Helga Pöcherstorfer (Violine), Axel Kircher (Viola), Arne Kircher (Violoncello), Tibor Kövesdi (Kontrabass), Christian Heitler (Klavier) sowie Berndt Thurner (Percussion). Neben besagtem Kammeropern-Auftritt gab es Auftritte von Janus u. a. beim Donaufestival Krems, im Orpheum Graz, Wiener Konzerthaus, Sargfabrik Wien, Stadtinitiative Wien, Porgy & Bess, RadioKulturhaus Wien, bei den ÖBV Grabenfesttagen, dem Internationalen Musikfestival Opatija (Kroatien) sowie immer wieder beim Musikforum Viktring.

Aus der eindrucksvollen Liste aufgeführter Komponisten: Oskar Aichinger, Peter Barcaba, Carl Michael Bart, Hans Jürgen Bart, Slavka Bartalska, Flo Baumgartner, Johannes Berauer, Bjorn Berkhout, Rainer Bischof, Claudio Boncompagni, Manuel Brandtner, Michael Bruckner, Benedikt Burghardt, Se-Lien Chuang, Giovanni Cima, Constance Cooper, Andrea Csollány, Heinz Ditsch, Lois Eberl, Markus Ecklmayr, David Eibl, Corrado Fantoni, Andrea Dalla Fontana, Sasu Gacnik, Julian Gamisch, Bernhard Geigl, Tobias Giesen, Nima Gousheh, Phil Harnisch, Boris Hauf, Franz Hautzinger, Wolfgang Heinrich, Manuel Heiss, Peter Herbert, Seung-Ki Hong, Lai Hsiao-li, Leopold Hurt, Manuela Kerer, Chang Jen-Kuang, Dieter Kaufmann, Georg Klein, Harald Koelbl, Franz Koglmann, Fatima El Kosht, Matthias Kranebitter, Wolfgang R. Kubizek, Hannes Löschel, David Longa, Luca Macchi, Alexander Machacek, Hermann Miesbauer, Stefan Moll, Clemens Nachtmann, Josef Novotny, Fabian Pollack, Valentin Marti, Hermann Miesbauer, Christian Mühlbacher, Bertl Mütter, Fabio Nieder, Jacques Nobili, Satoshi Ohmae, Klaus Peham, Manfred Plessl, Erwin Pfeifer, Fabian Pollack, Martin Ptak, Uljas Voitto Pulkis, Wolfgang Puschnig, Ernst Reijsegger, Konrad Rennert, Antun Tomislav Saban, Bojana Saljic, Bernhard Schabmayr, Martin Schlothfeld, Karl Heinz Schmid, Alexander Schtschetynsky, Walter Singer, Paul Skrepek, Andrej Slezak, Johannes  Sommerer, Johann K. Steiner, Melanie Stiftinger, Michael Strauss, Bruno Strobl, Tico + Tuco, Monika Trotz, Judith Unterpertinger, Judith Varga, Raimund Vogtenhuber, Andreas Weixler, Werner Zangerle. – Und Eine Entschuldigung sei gleich nachgereicht, sollte der eine oder andere in Anbetracht der Vielzahl übersehen worden sein. Viele der Genannten waren Teilnehmer bei Komponistenwerkstätten und -workshops (Mittersill, Viktring) und bekamen vielleicht sogar erstmals die Gelegenheit, durch ein Profi-Ensemble ernst zu nehmende Aufführungen ihrer Werke zu erleben. Viele Komponisten bzw. Werke wurden immer wieder angesetzt und gelangten so in den Genuss kontinuierlicher Betreuung. Einige verewigten den Klangkörper sogar in der Titelgebung, wie Luna Alcalay mit „Im Zeichen des Janus-Kopfes – Bipolare Signaturen“, Wolfgang R. Kubizek mit „Tom – egy virtuoz Janus“ und Stefan Weißenberger mit „Janus Track“. Bilanz jedenfalls dieser imposanten Aufzählung: Janus hat Wesentliches beigetragen, wofür ihm die Musikszene zu danken hat.

Dass bei den meisten Janus-Projekten auch Christoph Cech selbst auf dem Programm stand, darf man ihm kaum übel nehmen. Wer ihn kennt, weiß dass er nicht gerade einer ist, der sich selbst in den Vordergrund spielt. Dass er sich selbst schöpferisch behutsam einbindet und nicht verleugnet, scheint jedoch ein sinnvoller Aspekt der Arbeit eines komponierenden Ensembleleiters zu sein – und zweifellos dem Wunsch seiner Musiker und des Publikums Rechnung zu tragen. Nichtsdestotrotz legte Cech sein Janus Ensemble nicht zuletzt in Hinblick auf seine jüngst begonnene Arbeit mit dem neu gegründeten und (vorerst) auf Niederösterreich fokussierten Max Brand Ensemble still. Stilllegung bedeutet freilich nicht unbedingt letztgültig Beendigung oder Auflösung.

Christian Heindl

Foto: Bernadette C. Reiter/Janus Ensemble

http://www.janus-ensemble.com
http://www.christoph-cech.com