Porträt: HellerPropeller

Ästhetischer Rückgriffe besinnt sich das aktuelle Lifestyle-Geschehen nicht nur in Sachen Mode, bildender Kunst und Architektur, auch die heimische Musikszene hält von stetiger Besinnung auf vergangene Stilmittel nicht zurück.Und das ist gut so! Selten hat es so eine große Vielfalt an brillanten Audio-Schöpfungen gegeben, wie es derzeit in Österreich der Fall zu sein scheint. Eine Band die sich in diese Gilde von fantastischen Künstlern mit hippen Retrosound-Ambitionen einreiht, nennt sich HellerPropeller. Bislang von der Öffentlichkeit zu unrecht etwas wenig beachtet, sollte die Elektro-Formation spätestens dieses Jahr jedem zu Ohren kommen.

Die beiden Köpfe hinter HellerPropeller sind die beiden in Wien lebenden Musiker Loretta Who und Albin Janoska. Dem geschulten Connaisseur sollten diese zwei Namen zumindest vom Hören her ein Begriff sein. Die gebürtige Oberösterreicherin Loretta Who singt sich bereits seit mehreren Jahren durch das Wiener Musikmilieu, hat bereits diversen Bands ihre charismatischen Stimme geliehen und traf bei einem Konzert ganz zufällig auf Hubert Mauracher, mit dem sie schließlich das Duo Ping Ping ins Leben rief

Albin Janoska ist bereits seit 1995 groß im heimischen Musikgeschäft tätig, ist nicht nur als ambitionierterer Multiinstrumentalist, sondern auch als Produzent hervorgestochen. Aus der akustischen Umtriebigkeit des Künstlers erklärt wie von selbst, weshalb bei ihm kein Stein auf dem nächsten bleibt. Zunächst mit der Hip Hop Crew Fünfhaus Posse über die Häuser gezogen, verschrieb sich Janoska daraufhin neuen  musikalischen Spektren. Als Studio- und Livemusiker, Komponist und Arrangeur widmete er sich Stilmitteln à la Jazz, Funk, Disko und Downtempo. Der Wiener zeigt sich außerdem für die Produktion einiger Kindermusicals verantwortlich und  kollaborierte mit Künstlern wie Violetta Parisini, Sofa Surfers, Rodney Hunter, und Count Basic. Wäre dies nicht  schon genug an musikalischen Referenzen, kann Albin Janoska mit zusätzlichen Malochen aufwarten. Darunter zählt beispielsweise sein gemeinsame Tour mit der Grammy nominierten, amerikanischen Jazzformation Groove Collective, wie auch seine Erscheinung als Solomusiker, die ihm 2007 einen Amadeus Award bescherte.

In Anbetracht dieser fulminanten Background-Stories von Loretta Who und Albin Janoska kann man einer Sache getrost Glauben schenken: HellerPropeller ist alles andere als ein schales Hobby-Projekt, sondern elektronischer Klangfluss mit Format! Die Leidenschaft zu atmosphärischen, sich langsam aufbauenden Soundcollagen mit dem ambivalenten Charakter von akustischer Ruhe einerseits sowie kakophoner Kraft andererseits, können dabei als prägende Eigenschaften der Formation betrachtet werden. Loretta Who weiß ihr vokales Können gezielt einzusetzen, mal glänzt sie mit rauchigem Timbre, dann wird wieder in hohe glasklare Tonlagen gewechselt. Ohne Zweifel erinnern die Nummern ihrer 2012 erschienenen Debüt-EP „Between Pilots“ in gewisser Weise an große englische Trip Hop Koryphäen der 90er Jahre, wie etwa Portishead und Morcheeba – ohne jedoch an Individualität einzubüßen. Experimentelle Schwermut trifft auf schmissigen Pop und 70er Jahre Psyrock. Zwei Jahre hat man sich für die Veröffentlichung der EP Zeit gelassen. Das Ergebnis kann sich dafür umso mehr hören lassen.

Mit Elekto Guzzi-Gitarristen Berni Hammer, dem Schlagzeuger Alex Pohn (Violetta Parisini, Hubert von Goisern, Tyler) sowie Peter Schönbauer (Elija, Julian Le Play) haben sich Loretta Who und Albin Janoska drei formidable Mitmusiker an Bord geholt. Nach einem äußerst stillen Konzert im Dezember 2012 im Casino Baumgarten, ist es an der Zeit, dass es  nun etwas lauter um HellerPropeller wird. Dank Produktionsförderung des Österreichischen Musikfonds sollte einem baldigen Album-Release inklusiver Live-Shows hoffentlich nichts im Wege stehen. Denn die fünf Tracks auf „Between Pilots“ lassen  zwar unser Musikerherz höher schlagen, verlangen aber definitiv nach mehr!  (bw)

Foto © Severin Koller

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