Porträt: Ernst Molden

Dass Ernst Molden dereinst eine Musikerkarriere einschlagen sollte, war dem heute 47jährigen nicht unbedingt klar erkennbar in die Wiege gelegt. Denn die Familie, in die er 1967 hineingeboren wurde, war traditionell vielmehr der Textproduktion verpflichtet und arbeitete eher in den Bereichen Literatur und Publizistik, als sich in der hohen Kunst der Schrammelns hervorzutun. Nicht einmal das Wienerische war im Hause Molden vorherrschend, wie man es rückblickend und angesichts seines songwriterischen Oeuvres vermeinen könnte. Vielmehr war das Erlernen eines zünftigen „proletarischen“ Spruchs eine Überlebensstrategie, die er im Volksschulalter aufgriff um soziales Oberwasser zu behalten. Viele Jahre später, im Laufe seiner musikalischen Erfolgsgeschichte, wird diese potentielle Spannung noch immer künstlerisch ausgehalten: Neben dem Dialektgesang samt volksmündlichen Stilblüten gastiert Ernst Molden auch weiterhin in höchsten Kulturzirkeln; als Kolumnist, Literat und Theaterkomponist.

Nach dem Abbruch seines Studiums der Germanistik beginnt Molden ab 1987 seine Tätigkeit als Polizeireporter, später wird er Beilagenredakteur der Tageszeitung „Die Presse“. Von 1991 bis 1993 arbeitet er als Dramaturg und Hausautor am Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer. Nach Ablauf dieser Anstellung beschließt der Wiener, fortan als Musiker und Schriftsteller zu arbeiten. In den folgenden Jahren veröffentlicht Ernst Molden – offenbar von einem immensen kreativen Schub erfasst – vier Romane (Die Krokodilsdame, Biedermeier, Austreiben und Doktor Paranoiski) sowie drei Essaybände (Weißer Frühling, Christbaumkaufen-Badengehen und Wien).

Damit nicht genug, betätigt er sich auch auf musikalischem Terrain höchst aktiv. Ab Mitte der 90er kommt es zu regelmäßigen Auftritten mit dem Schlagzeuger Heinz Kittner, welche sich zunächst als Mischung aus Lesung bzw. Literatur und Liedprogramm präsentieren. Nebenher veröffentlicht Molden zwei Platten mit den von ihm mitbegründeten Pop/Poetry-Formationen „Teufel & der Rest der Götter“ und „Der Nachtbus“. Unter eigenem Namen folgen die Alben „Nimm mich Schwester“ (2003), „Haus des Meeres“ (2005) und „Bubenlieder“ (2006). Spätestens hier wird auch das heimische, musikalternative Feuilleton auf ihn aufmerksam und dank seines durchgehend authentischen und originellen Outputs vermag er es, sich als fixe Größe in der deutschsprachigen Liedermacherszene zu etablieren.

Dabei gelingt Ernst Molden – beinah unsichtbar – der Spagat zwischen Wienerlied und amerikanischem Singer/Songwritertum. Denn trotz unbestrittener Prägung durch Platzhirsche des klassischen Austropop wie die frühen Wolfgang Ambros und Wolfgang Danzer – aber auch Sigi Maron und Ostbahn Kurti – zeigt sich Molden ebensosehr beeinflusst von den internationalen Speerspitzen des kleinkompositorischen Weltgeistes: Bob Dylan, Leonard Cohen, Johnny Cash, Nick Cave oder Tom Waits werden als Inspirationsquellen genannt, und sieht man von den offensichtlichen Konnotationen ab, die sich durch den dialektalen Gesang ergeben, so lassen sich diese Sozialisierungen auch ableiten und heraushören.

Nur konsequent nimmt sich daher auch „The Red River Two“ aus, sein Projekt mit der Linzer Punklegende Rainer Krispel. In dieser Zusammenarbeit jüngeren Datums kommen Coverversionen aus dem Kanon ewiger Americana-Klassiker neben eigenem Songmaterial zu stehen, das sich auffällig unauffällig zwischen den diversen Meistern einreiht. Am künstlerisch gegenüberliegenden Ufer stehen jene Mundartlieder, die er seit 2009 gemeinsam mit Willi Resetarits komponiert und vorträgt. Die Konkursmasse des Austropop durchforstend, führen die beiden den urösterreichischen Dialektblues und Wiener White Soul zu neuen, undogmatischen und von Klischees befreiten Höhen. Nimmt es da wunder, wenn bei soviel Lokalkolorit bald auch renommierte Folklore-Festivals wie „Wien im Rosenstolz“ oder das „Schrammelklangfestival“ an des Barden Türe klopfen? Unter dem Titel „Häuserl am Oasch“ präsentierte er im Rabenhoftheater im Jahr 2010 ein vielbeachtetes Singspiel. Erneut ist es die Wiener Seele, die zum Gegenstand einer “bösterreichisch-schwarzen” Auseinandersetzung erhoben wird: Unerlöste Figuren hadern darin mit der Stagnation, existenziellen Unzulänglichkeiten und Wiener Gemeinplätzen.

Anno 2014 scheint Ernst Molden fester im kreativen Sattel zu sitzen denn je. Anfang des Jahres erschien das Album „Ho Rugg“, das er im Quartett mit Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth eingespielt hatte und mit dem er erneut hymnische Kritiken einfuhr. Molden scheint in seiner kreativen Existenz jedenfalls einer gewissen künstlerischen Unstetigkeit und Balance zu bedürfen. Und egal, in welchem Gebiet er gerade tätig ist, immer scheint in seinem interdisziplinären Output Bewegung zu herrschen und durchgehend genießt er dafür aus unterschiedlichsten Kreisen Anerkennung. Und das ist trotz Trends zum Metier-Hopping keine Selbstverständlichkeit.
David Weidinger

Foto Ernst Molden: Daniela Matejschek
Foto Molden/Resetarits/Soyka/Wirth: Wolfgang Zac

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