Porträt: Anbuley

Was London kann, kann Wien schon lange!  Die Weltstadt an der Themse, bekannt als Anlaufstelle Nummer 1  für die neuesten Trends in Sachen Musik und Lifestyle, lässt gerade den Ethno-Kult neu aufleben. Kein Wunder, zählt London wohl zum größten Schmelztiegel Europas. Und genau dort dröhnt ein wegweisender, frischer Sound aus den Clubs. Afrobeat heißt das neue große Ding, das mittlerweile die Tanzflächen der ganzen Stadt erbeben lässt. Doch wenn man in Wien genau hinhört, hat der Hype auch schon längst hier seine Wurzeln geschlagen. Bestes Beispiel: Anbuley! Die  ghanaisch-österreichische Musikerin bringt mit ihren heißen  Afrobeats die ganze Hörerschaft ins Schwitzen- ganz abgesehen davon, dass  Temperaturen dieses Sommers sowieso gerade alle Rekorde brechen.

Anbuley Matilda Kanbong, kurz: Anbuley, wurde benannt nach ihrem Großvater, einem Häuptling aus dem Volk Ga, dessen Sohn in den 60er Jahren nach Wien emigrierte um dort zu studieren. Hier an der Donau kam Anbuley schließlich zur Welt, gefangen zwischen zwei Kulturen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dass man da spätestens als Teenager schnell in eine Identitätskrise kommen kann, ist nicht allzu schwer zu verstehen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Kultur Ghanas im Gegensatz zu der in Österreich alles andere als simpel gestrickt ist. Mit über 70 verschiedenen Sprachen und ebenso vielen Ethnien ist der Vielvölkerstaat ebenso bunt und universell  wie die Nationalflagge. Anbuley hat sich aus dieser kulturellen Mannigfaltigkeit ein eigenes Refugium gebaut. Daraus entwickelte sich schließlich eine große Leidenschaft für Musik, in der die Afro-Österreicherin schließlich ihre große Berufung  fand.

Aufgewachsen in einer völlig westlichen Kultur, haben ihr die Eltern die Kultur ihrer Heimat insbesondere auf musikalischem Weg näher gebracht. In der riesigen Plattensammlung ihres Vaters fanden sich afrikanische und amerikansiche Jazz und Funk- Platten-von Fela Kuti bis Isaac Hayes, die den gegenwärtigen Sound von Anbuley stark geprägt haben. Ganz nahe kam sie ihren ursprünglichen Wurzeln, als sie als Kind mit ihrer Familie für 5 Jahre nach Ghana zog und dort ihre Liebe zum Gesang entdeckte. Wieder in Wien, hat sich Anbuley allerdings für lange Zeit vom Musizieren entfernt, bis sie vor einigen Jahren ihre tief verborgene Passion zum Leben erweckte und seitdem ganz schön in die Vollen geht. Dank ihrer dunkel-markanten Stimme und exotischem Charme konnte die Sängerin gute internationale Kontakte zu angesagten Produzenten  der Elektronik- und Dubstep-Szene knüpfen.

Nach diversen Zusammenarbeiten –unter anderem mit den italienischen House-Duo Crookers sowie  den heimischen Zweiergespann Makossa & Megablast – darf sich die Vokalkünstlerin mittlerweile mit zwei EPs („Tsakemo“  und Kemo‘ Yoo Keke)  brüsten. Selbst  das Musikformat MTV Iggy ist schon auf die Afro-Wienerin aufmerksam geworden und nahm ihr aktuelles Video „Oleee“ ins Programm.  Der Clip ist visuell an die  Farben der Ladesflagge Ghanas angelegt, die Performerin selbst erinnert  in „Oleee“ sowohl optisch als auch musikalisch an eine Fusion zwischen ghanaischer Rihanna und M.I.A. Mit letzterer verbindet Anbuley zumindest ein politischer Appell in vielen Belangen.  In den Songtexten verarbeitet Anbuley Themen, die sich unter anderem mit der Unterdrückung der Frau und Ähnliches auseinandersetzen. Gesungen wird allerdings nicht auf Englisch oder Deutsch, sondern in Ga, einer Sprache, die nur  von einem ganz kleinen Bevölkerungsteil Westafrikas  gesprochen wird.

Zuerst auf dem für  tropische  Musikstile sehr bekannten Berliner  Label Man Recordings vertreten, hat Anbuley mittlerweile auf Seayou-Records ihr Zuhause gefunden. Das Wiener Label ist ja eigentlich bekannt für  erstklassige Indie-Gitarren Bands und so ganz mag der Sound der Sängerin nicht ins Seayou-Repertoire passen. Dennoch hat  das Label ein äußerst ausgereiftes Gespür dafür, das Beste, das die Österreichische Musikszene zu bieten hat, an die Leute zu bringen.

Anbuley  gehört definitiv zu denjenigen KünstlerInnen, die vor Individualität und Frische strotzen und dem Trend eine Spur voraus sind. Bald wird auch Wien beim Afrobeat ankommen und spätestens dann wird Anbuley hoffentlich mit einem ganzen Debütalbum aufwarten können. (bw)

Foto © Isabella Meus

http://www.facebook.com/anbuley
http://popfest.at/
http://www.seayourecords.com/