
Agnès Milewski wurde 1983 in Polen geboren. Im Alter von vier Jahren emigrierte ihre Familie nach Österreich, wo sie bald ihren ersten Musikunterricht für Klavier und klassische Gitarre erhielt. Banderfahrung sammelte sie in diversen Projekten während ihrer Jugendzeit, doch rasch drängte es sie in die Unabhängigkeit. Mit nur 24 Jahren präsentierte Milewski ihr Debutwerk „Pretty Boys and Ugly Girls“, welches europaweit Aufsehen erregte und ihr 2008 den heimischen Amadeus-Award als „Beste Newcomerin“ bescherte. Kein Wunder angesichts der künstlerischen Reife, mit der sie gegenüber erklärten Vorbildern wie Joni Mitchell oder Tori Amos selbstbewusst Stellung bezog.
2009 legte sie mit „Learn To Swim“ ein höchst ambitioniertes Nachfolgewerk vor. Der hohe Aufwand in den Arrangements stellt die Breite ihrer musikalischen Ausrichtung und Interessen unter Beweis. Von RnB und Reggae über Breakbeats bis hin zu Gitarrensounds der härteren Gangart ist dort alles zu hören, was sonst unmöglich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen scheint. Der starken Trägerstruktur ihrer soliden Handschrift ist es zu verdanken, dass die eigenwilligen Songwriterinnen-Kleinode dieser Last auch standhielten. In seiner Gesamtheit wirkt das Album wie ein Befreiungsschlag gegenüber allen externen Begehrlichkeiten reibungsloser Vermarktbarkeit. Konventionen und Konnotationen der fiktiven Sparte „Female Pop“ laufen ins Leere und werden zugunsten der Relevanz aufrichtigen Liedermachertums hintan gestellt. Über aller Erzählkunst schwebt Milewski’s kristallklare Stimme, die – jugendlich-lebenshungrig und abgeklärt zugleich – in einem Maße einnehmend wirkt, wie man es am ehesten noch von den genannten Proponen-ten ihrer Zunft kennt.

Die Zügel behält sie auch in Sachen Promotion und Marketing inzwischen gern selbst in der Hand. Bewerkstelligt durch ihre Social-Media-Auftritte fand sie zu direktem Kontakt mit Publikum und Fans, die sie zum Teil auch in Übersee hat. Dieses unmittelbar persönliche Engagement verhalf auch zum Erfolg jener Crowdfunding-Kampagne, mittels derer sie „Almost Spring“ ko-finanziert hat. In dem was sie tut, sitzt Milewski also fest im Sattel. Als junge Frau mit Charisma, Können und Zukunft, deren Werk trotz aller Eigensinnigkeit einen nicht zu unterschätzenden, im Qualitativen begründeten Mass Appeal zu entfalten versteht. Dass solch einem Talent von den hiesigen musikwirtschaftlichen Potentaten nicht in einem umfassenden und nachhaltigen Sinne unter die Arme gegriffen wird, grenzt kulturpolitisch an Fahrlässigkeit.
David Weidinger
Fotos Agnes Milewski: Christoph M. Bieber
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