pauT (c) Mato Johanni

„PopsTar, PlasTik, pauT und so.“ – PAUL SCHREIER aka pauT im mica-Interview

Kapitänsmütze, E-Gitarre und trashige Musikvideos im 80er-Jahre-Stil: PAUL SCHREIER aka pauT steht seit Frühjahr 2018 bei „Universal Music“ unter Vertrag, sein erstes Soloalbum „popsTar aus plasTik“ erschien am 3. August 2018. Neue Tunes, alter Spleen: jedes T groß, außer am Wortanfang. Das große T als göttlicher Endbuchstabe, als Symbol für sympathischen Größenwahn aus Baden bei Wien. Bekannt ist SCHREIER u. a. als Bandmitglied von KRIXI, KRAXI UND DIE KROXN, vom NINO AUS WIEN, von CLARA LUZIA, „Westpol“ und der Gewinnernummer „sepp haT gesagT wir müssen alles anzünden!“ vom FM4-PROTESTSONGCONTEST 2010. Mit Autor sprach SCHREIER von Schanghai, ELVIS-Imitatoren, der Welt des MajorLabels und seinem großen Traum, die Grande Dame des SONG CONTEST zu werden. 

Aus welchem Kontext heraus entstand „popsTar aus plasTik“?  

Paul Schreier: Meine wichtigsten Inputs sind und waren immer die 60er-Jahre – und die 80er-Jahre als Motivation. Damals war das Keyboard ganz verpönt, die Gitarre ganz groß und generell hat man sich gefragt, wie der Sound der 80er überhaupt passieren konnte. Das finde ich lustig, das hat mich gereizt.

Sie sind ein großer BeatlesFan.

Paul Schreier: Ja! An die kommt niemand heran. Nämlich nicht an diese Bandbreite. Mich hat im Laufe der Zeit zwar schon viel Musik geprägt, aber eher einzelne Nummern. Im Auto zwinge ich den Beifahrerinnen und Beifahrern das Best-of-Album von The Mamas and the Papas auf, „Eisbär“ von Grauzone höre ich gerne seit tausend Jahren oder „Nachtexpress nach St. Tropez“ – super Hit! Aber mit dem ganzen Oeuvre begeistern mich nur die Beatles.

Wie wurden Sie musikalisch sozialisiert?

Paul Schreier: Klassisch und poppig. Ich habe auch beides studiert: klassische Klarinette und E-Gitarre, und zwar am Konservatorium in Wiener Neustadt und nach dem Umzug in die Großstadt am Konservatorium in Wien. Mittlerweile mache ich zwar eigentlich nichts mehr im klassischen Kontext, aber ich möchte ihn auch nicht missen. Ich wäre 2010 sonst zum Beispiel niemals nach Schanghai zur World-EXPO eingeladen worden. Außerdem ist es wahrscheinlich normal, dass sich in 25 Jahren Musikschaffen ein bisschen was verändert, entwickelt. Wobei sich mein Zugang selbst nicht verändert hat. Mir ist nach wie vor wichtig, vor allem auf das jeweilige Instrument zu reagieren und sich auf das Umfeld einzulassen. Ich fand und finde es immer wichtig, die Kontrolle abzugeben, wild draufloszuspielen und abzuwarten, was kommt.

Sie sind in Baden aufgewachsen. Inwiefern spielt Österreich als Umgebung eine Rolle für Ihre Musik?

Paul Schreier: Mich hat Baden als Umfeld sehr beeinflusst. Dort gab es viele Leute, denen ich eigentlich eine sehr spannende Jugend verdanke. Ich habe früh mit Lehrern, die mich gefördert haben, bei Theater- und Musikprojekten zusammengearbeitet. Ich habe eigentlich sehr jung „Performance“ und „Bühne“ als Begriffe verstanden und gemocht.

Österreich generell als Musikszene ist mir dagegen nicht nahegestanden. Zu Hause haben wir Hochdeutsch gesprochen, Dialekt fand ich lustig, ich hätte mich aber nie mit Ambros und Co. identifizieren können.

“Ich (…) finde es wichtig, die Kontrolle abzugeben”

Können Sie zumal als Bandmitglied vom Nino aus Wien – mit dialektaler, typisch österreichischer Musik trotzdem etwas anfangen?

Paul Schreier: Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass ich da mittendrin bin. Und ich finde auch, dass wir eine coole Gang sind und es großen Spaß macht, dabei zu sein – in Wien, in Österreich.

Sie meinten vorhin, dass Schanghai sehr prägend war. Was haben Sie 2010 im Ausland als Klarinettist gelernt?

Paul Schreier: Eigentlich ist fast alles, was ich jetzt mache, beeinflusst von der Schanghai-Experience. Vor 2010 dachte ich: Baden ist die Welt.“ Ich kannte zwar schon die Wiener Szene, aber mir war das gemütliche Leben lange genug. Vor Schanghai. Wir sind damals nicht als Ensemble für China engagiert worden, sondern als zusammengewürfelte, ganz unterschiedliche Musiker, die sich erst vor Ort kennerlernt haben. Es wurden speziell für die EXPO ein paar Klassiker komponiert, die man sich halt erwartet, wenn man in den Österreich-Pavillon geht. Nach ein paar Wochen durften wir dann aber auch eigene Sachen spielen. Ich habe meinen Kollegen gesagt: „Wir müssen alles anzünden.“ Ich hatte damals gerade paar Monate davor den Protestsongcontest gewonnen und noch ziemlich viel Spaß mit dem Motto. Das war schon cool, als dann plötzlich 200 Menschen in China „Anzünden, anzünden!“ geschrien haben.

„sepp haT gesagT wir müssen alles anzünden“, dieser Song war Triumph beim Protestsongcontest 2010. „popsTar aus plasTik“ ist 2018 Ihre erste Single bei Universal Music“. Wurde diese ebenfalls von Sepp inspiriert?

Paul Schreier: Der Sepp ist mein Guru! Für immer! Wenn ich es schaffe, dem pauT-Format so viel Gesicht zu verleihen, dass es auch aus Plastik zu erkennen ist, dann könnte ich mich ein bisschen entspannen. Von den Plastikfiguren könnte man ganz viele machen, meint auch der Sepp. 50 Figuren könnten gleichzeitig Konzerte spielen, am selben Ort oder überall. Ein bisschen wie diese Elvis-Imitatoren. Nur dass ich nicht erst sterben muss.

„Fast alles, was ich jetzt mache, (ist) beeinflusst von der Schanghai-Experience.”

Wenn 50 Plastikfiguren überall dort spielen, wo Sie selbst nicht spielen möchten, wo spielen dann Sie?

Paul Schreier: Ich spiele überall gerne – im Chelsea, in der Stadthalle. Sehr toll fand ich es unlängst in Baden, bei der Eröffnung von einem neuen Fahrradständer eines Kindergartens. Ganz andere Welt, aber auch toll!

Wie fühlt sich die Welt von Universal Music an?

Paul Schreier: Gut! Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf. Ich finde das Album passt gut zu einem Major-Label – PopsTar, PlasTik, pauT und so.

Haben Sie den Wunsch, so erfolgreich zu sein, dass Sie einmal in Amerika leben können und dort gefeiert werden?

Paul Schreier: Ich weiß nicht, ob ich jemals wirklich wegziehen würde. Auch wenn Weltruhm schon ziemlich schmeichelnd ist, Wien ist ein so nettes Platzerl. Vielleicht gefällt mir im Alter eher ein Haus am Meer, in Kroatien. Das wäre schön.

Paul Gallister hat Ihr Album mitproduziert. Gab es noch andere Personen, deren Meinungen im Laufe des Albumprozesses wichtig waren?

Paul Schreier: Eigentlich nicht. Aus Erfahrung weiß ich einfach, dass ich am kreativsten bin, wenn ich allein bin, entspannt bin und Zeit habe.

Wie gehts weiter?

Paul Schreier: Airplay auf allen Sendern, dann ausverkaufte Clubtour in Österreich und Deutschland, dann ausverkauftes Ernst-Happel-Stadion und danach gerne zum Song Contest. Das ist eigentlich mein größter Traum. Einmal beim Song Contest spielen und gewinnen und dann das Jahr darauf noch mal spielen und gewinnen! Dann würde ich mich als Grande Dame des Song Contest zur Ruhe setzen und alles aus einer Loge mitverfolgen.

Wer ist das Mädchen mit der coolen Frisur, von dem Sie singen

Paul Schreier: Puh! Ja wenn ich wüsste, wer das ist. Man wird sie erkennen, wenn man sie sieht.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Julia Philomena

Links:
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Live-Show:
28. September 2018: Vinzenz-Muchitsch-Haus, Graz