Polnische Musikzeitung Glissando mit Schwerpunkt "Austria"

Die Herbstnummer der in Polen erscheinenden Zeitschrift für zeitgenössische Musik Glissando enthält eine 50 Seiten umfassende Themenstrecke zum Thema Neue Musikszene(n) in Österreich, der eine Anfragebeantwortung des mica vorangestellt wurde.Offene Zeitschrift für zeitgenössische Musik

Laut Eigendarstellung ist “Glissando” “eine offene Zeitschrift, die allen bemerkenswerten und ehrgeizigen Erscheinungen in der Welt der zeitgenössischen Musik und anderen Künsten, aus dem musikalischen Gesichtspunkt betrachtet und im Zusammenhang mit der Musik dargestellt, gewidmet ist.”

Herausgegeben von der Stiftung Pro Musica Viva wird “Glissando” auch von den “Freunden des Warschauer Herbst” sowie vom  Verband der Polnischen Komponisten (ZKP) unterstützt. “Unsere erste Nummer [Anm.: Glissando erscheint seit September 2004] wurde enthusiastisch in den marktführenden Zeitschriften Gazeta Wyborcza und Polityka, im Zweiten Programm des Polnischen Rundfunks, in den Musikzeitschriften Ruch Muzyczny und Zine, und auch auf mehreren Webseiten (u. a. http://free.art.pl/nowamuzyka und www.serpent.pl) rezensiert.”
 
Glissando bietet “ein Forum von kompromissloser, mutiger Kritik” und will aus engen Grenzen von akademischen Fachdisziplinen, Genres, auch aus dem Ghetto “reiner” Musikwissenschaft und Musikkritik hinaus Aspekte des zeitgenössischen polnischen und internationalen Musiklebens in sowohl qualitativ hochwertiger, als auch umfangreicher Diskussion beleuchten. Seit einiger Zeit gibt es die Zeitschrift auch als Webzeitung (www.glissando.pl).

Aus dem sympathischen (und flammenden) Manifest der desungeachtet gleichermaßen hochprofessionell als auch liebevoll gemachten Zeitung: “Unsere Kraft besteht in der Diskussion und manchmal auch im Streit, und nicht in den Festivalfeiern und Jubiläumsfeten. Wir glauben an die Musik aus Garagen, Kellern und Slums, nicht an den phonographischen Markt, die Philharmonien und die offiziellen Anerkennungspreise. Wir glauben an die Musik von Wergo, Col Legno, Warp, Mego und nicht die von EMI, Phillips und Sony. Wir glauben daran, unseren musikalischen Geschmack gemeinsam gestalten und prägen zu können, statt nur den aktuellen Trends zu folgen.”

Themen der letzten Ausgaben (bisher sind 9 Hefte erschienen) waren beispielsweise die spektrale Musik, ein großer Bericht über die New Yorker Szene, neue alternative Strömungen der Musik in Japan, Berichte vom Warschauer Herbst und die jüngsten, derzeit aktuellen polnischen Komponisten. Weitere Hefte widmeten sich der Darmstädter Avantgarde einst und heute (“Was ist mit den Jungen von damals passiert”), der elektronischen Musik oder einer Gegenüberstellung von “Neuer Einfachheit” versus “Neue Simplizität”. Die beneidenswert ansprechende graphische Aufmachung (mit teils ganzseitigen Fotos und Partiturfaksimiles) ist ein besonders beeindruckendes Plus dieser Zeitschrift.

Das umfassend, informativ und journalistisch hervorragend gestaltete Österreich-Themenheft wird mit dem mica-Interview und einer “Landkarte” mit den wichtigsten Zentren und Festival aufgemacht. Die weiteren Artikel: Ein Beitrag über das Label kairos und die dort verlegten Komponisten, große Portraits über Friedrich Cerha, Georg Friedrich Haas, Olga Neuwirth, Thomas Bernhard/Elfriede Jelinek und die Mozartkugel, eine CD-Besprechungsstrecke über die Labels MEGO, DURIAN u. a. und über Burkhard Stangl, Werner Dafeldecker, Martin Brandlmayr, Martin Siewert, Bernhard Lang und Patrick Pulsinger, ein Beitrag über das Festival Turning Sounds beim Österreichischen Kulturforum, dazu Portraits von Franz Hautzinger, Martin Brandlmayr und dieb 13, weiters auch über Sam Auinger & Bruce Odland.   

An das mica richtete Glissando im Vorfeld die Bitte, in Form von Interviewfragebeantwortungen über die Entwicklung der Neuen Musik in Österreich nach 1960 zu berichten, es gab auch Fragen zu Festivals und wichtigen Institutionen, über Kulturpolitik und Förderstrukturen, schließlich wollte man auch über die Arbeit des mica genauer Auskunft erhalten. Die  von Heinz Rögl (mica)  erstellte, umfassende Anfragebeantwortung ist auf der Website von Glissando auch in der deutschen Version erschienen (siehe untenstehenden Link).
(hr)


Glissando
Interview: Die österreichischen Musikszenen
Die junge Komponistengeneration in Polen (Heft 3)

http://www.glissando.pl/index.php?s=deutsch
http://www.glissando.pl/index.php?s=czasopisma_opis&id=258&t=1