Picking up the Thread

Gleich zu Wochenbeginn am 19. Feber müssen die noch relativ neuen Wände des Wiener Fluc eine Belastungsprobe der besonderen Art über sich ergehen lassen. An zwei aufeinander folgenden Abenden zelebrieren heimische Künstler die etwas brachialere Form des Musizierens.

“Picking up the Thread” nennt sich die Veranstaltung, bei der die Frage, ob man das Ganze, aufgrund der veranschlagten Aufführungstage, Anzahl und Reputation der auftretenden Künstler, nicht auch als Festival bezeichnen könnte, ohnehin rasch in den Hintergrund entschwindet.

Den Beginn der zweitägigen Tour de Force läuten, nein, passender, prügeln die Linzer Punk/Hardcore-Heroen Seven Sioux, die auch schon bald ihr zwanzigjähriges Bühnenjubiläum feiern können, ein. Diese Bühnen haben sie, neben vielen anderen, bereits mit Legenden wie Bad Religion oder Fugazi geteilt.

Im Rahmen ihrer derzeit laufenden Europatournee verschlägt es auch die steirische Band Jakuzi’s Attempt in die Bundeshauptstadt. Letztes Jahr im März veröffentlichten sie ihre Debut-EP komplett in Eigenregie und erspielten sich in Folge eine stets wachsende Zuhörerschaft. Ihr schneller, wütender und prügelnder Noisecore erinnert teilweise an The Locust und wird in zahlreichen enthusiastischen Reviews auch gerne zwischen die Eckpunkte Orchid, Converge, Aphex Twin, Botch und Refused gestellt.

Das Live-Programm des ersten Abends wird schließlich durch den Grazer Laptop-Künstler Helmut Schäfer komplettiert. Der digitale Freestyler macht seit seinem vierzehnten Lebensjahr elektronische Avantgarde-Musik und ist heute mit seinen Performances und Klang-Drones in Tokio ein ebenso gern gesehener Gast, wie in San Francisco oder Peking. In der lokalen Musikszene ist Helmut Schäfer nur äußerst selten anzutreffen – eine zusätzliche Motivation also, am Montag ins Fluc zu pilgern.

Nicht minder interessant als das des vorangehenden Tages, gestaltet sich das Dienstags-Programm. Picking up the Thread – Runde 2.

Nach längerer Bühnen-Abstinenz kann man nun wieder einem Konzert von Kill the Dead beiwohnen. Das, seit 2002 bestehende, Trio stellt die psychoakustischen Klangmöglichkeiten des klassischen Rockinstrumentariums, bestehend aus Bass, Schlagzeug und Gitarre, in den Mittelpunkt seiner unorthodoxen Auslegung zeitgenössischer Gitarrenmusik und lässt als Einflüsse Bands wie Shellac, Melvins oder die Flying Luttenbachers erkennen. Die Arrangements kommen ohne Umwege direkt auf den Punkt, beziehungsweise sind diese von vorn herein lediglich skizzenhaft angelegt, um zur Improvisation zu verleiten, die weder vermeintliche Klischees, noch deren Demontage scheut und somit in der Lage ist, einen spontanen Kompositionsprozess mit offenem Endergebnis loszutreten.

Dem Thema “Improvisation” zeigt sich anschließend auch das Free Jazz / Impro-Gespann Michael Fischer (Saxofon) / Hermann Stangassinger (Bass) / Andi Menrath (Drums) verpflichtet. Mit unermüdlicher Energie und teilweise erstaunlichen Resultaten untersucht das Trio die Welt zwischen der Expressivität des US-Free-Jazz und den abstrakten Materialstrukturen der frei improvisierten Musik europäischer Prägung. Albert Ayler im Arsch und John Coltrane im Herzen – diese drei Herren sind wohl derzeit Wiens kompromissloseste Free Jazzer.

Abschließend wird Breakcore-Rabauke Assimilatah von 1Bomb1Target ein Ragga / Drum’n’Bass / Breakcore-Inferno veranstalten, um sicher zu gehen, dass auch wirklich kein Stein auf dem anderen bleibt.

Durch den Abend und das Programm führen Wolfgang Fuchs und Peter Nachtnebel, die auch für die Geräuschkulisse vor, zwischen und nach den Live-Auftritten verantwortlich zeichnen.

Für alle, die jetzt immer noch unentschlossen sind, sei hier an dieser Stelle abschließend erwähnt, dass für diese Veranstaltung an beiden Tagen kein Eintritt zu entrichten ist. (mm)

Foto Seven Sioux: Roman Sonnleitner


Fluc
Seven Sioux
Jakuzi`s Attempt
Space Eye Music
M. Fischer
Peter Nachtnebel

http://www.fluc.at/
http://www.sevensioux.at.tt/