Operellen in Innsbruck und Wien

Ab 2.3. startet am Tiroler Landestheater, dann ab 24.3. im Wiener Jugendstiltheater in einer Koproduktion mit dem sireneOperntheater eine Aufführungsserie von sieben brandneuen, an einem Abend en suite gespielten Kurzopern. 7 AutorInnen und 7 KomponistInnen haben sich einer vorgegebenen Figurenkonstellation unter dem Motto “Fasse dich kurz” gewidmet.Abkürzungen und Beschleunigungen: 7 Kurzopern in Uraufführung

Weitere Vorgabe: Mann-im-Mond, Astronaut, Briefträger, Köchin und Galileo Galilei sollen die Bühne bevölkern. Die Spielregeln: Den Zusammenhang zwischen den einzelnen Texten stellt allein die vorgegebene Personage her, von den Komponisten können die vier Gesangspartien (Sopran, Mezzo, Tenor, Bass) plus eine Schauspielerin in jeder beliebigen Weise mit diesen fünf Figuren kombiniert werden. Das Instrumentarium ist vorgegeben, die Spieldauer beträgt jeweils 15 Minuten. Diese Kürze, so Erfinderin, Mitautorin und Regisseurin Kristine Tornquist, zwinge zur Poiniertheit, denn: “Wer es eilig hat, muss übertreiben.  Der komprimierte Raum einer Miniatur verweigert sich zwar nicht einer Geschichte, aber ihrer Ausdehnung. Man stelle sich ein in Plisseefalten gelegtes Bild vor: Die logische und lineare Entwicklung wird generös abgekürzt, Unwesentliches wie Wesentliches werden einfach herausgekürzt, übersprungen, unsichtbar. Dafür tritt die unerwartete Erscheinung auf, der Bruch mit der Logik, deus ex machina, damit eben auch die Form an sich, das rein Strukturelle.
 
Nach dem großen Interesse, das die Uraufführung der Operellen millimeterkrisen und miniaturkatastrophen am TLT und im Wiener Jugendstiltheater 2004 nicht nur bei Presse und Publikum, sondern vor allem auch bei Autoren und Komponisten hervorgerufen hat, wird in dieser Saison die Serie der Kurzopern in einer zweiten Folge fortgesetzt.

Hochkarätige Libretti garantieren namhafte AutorInnen, als da sind: Barbara Frischmuth/Antonio Fian/Händl Klaus/Johannes Schrettle/Daniel Glattauer/Günter Rupp/Kristine Tornquist. Sie arbeiteten im Gespann mit  den KomponistInnen Ulrich Küchl/Herwig Reiter/Klaus Lang/Hannes Raffaseder/Johanna Doderer/Jury Everhartz/René Clemencic.


Das sireneOperntheater

entstand aus der Zusammenarbeit von Kristine Tornquist und Jury Everhartz im Jahr 1998 (Hierlanda, Universitätskirche) und produziert seither mit einigen Konstanten und in wechselnden Besetzungen, aber erst seit 2002 unter diesem Namen.
Der gesetzte Anspruch ist spannend: “Wir sehen die Notwendigkeit, Opern so flexibel und risikofreudig zu erfinden und zu produzieren wie es in den großen Zeiten der Oper gang und gäbe war und wie es in anderen Kunstfeldern heute selbstverständlich scheint (.)  Dabei gilt es, eine Balance zwischen erprobter Qualität und dem Risiko des Unbekannten zu finden, und uns auf diese Weise weder gänzlich in Experimenten aufzureiben noch einfach auf Nummer Sicher zu gehen.”
Ein Schwerpunkt des sireneOperntheater liegt in der innovativen Neubestimmung der Möglichkeiten modernen Musiktheaters unter dem Aspekt gleichwertiger Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Feldern. Wie beim schon 2004 erstmals erprobten Projekt 7 Operellen geht es darum, hochwertige Kooperationen zwischen Autoren und Komponisten zu initiieren. (hr)
abkürzungen und beschleunigungen
Besetzung: Jennifer Chamandy, Lysianne Tremblay, Alexander Mayr, Andreas Mattersberger, Eleonore Bürcher; Regie: Kristine Tornquist, Bühne und Kostüm: Julia Libiseller. Es spielt das Tiroler Ensemble für Neue Musik (Dirigent: Leif Klinkhardt). 
Vorstellungen am Tiroler Landestheater: 2., 8., 14. 3., 12. & 19.4.  (Beginn 20 Uhr); im Jugendstiltheater Wien: 24., 25., 26., 28., 29.3. (Beginn 20 Uhr).

Fotos: sireneOperntheater