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Österreichs junge Komponisten & Komponistinnen: Julia Purgina

Sie zählt ohne Zweifel zu den hoffnungsvollsten jungen KomponistInnen, welche im Moment in Österreich am Werken sind. Die im deutschen Straubing geborene Julia Purgina kann trotz ihrer erst 30 Jahre auf bereits zahlreiche aufsehenerregende Aufführungen ihrer Werke im In- und Ausland zurückblicken. Grund genug also sie im Rahmen der mica-Reihe „Österreichs junge Komponisten & Komponistinnen“ zu porträtieren.

Langatmigkeit ist Julia Purginas Sache nicht. Vielmehr kommt sie in ihren meist in Zyklen angeordneten Miniaturen auf den Punkt. Und obwohl sie auch theoretische Arbeit leistet, wenn sie die Unterschiede aleatorischer Kompositionsmethoden in Amerika und Europa untersucht, gründet sie ihre eigenen Werke nicht auf ein abstraktes Konzept. Hingegen verlässt sie sich ganz auf ihre klanglichen Vorstellungen und fährt sie ein breites Spektrum auf, das von humorvollen über energiegeladenen bis hin zu subtilen Stimmungen reicht. Als Inspiration dafür dienen der vielseitig interessierten Komponistin oftmals außermusikalische Bezüge wie selbst erfundene Bilder, Stadtpläne oder auch literarische Vorlagen: Für den Zyklus „Herbarium“ reizten sie die ungewöhnlichen Adjektive, die Pablo Neruda einzelnen Pflanzen zuordnete.

Das Gedicht Euonymus von John Updike regte sie zu einem Werk für Tenorsaxophon und Ensemble an, in dem sie die von der Vorlage ausgelösten Stimmungen mit fein gesponnenen Klangfarben ausdrückt. Die Naturerscheinung des Umkreisens von Sonne, Erde und Mond führte zum Zyklus „Lunarium“, bestehend aus jeweils einem Stück für Viola, Violoncello und Kontrafagott. Selbst als freischaffende Bratschistin aktiv, ist sie Mitbegründerin des ensemble LUX und auch im ensemble reconsil wien tätig. Daher ist es Purgina ein großes Anliegen, ihre Kompositionen durch ihre eigene Interpretation zu Gehör zu bringen. Folglich spielte sie auch die Uraufführung und ÖEA des jüngst entstandenen Violakonzerts, in dem sie elegische Momente in die Gegenwart holt.
Doris Weberberger

Steckbrief

Julia Purgina, geboren 1980 in Straubing, studierte Viola Konzertfach bei Wolfgang Klos (Wien) und Ulrich Knörzer (Berlin), sowie Komposition bei Chaya Czernowin und Erich Urbanner (beide Diplome mit Auszeichnung). Sie erhielt 2001 den Kulturförderpreis des Landes Niederösterreich und war 2006 Preisträgerin beim Internationalen-Antonio-Salieri-Kompositionswettbewerb. 2007 wurde sie mit dem Dr. Theodor Körner Preis für Musik ausgezeichnet und erhielt das Viktor-Fohn-Stipendium für Kunst, sowie ein Arbeitsstipendium des Bundesministeriums für Kunst. Von 2004 bis 2007 war sie Bratschistin beim Radiosinfonieorchester Wien. 2005 gründete sie mit anderen jungen Komponisten das ensemble LUX. Derzeit arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Wien. Aufführungen von eigenen Werken fanden u. a. in Österreich, Slowenien, Bulgarien, Finnland, der Slowakei, Deutschland und Estland statt.

Wichtiges Werk

Mein Violakonzert habe ich im September 2009 im Auftrag eines Orchesters aus Erfurt komponiert. Der Ausgangspunkt für dieses Konzert war mein “Lunarium für Viola” solo. Das Konzert ist zwar einsätzig, aber in drei Teile mit Reprise und Coda unterteilt. Meiner Absicht entsprechend, ein formal (nicht klanglich) traditionell angelegtes Konzert zu komponieren, führt die Viola immer durch das Werk. Die UA fand am 11. Mai 2010 in Moskau statt (Julia Purgina, Viola und Ensemble Studio New Music Moscow unter Roland Freisitzer). Das Werk findet sich auch auf einer CD des Ensemble Reconsil wieder, erschienen bei Spektral Records (Re:New Music).

Julia Purgina