Österreichische Acts beim Eurosonic Festival: Mile Me Deaf

Wolfgang Möstl zählt ganz ohne Zweifel zu den Aktivposten der heimischen Indieszene. Egal, ob nun in seiner Stammband Killed By 9Volt Batteries, als (Gast-)Gitarrist bei den Sex Jams oder in der Gitarrenformation Goldsoundz, der umtriebige und inzwischen in Wien werkende Steirer zeigt sich als ein Musiker, dem die Ideen für neue Songs offenbar niemals auszugehen scheinen. Mile me Deaf, so der Name des Neben-Projekts des nimmermüden Kreativkopfes, stellt quasi das Resultat seines immensen Schaffensdrangs dar. Aus den vielen hundert Songskizzen und -entwürfen, die er in den letzten zehn Jahren entstehen hat lassen, bastelte sich Wolfgang Möstl aus den besten dieser sein Erstlingswerk  „Eat Skull“ zusammen, das musikalisch betrachtet, in einem überraschend Gegensatz zu dem von ihm bisher Produzierten steht. Der Sänger und Gitarrist vollzieht mit Mile Me Deaf nämlich einen deutlichen Schwenk hin zum Pop, wiewohl dieser natürlich, wie man es von Wolfgang Möstl gewohnt ist, sich dann doch nicht im Zitieren und Wiederholen des Altbekannten erschöpft. Als einer von vier heimischen Acts vertritt der 27-Jährige mit seinem Neben-Projekt  im Jänner 2013 die österreichische Musikszene bei dem im niederländischen Groningen stattfindenden Eurosonic Noorderslag Festival.

„Eat Skull“ ist ein schönes Beispiel dafür, dass die anspruchsvolle gitarrenorientierte Musik nicht zwangsläufig  in irgendwelchen oberflächlichen Gefilden hängen bleiben muss, geht sie einmal eine Symbiose mit dem, was unter dem Begriff Pop abläuft, ein. Wolfgang Möstl, der bekanntermaßen eher im Indierock sozialisiert worden ist, wagt sich mit Mile Me Deaf auf für ihn bisher unbekanntes Terrain. Sich bewusst zurücknehmend, versucht der Sänger und Gitarrist mehr mit (Ohrwurm-) Melodien und einer an den Pop angelehnten Einfachheit zu punkten, denn durch die pure Energie, durch welche sich vor allem die Veröffentlichungen  seiner Stammband Killed By 9Volt Batteries auszeichnen.

Es ist zwar nicht so, dass sich der Steirer in seinem Nebenprojekt von seinen musikalischen Wurzeln ganz Abschied nimmt, immer noch ist seine Liebe zu dem nicht allzu glatt polierten Rocksound der 90er hörbar, dennoch wirkt das Ganze in gewisser Weise dann doch etwas zugänglicher und gefälliger, wie man es sonst von Musik des 27-Jährigen gewohnt ist. In der Umsetzung seiner musikalischen Visionen von einer Reihe langjähriger Weggefährten unterstützt, lässt Wolfgang Möstl in seinen eigenen Nummern  auch vermehrt Akustikgitarren, Mundharmonikaklängen und diversen trashige Keyboardsounds Raum, was im Resultat zu einem Mehr an Abwechslung führt.

Stilistisch ansiedeln lässt sich das Dargebotene am ehesten irgendwo zwischen qualitätsvollem Indiepop mit Rockschlagseite, charmant lässigen Lo-Fi-Ansätzen, leichten Folkanleihen und dezent eingesetzten Noise-Eruptionen, eine bunte Mischung, die durchaus auch deswegen ihren Reiz hat, bringt sie doch Wolfgang Möstls kreative und freigeistige Eigenwilligkeit auf wirklich spannende Art zum Ausdruck. „Eat Skull“ ist auf jeden Fall ein Album geworden, dass sich auch erfrischende Weise von dem sonst so fabrizierten Einheitsbrei abhebt und definitiv Lust auf mehr macht. (mt)

 

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