Bild kutin | kindlinger
Bild (c) kutin | kindlinger

Nominiert für den ÖSTERREICHISCHEN MUSIKVIDEOPREIS 2017: „Bulletproof“ von VENTIL

SNAPCHAT, INSTAGRAM, YOUTUBE, VIMEO: Das Netz ist voll von bewegten Bildern, die meist mit dem Smartphone konsumiert werden. Je kleiner, desto besser. Dabei vergisst man eines oft: Das Musikvideo ist ein Medium, das in dieser Fülle der permanenten Videoüberflutung immer noch ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, nämlich das Abgeschlossene. Das VIENNA SHORTS FESTIVAL (VIS) widmet diesem Medium deshalb bereits zum fünften Mal eine eigene Plattform. Unter 13 Nominierungen wird dabei in Kooperation mit SCREENSESSIONS eine Siegerin bzw. ein Sieger prämiert. Die Wiener Formation VENTIL ist mit „Bulletproof“ unter den Nominierten.

Ein dunkler Raum, in der Mitte steht ein Panzerglas. Langsam heben sich quadratisch geformte Lichtpegel aus der Dunkelheit hervor. Flutlichter, die sich an die Scheibe schmiegen und Schatten zeichnen. Das, was davor ist, ist ebenso unklar wie das, was dahinter ist. Extreme physische Kräfte wirken darauf ein. Man sieht vermummte Gestalten in Zeitlupe, Titelseiten von Tageszeitungen. Am Glas stets die Schusslöcher, angegriffen, aber unverwundbar. Eine Komposition aus Glas, Gewalt und Licht. Zerstörungswut on stage. Eine Dekonstruktion der Glasscheibe in Zeitlupe.

Im Verlauf des Videos entwickelt die Glasoberfläche sukzessive eine neue Physiognomie. Eine Physiognomie der Zerstörung oder auch dekonstruierte Panzerglasvariationen. Die Lichtkegel bleiben dabei stets im Zentrum, beleuchten das Geschehen. Fast wie starre Augen blicken sie durch die Trennscheibe hinaus. Durch das Beobachten der stetigen Dekonstruktion des Glases entsteht zusammen mit dem Sound von VENTIL gleichsam eine Synchronisierung der beiden Medien im Kopf. Fast so, als wäre das Glas die eigentliche Klangquelle.

Panzerglasvariationen

Das Video erzählt eine Geschichte über Wahrnehmung, eine mögliche Perspektive durch einen Screen, dessen Brüche immer stärker hervortreten. Das Glas dient hierbei als Sinnbild für die flächendeckende Wahrnehmung durch einen Screen, eine begrenzte Oberfläche, die nur Ausschnitte zeigt. Solange der Screen als Schutzschild vor den Augen bleibt, ist man in Sicherheit.

Die österreichische Formation und Liveband VENTIL, die im Sommer 2014 von den beiden Klangkünstlern Peter Kutin und Florian Kindlinger gegründet und etwas später um Katharina Ernst an den Drums und Michael Lahner am Synthesizer erweitert wurde, zeigt mit „Bulletproof“ eine ausdrucksstarke Visualisierung ihres Sounds. Dabei werden auch Visuals von Conny Zenk, die auch bei den Live-Performances für das Visuelle verantwortlich ist, miteingebunden. Nach Ende des neunminütigen Videos wird das Panzerglas dann doch nicht durchbrochen, denn es ist und bleibt bullet-proof. Good Luck.

Ada Karlbauer

Links:
Ventil
Ventil (Facebook)
Ventil Records

 

 

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