Nominiert für den ÖSTERREICHISCHEN MUSIKVIDEOPREIS 2015: „Acid Camouflage“ von ELEKTRO GUZZI

Zum bereits dritten Mail wird von VIENNA INDEPENDENT SHORTS (VIS) in Kooperation mit SCREENSESSIONS, POOLINALE und MICA – MUSIC AUSTRIA der ÖSTERREICHISCHE MUSIKVIDEOPREIS vergeben. In diesem Jahr befinden sich unter anderem ELEKTRO GUZZI mit dem von KARIN HAMMER und CLEMENS HUFNAGL produzierten Video zu „Acid Camouflage“ unter den Nominierten.


Sie sind die Techno-Band im heimischen Elektronik-Fahrwasser. Wer es nicht besser weiß, könnte annehmen, Elektro Guzzi wäre ein Computermusiker, einer, der sich im stillen Kämmerlein hinter seinem Rechner und gängiger Hard- und Software erfolgreich zu schaffen gemacht hat. Und nun hat er eben drei ganz ordentliche Alben veröffentlicht. Wäre denkbar. Ist aber falsch. Elektro Guzzi, das sind drei Musiker, die hinter ihren Instrumenten sitzend fünf Jahre lang an diesem Projekt getüftelt und 2010 mit keinem Geringeren als Patrick Pulsinger ihr erstes Album veröffentlichten. Mit Jakob Schneidewind am E-Bass, Bernhard Breuer am Schlagzeug und Bernhard Hammer an der Gitarre füllt Elektro Guzzi seither Clubs, Hallen und Festivals rund um den Erdball. In einem Interview haben sie mal gesagt: „Es war die große Herausforderung, das Reduzierte und Rituelle im Techno als Band umzusetzen.“ Die Jahre zeugen davon, dass ihnen dieses Vorhaben gelungen ist. Im Juni 2014 ist ihr bisher letztes Studioalbum „Observatory“ auf dem Berliner Label Macro Recordings erschienen.

Kalte Schauer

„Acid Camouflage“ nennen Elektro Guzzi den zweiten Song auf dem acht Track langen Album. Karin Hammer und Clemens Hufnagl haben sich darangemacht, die richtigen Bilder für diesen rohen, rauen Technosound zu finden. An Inszenierung haben sie keinesfalls gespart, das wird schon nach wenigen Augenblicken klar. Aalglatt gegelte, seitlich gescheitelte Männer in weißen Kostümen wurden sitzend, stehend, wie erstarrt in die Ferne blickend in einem Raum positioniert. Die Männer wirken wie Puppen, eine Spezies, die dem Kind Freude, dem Erwachsenen so manchen kalten Schauer beschert. Sie umgibt altes, feines Mobiliar in einer überfüllt wirkenden, altmodischen Wohnung. An den Wänden hängen Gemälde neben Holzschnitzereien, Jagdgewehren und Trophäen. Der Raum ruht, nur die Kamera bewegt sich, kleine Lampen und leuchtende Vasen illuminieren die Umgebung. Langsam erkunden die BetrachterInnen die Gesamtheit des sich erschließenden Wohnzimmers. Erstmals kommt Bewegung in die Sache, eine Tür öffnet sich, aber nur einen Spalt, die Kamera zieht weiter, hinein in einen anderen Raum, in dem drei Männer wie aufgefädelt vor einem Bett stehen. Die bisher ruhig pulsierenden Klänge verdichten sich, die Kick setzt ein, Stroboskoplichter erhellen den Raum. Im Close-up wechselt das Bild zwischen den Gesichtern im Blitzlicht mit den vorher gezeigten Wandbehängen ab. Die Köpfe der vermeintlichen Puppen beginnen sich zu bewegen. Die Kamera bahnt sich ihren Weg in ein kleines Zimmer, in dem weitere Männer stehen. Geräuschhafte Elemente mischen sich in die Musik, kulminieren im Chaos, die Kamera blickt durch zwei Vorhänge, hinter denen sich eine Masse aus verknäulten Schnüren befindet. Das Knäuel erinnert an das CD-Cover von „Observatory“. Das Video endet.

Kunst der Reduktion

Nach diesem Erlebnis wird den Interpretationen freien Lauf gelassen. Unbewegt bleibt keiner, der sich auf das Bild-Ton-Gemisch einlässt. Elektro Guzzi haben in der Kunst der klanglichen Reduktion eine Herausforderung angenommen. Karin Hammer und Clemens Hufnagl stellen die Kunst der Reduktion auch auf kineastischer Ebene eindrucksvoll unter Beweis.

Lucia Laggner
Vienna Independent Shorts

 

 

 

 

poolinale

 

 

 

http://www.elektroguzzi.net/