Neue Musik im Wiener Musikverein

In den kommenden Wochen stehen im Wiener Musikverein eine Reihe aufregender Konzertabende im Zeichen Neuer Musik auf dem Programm. Unter anderem zu hören sind das Trio KlaViS und das Black Page Orchestra. Im November macht dann das Festival wien modern mit erlesenen musikalischen Darbietungen und Station im Musikverein.

Montag, 18. Oktober 2021, 20.00 Uhr, Metallener Saal

Trio KlaViS
Sabina Hasanova, Klavier
Jenny Lippl, Violine
Miha Ferk, Saxofon, Adaptierung

Programm: “Verklärende Nacht“
Florijan Lörnitzo: blau (*1992, Österreich), 2. Preis beim Gustav Mahler-Kompositionspreis 2020
Viktor Molnár: Miracles of the Interstellar (*1993, Ungarn), 2. Preis beim Gustav Mahler-Kompositionspreis 2020
Ernst Krenek: Trio, op. 108
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht, op. 4; adaptiert von Miha Ferk

Miha Ferk, der Saxophonist des Trio KlaViS (der Name setzt sich aus KLAvier, Violine und Saxophon zusammen) war Jurymitglied des Gustav Mahler-Kompositionspreis 2020 und bringt nun mit seinen Trio-Kolleginnen die Werke der beiden ersten Preisträger nach Wien. Als Anschlussstelle von der Zwölf-Ton-Musik zur Moderne steht das Trio für Violine, Klarinette und Klavier, op. 108 von Ernst Krenek auf dem Programm. Im zweiten Teil des Programms steht Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ in einer Adaption von Miha Ferk auf dem Programm.

Das Trio KlaViS – das sind drei leidenschaftliche Musiker mit Wurzeln in Aserbaidschan, Slowenien, Österreich, Russland, Mexiko, Kroatien und der Türkei kamen in Wien zu einer gemeinsamen Vision zusammen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Musikwelt als Trio KlaViS zu erobern, in der einzigartigen Formation von Klavier (Sabina Hasanova), Geige (Jenny Lippl) und Saxophon (Miha Ferk). Jedes Mitglied arrangiert und komponiert für Trio KlaViS. Das Trio beauftragt bedeutende Komponisten mit Werken in einer Vielzahl von Stilen. Das Publikum wird begeistert durch engagierte und kreative Programme geführt, die den jugendlichen Zuhörern und klassischen Musikliebhabern gleichermaßen gerecht werden. Trio KlaViS kommuniziert mit dem Publikum gleichermaßen durch Sprache und Musik mit ihrem einzigartigen künstlerischen Charisma. 2015 erhielt das Ensemble ein Stipendium des österreichischen Bundeskanzleramtes für Musik, im selben Jahr wurden sie mit dem Bank Austria Preis ausgezeichnet. 2020/21 erhielten sie das Stipendium des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres der Republik Österreich „New Austrian Sound of Music“ und haben das NASOM Präsentationskonzert am 28. September 2021 im Porgy & Bess eröffnet.

Donnerstag, 21. Oktober 2021, 20.00 Uhr, Gläserner Saal / Magna Auditorium

Black Page Orchestra Feat. Dror Feiler

Black Page Orchestra
Alessandro Baticci, Flöte
Helene Kenyeri, Oboe
Florian Fennes, Klarinette und Saxophon
Jason Pfiester, Horn
Luis Abicht, Trompete
Clemens Hofer, Posaune
Felix Pöchhacker, E-Gitarre
Alfredo Ovalles, Klavier und Keyboards
Igor Gross, Percussion
Fani Vovoni, Violine
Maiken Beer, Violoncello
Matthias Kranebitter, Elektronik
Luca Lavuri, Controller
Dror Feiler, Saxophon, Kontrabassklarinette, Live-Elektronik
Christina Bauer, Klangregie
Juan Martin Miceli, Dirigent

Programm: „Extrema“
Frank Zappa: The Black Page; Arrangement Black Page Orchestra (UA) – Rechte sind noch in Klärung
Dror Feiler: Not from here not from now (UA), (Kompositionsauftrag von musikprotokoll graz und Black Page Orchestra, finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung)
Matthias Kranebitter: nihilistic study no. 7
Sarah Nemtsov: skotom.orchesterstück
Peter Ablinger: Jetzt / Black Out

Bereits das 2. Jahr gestaltet das Black Page Orchestra einen Zyklus in den Vier Neuen Sälen.

Black Page Orchestra ist ein 2014 in Wien gegründetes Ensemble für radikale und kompromisslose Musik unserer Zeit. Namensgebend war Frank Zappas Komposition “the black page”, ein Stück dessen Partitur aufgrund seiner hohen Notendichte eine beinahe schwarze Seite ergibt. Neben diesem ästhetischen Ansatz setzt das Ensemble seinen Schwerpunkt auf Werke die insbesondere Elektronik, Video und diverse aktuelle Technologien künstlerisch miteinbeziehen, wie auch Kompositionen die durch ihren performativen Charakter weit über eine herkömmliche klassische Konzertsituation hinausweisen. Experimentierfreudige und vielseitige Programmgestaltung ist ein wesentliches Anliegen des Kollektivs.

Unter dem Titel „Extrema“ spielt das Black Page Orchestra Werke aus musikalischen Randzonen, Kompositionen die durch eine kompromisslose ästhetische Haltung als Grenzwerte musikalischer Entwicklungen gesehen werden können. Extreme Heterogenität und Vermengung von musikalischen, außermusikalischen und unmusikalischen Materialien ist der Anspruch der „nihilstic study no. 7“ von Matthias Kranebitter, eine Liste an klanglichen Situationen die bewusst jeden roten Faden zerreißt. Auch Peter Ablingers „Jetzt/Blackout“  arbeitet mit extrem verdichteten Klangblöcken, mit undurchdringlichen Schichtungen und Verwebungen von Alltagsklängen und Instrumenten, Wirklichkeiten und Unwirklichkeiten der permanenten Gleichzeitigkeiten.
Einer der extremsten und radikalsten Klangkünstler unserer Zeit, der schwedisch-israelische Komponist, Noise-Musiker und Aktivist Dror Feiler, liefert für das Programm ein neues Werk, entstanden im Auftrag des Black Page Orchestras und des musikprotokolls im steirischen Herbst, mit ihm selbst als Solist an Saxofon und Elektronik. In „soktom.orchesterstück“ gelingt der Komponistin Sarah Nemtsov einmal mehr ein klanglicher Facettenreichtum von filigranen Schwebungszuständen zu brachialen Noisetexturen. Und zum Abschluss folgt dann noch Frank Zappa’s „The Black Page“ – jenes für das Orchestra namensgebende Stück, dessen extreme Dichte an Tönen das Notenblatt komplett schwarz färbt.

Neu in der Konzertplanung unseres Intendanten Dr. Pauly sind Schwerpunkte, so die Baselitz-Perspektiven von 22. – 25. November 21 in Kooperation mit der Albertina und wien modern.

Baselitz-Perspektiven von 22. – 25. November 21

Montag, 22. November 2021, 19.30 Uhr, Gläserner Saal / Magna Auditorium (MV)

Mitwirkende
Ensemble Kontrapunkte
Cantando Admont
Cordula Bürgi, Dirigentin
Friederike Kühl, Sopran
Jaap Blonk, Stimme

Programm
Georg Baselitz im Gespräch mit Bernhard Günther und Stephan Pauly über die Programme der kommenden Tage
Morton Feldman: For Franz Kline

Elisabeth Harnik: „Bein im Sprung“ für Bass-Solo, vier Frauenstimmen und vier Instrumente nach einem Text von Georg Baselitz (Uraufführung – Auftragswerk der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und wien modern)
Beat Furrer: Akusmata. Fünf kurze Stücke für Vokalensemble und Instrumente nach Fragmenten von Pythagoras (Uraufführung)

Im Anschluss

Ca. 19.30 Auf ein Glas mit Georg Baselitz

Georg Baselitz im Gespräch mit Elisabeth Harnik

Dienstag, 23. November 2021, 19.30 Uhr, Gläserner Saal / Magna Auditorium

Mitwirkende
Quatuor Diotima
Juliane Banse, Sopran

Programm
Beat Furrer: Streichquartett Nr. 1
Rebecca Saunders: „Unbreathed“ für Streichquartett
Arnold Schönberg: Streichquartett Nr. 2 fis-Moll, op. 10; 2 reine Instrumentalsätze und 2 Vertonungen von Gedichten Stefan Georges für Sopran und Streichquartett

Im Anschluss
Ca. 22.00 Auf ein Glas mit Georg Baselitz

Streichquartette hören, Schönberg sehen. Über die Musik des Abends und über Schönberg als Maler
Georg Baselitz im Gespräch mit Angelika Möser (Direktorin Arnold Schönberg Center)

Mittwoch, 24. November 2021, ab 10.00 Uhr – 23.00 Uhr, Audienzsaal in der Albertina

Im Saal mit den Werken von Georg Baselitz erklingt:
Feldman 780´ (Matteo Cesari – Flöte, Altflöte, Björn Wilker – Schlagzeug, Marino Formenti – Konzept, Klavier, Celesta)
Morton Feldman: For Philip Guston

19.30 Musensaal der Albertina
Georg Baselitz im Gespräch mit Klaus Albrecht Schröder über seine Werke in der Sammlung der Albertina

Donnerstag, 25. November 2021, 19.30 Uhr, Gläserner Saal / Magna Auditorium

Mitwirkende
Quatuor Diotima
Studierende der MUK

Programm
Sivan Eldar: Solicitations. Streichquartett
Beat Furrer: Streichquartett Nr. 2
Olga Neuwirth: „Georg Baselitz“ für Streichquartett und Zuspielung mit einem Text von Georg Baselitz (Uraufführung – Auftragswerk der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und wien modern)

Georg Baselitz im Gespräch mit Stephan Pauly und Bernhard Günther über das neue Werk von Olga Neuwirth
Nach dem Gespräch wird das Stück von Olga Neuwirth ein zweites Mal gespielt

Pause

Georg Friedrich Haas: In iij. Noct. (das Werk wird in völliger Dunkelheit gespielt)
Im ersten Teil des Programms spielt das Quatuor Diotima, im zweiten (Haas) Studierende der MUK.

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Link:
Wiener Musikverein