Neue Musik im Diskurs: Zither und Geige

Einer höchst ungewöhnlichen Kombination hat sich die jüngste Ausgabe der Reihe „Musik im Diskurs“ verschrieben – zwar zählt die Zither in der Neuen Musik zu den aufstrebenden Instrumenten, aber in der Kombination mit Geige oder Bratsche ist die Anzahl der Werke höchst überschaubar. Gerade Martin Mallaun zählt zu jenen Akteuren, die die Komponisten immer wieder auf’s Neue zum Schreiben von Werken für sein vielseitiges Saiteninstrument anstiften und dafür sorgen, dass das verstaubte Image des stets mit der Volksmusik assoziierten Instruments einer Rundumerneuerung unterzogen wird. Dazu verbündet er sich mit Barbara Lüneburg, die ebenso bestrebt ist, neue Wege zu beschreiten. Die Konzertreihe jedoch, die in einer Kooperation von IGNM und ORF vonstatten geht, bleibt bei der Veranstaltung am Dienstag, 12. Juni im ORF KulturCafe, ihrer bewährten Linie treu und lässt die Werke von geladenen Personen besprechen, so dass tiefere Einblicke in und unterschiedliche Blickweisen auf einzelne Werke gegeben werden.

Zum Diskurs stehen – wie üblich unter der Moderation von Irene Suchy – Werke von Leopold Hurt, Helga Pogatschar und Anselm Schaufler. Dabei wird man die traditionellen Instrumente von neuen Seiten kennen lernen, denn die KomponistInnen gehen über die üblichen Spielweisen hinaus und erproben ungewohnte Handhabungen. Gerade aber auch die Auseinandersetzung von Gewohntem kommt in der einen oder anderen Komposition zum Tragen, wobei sich vielleicht auch der Blick auf das Bekannte ändern mag. Mit wechselnden Taktarten fordert Leopold Hurt das rhythmische Verständnis von InterpretInnen und HörerInnen heraus, um es mit Glissandi zu kontrastieren. Anselm Schaufler bezieht sich in der „Wieniatur“ „…nur der Gedanke daran…“ auf Galanterietänze von Georg Bertl aus dem 19. Jahrhundert und lässt diese immer wieder in neues Gewand gefüllt zum Vorschein kommen – als Vergegenwärtigung des Vergangenheit, als welches sie immer im Jetzt erneut entsteht. Auch Helga Pogatscher begibt sich auf eine gewagte Reise zum Mond, wenn die besagten Instrumente mit ihrem traditionellen Repertoire zwischen Donauwalzer und Tango die Atmosphäre in Richtung Erdtrabant und Science-Fiction-Klänge verlassen.

Nach einer Diskussion über die einzelnen Werke, zu der auch das Publikum herzlich eingeladen ist, wird demokratisch entscheiden, welche der dargebotenen Kompositionen ein zweites Mal zur Aufführung gelangt. So hat man nicht nur die seltene Gelegenheit, gern Gehörtes erneut zu erleben, sondern darin auch neue Facetten zu erkunden. (dw)

Foto: Werner Krepper