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bratfisch (c) Stefan Knittel

„Neu sollen die musikalischen Richtungen sein, die wir dazunehmen und ausprobieren“ – TINO KLISSENBAUER (BRATFISCH) im mica-Interview

„Grüner wird’s nicht“ (fischfabrik) heißt das neue Album der Wiener Band BRATFISCH, auf dem wie gewohnt alle möglichen Einflüsse der Weltmusik miteinander kombiniert werden. Im Interview mit Jürgen Plank erzählt TINO KLISSENBAUER, welche musikalischen Ansätze beim neuen Album verfolgt worden sind und wie die ersten Auftritte von Bratfisch waren. Seine musikalische Laufbahn hat TINO KLISSENBAUER am Klavier begonnen, heute spielt er hauptsächlich Akkordeon.

Sie haben vor kurzem das Album „Grüner wird’s nicht“ veröffentlicht, wie war die Produktionsarbeit?

Tino Klissenbauer: Der Produktionsphase geht bei uns immer ein relativ langer Entwicklungsprozess voran, während dem wir Dinge proben und auch Einiges verwerfen und dann – sobald das Material steht und wir das Gefühl haben, wir sind eingespielt genug – geht das relativ schnell.

Wie sieht es bei diesem Album in Bezug auf den Sound aus, welche Klänge wolltet ihr erreichen?

Tino Klissenbauer: Eine Veränderung des Klanges haben wir nicht angestrebt, wir wollten, dass der akustische Touch, der bei Bratfisch auch dazu gehört, erhalten bleibt. Es war eher so, dass wir bei der Produktion gesagt haben: neu sollen die musikalischen Richtungen sein, die wir dazu nehmen und ausprobieren. 

Was habt ihr genau ausprobiert?

Tino Klissenbauer: Wir haben erstmals eine Swing-Nummer dabei, einen Tango haben wir dazu genommen, das hatten wir bisher noch nicht. Wir hatten mit Josef Fuchsberger einen Gastmusiker am Flügelhorn dabei.

bratfisch gibt es nun seit dem Jahr 2002, somit seit mehr als 15 Jahren. Was hat sich seit dem Beginn getan?

Tino Klissenbauer: Es hat sich eine Menge getan, denn in der Anfangszeit von bratfisch haben wir ja in erster Linie ein kabarettistisches Programm gespielt. Ein Hauptbestandteil waren Wienerlieder, die wir mit neuen Texten versehen haben. Diese Texte waren teilweise sehr derb oder deftig, da ist die Komik an erster Stelle gestanden. Das hat sich irgendwann geändert, weil es zwar lustig war, diese Nummern zu spielen, aber musikalisch hat uns das nicht erfüllt. Wir haben dann immer mehr Eigenkompositionen ins Programm genommen und die Coverversionen komplett sein lassen.

Vor kurzem hat bratfisch auch beim Schrammelklang-Festival gespielt. Wie war das?

Tino Klissenbauer: Wir sind bekennende Fans des Schrammelklang-Festivals, weil das ein sehr gemütlicher und feiner Rahmen für einen Auftritt ist. Wir haben auch das große Glück, dass wir wieder am Samstag auf der Hauptbühne als Abschlussband spielen durften. Wir zählen, glaube ich, zu den Bands, die am öftesten dort waren, und das ist für uns jedes Mal ein tolles Erlebnis. Wir spielen gerne auf Naturbühnen, auch wenn es da mal windig ist und nicht immer alle so nah sitzen können, dass sie alles gut hören. Aber vom Ambiente und der Stimmung her, ist es jedes Mal super.

Gibt es insgesamt genügend Möglichkeiten für euch als Band in Österreich aufzutreten?

Tino Klissenbauer: Ich finde, es gibt viele tolle Veranstaltungen, es gibt große Festivals, bei denen man mit dieser Art von Musik sehr willkommen ist. Es ist ein zweischneidiges Schwert, es gibt Hotspots wie Wien, wo viel los ist. Da braucht man nur in einen Veranstaltungskalender zu schauen und kann täglich zu 2 oder 3 Veranstaltungen gehen. Und es gibt Gegenden, wo es schwer ist, wo es kaum etwas gibt. Wenn man dort versucht, selbst etwas zu veranstalten – das haben wir ja auch versucht –, dann ist das eine sehr schwierige Sache.

Wie sind eure Auslandserfahrungen?

Tino Klissenbauer: Das war immer im überschaubaren Rahmen, wir waren in Deutschland und auch in Tschechien, aber da wurden wir immer von Festivals eingeladen.

„Man entdeckt auch immer wieder musikalische Richtungen, die eigentlich der Wiener Musik recht ähnlich sind, wie der Chamamé aus Südamerika“

Wie ist diese Mischung aus Weltmusik und Wienerlied entstanden, die ihr praktiziert?

Tino Klissenbauer: Entstanden ist das in den letzten 15 Jahren. Es hat so angefangen, dass wir versucht haben ein Wienerlied als Bossa-Nova zu spielen und geschaut haben, was passiert dann. Man entdeckt auch immer wieder musikalische Richtungen, die eigentlich der Wiener Musik recht ähnlich sind, wie der Chamamé aus Südamerika. So lassen wir manchmal interessante rhythmische Komponenten einfließen. Manchmal funktioniert das, manchmal geht sich’s auch nicht aus.

Was kann noch in eure Musik einfließen?

Tino Klissenbauer: Mein Bruder ist einmal mit einer asiatischen Melodie angekommen und hat daraus einen charmanten Popsong komponiert, der gut in unser Programm gepasst hat. Wenn man sich nicht an Grenzen hält, kann viel daraus entstehen.

„Der Aufhänger bei dieser Platte war, dass ungefähr vor 100 Jahren recht viel neue Tanzmusik entstanden ist“

Welche Ansätze gab es zum aktuellen Album?

Tino Klissenbauer: Der Aufhänger bei dieser Platte war, dass ungefähr vor 100 Jahren recht viel neue Tanzmusik entstanden ist. Vom Tango, der sich etabliert hat, bis zu Swing und Jive. Da hat sich vieles gleichzeitig entwickelt und das haben wir als Inspirationsquelle herangezogen. So ist etwa eine Wiener Swing Nummer entstanden.

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bratfisch (c) Stefan Knittel

Auf dem aktuellen Album gibt es das Stück „Travesia“. Was hat es damit auf sich?

Tino Klissenbauer: Das Stück „Travesia“ stammt von meinem Bruder Matthias Klissenbauer. Travesia heißt so viel wie Überfahrt. Er hat hier eingearbeitet, dass man von einer Stelle aufbricht, dann über die Wellen getragen wird und dann an einer keltischen Küste landet. Eine Überfahrt von Frankreich weg, etwa. Das musikalisch aufzuarbeiten, diese Bootsfahrt und die Ankunft, hat uns irrsinnig viel Freude bereitet. Das Stück ist uns bei der Aufnahme auch sensationell gut gelungen, weil wir nicht gewusst haben, dass unser Techniker Robin schon aufnimmt. Diesen Moment habe ich gerne in Erinnerung, ein so genannter First-Take gelingt einem ja nicht allzu oft. Auf diese Nummer dürfen wir, glaube ich, zu Recht stolz sein. 

Erinnern Sie sich noch an den ersten Auftritt von bratfisch?

Tino Klissenbauer: Den allerersten Auftritt unter dem Namen bratfisch haben wir im Tacheles im 2. Bezirk gehabt. Dem voraus gegangen ist ein einziger Auftritt, bei dem wir unter dem Pseudonym Die kreuzfidelen Würstelbuben gespielt haben. Das war in Linz bei einer Studentenparty, bei der es einen Wiener Würstelstand als Partyattraktion gegeben hat.

Wiener Würstelstand statt Leberkas-Pepi, sozusagen.

Tino Klissenbauer: Genau, der ist inzwischen ziemlich berühmt. In Linz haben wir aber den Namen Bratfisch noch nicht erwähnt.

„Wir können Dinge machen, wenn wir Lust darauf haben und wir können Dinge stehen lassen“ 

Wenn eine Fee zu Ihnen kommt und Ihnen drei Wünsche für bratfisch anbietet, was würden Sie sich wünschen?

Tino Klissenbauer: Wahrscheinlich gar nichts. Es gibt im Buch „Idioten. Fünf Märchen“ von Jakob Arjouni genau diese Geschichte mit der Fee und diese Wünsche sind alle nach hinten losgegangen. Also da muss man sehr vorsichtig sein. Besser als einer Fee drei Wünsche zu nennen, ist es meinen Bandkollegen Ziele zu nennen, die wir angehen können. Und das Spannende ist dann, daran zu arbeiten und dann erfüllt sich der Wunsch ganz von selbst. Das ist für uns eigentlich der Grund, warum bratfisch für uns so spannend ist: wir können Dinge machen, wenn wir Lust darauf haben und wir können Dinge stehen lassen. Wir haben keinen Zeitdruck dabei.

Sie haben Ihre Beschäftigung mit Musik einst am Klavier begonnen, spielen Sie heute ab und an Klavier oder ist das komplett weg? 

Tino Klissenbauer: Es ist nicht komplett weg, aber es hat einen hohen Frustrationsgehalt. Ich will dann nicht üben, sondern einfach die Sachen von früher spielen und ich merke, dass ich sie – vor allem mit der linken Hand – nicht mehr zusammenbringe. Da fehlt im Moment die Geläufigkeit, im Moment habe ich nicht die Zeit zum Üben. Aber irgendwann wird es wieder ruhiger werden und dann kann ich das ja angehen. 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Jürgen Plank

bratfisch live:
27.09. Sargfabrik, Wien

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