Xylophon (c) Pixabay
Xylophon (c) Pixabay

„Wir warten!“ – Immer noch keine einheitliche Lösung für den Verbleib der Musikvolksschulen

Seit Mitte 2018 sind sie immer wieder Thema: die Musikvolksschulen, die Volksschulen mit musikalischem Schwerpunkt. Nach 30 Jahren erfolgreicher Arbeit sollen diese nicht mehr in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben – eine einheitliche, bundesweite Lösung wird schon seit Langem angestrebt, seit Weihnachten wartet man auf die Antwort des Ministeriums hinsichtlich einer Fortsetzung des bisherigen Schwerpunkts, die nur über die Verankerung im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) ermöglicht werden kann. Malina Meier gibt einen Überblick über das Thema nach aktuellem Stand.

Das letzte Jahr stellte Dieter Habernig und seine Kolleginnen und Kollegen vor große Schwierigkeiten – seit 1991 ist Habernig, derzeit Bundesvorsitzender der österreichischen Musikvolksschulen, an einer Musikvolksschule in Kärnten tätig. Seit 30 Jahren gibt es diese Volksschulen mit musikalischem Schwerpunkt bereits, jedoch wurden sie dabei immer nur als „Schulversuch“ gelistet und damit nicht ins Regelschulwesen übernommen. Dadurch musste jedes Bundesland eigenständig beantragen, ob ihre Musikvolksschulen weitergeführt werden dürfen – und das jedes Jahr aufs Neue.

Im Mai 2018 erreichte Habernig dann diese Meldung: Schulversuche werden bis zum Jahr 2025 gestrichen, mit dem Rundschreiben Nr. 12/2018 des BMBWF wurde der Schulversuch Musikvolksschulen außer Kraft gesetzt. Der Verein zur Förderung der Musikvolksschulen organisierte daraufhin am 29. November 2018 das Event „Ganz Österreich singt“, bei dem alle Musikvolksschulen und damit rund 8.500 Kinder in Österreich zur gleichen Zeit Adventlieder anstimmten, um auf die wertvolle Arbeit aufmerksam zu machen, die durch den musikalischen Schwerpunkt geleistet wird. Auch ein Video zum 30-jährigen Geburtstag der Musikvolksschulen wurde erstellt, in dem bekannte Persönlichkeiten, darunter Natalia Ushakova, Marc Pircher und Franz Posch die Bedeutung der Musikvolksschulen unterstreichen. Doch seitdem wird auf eine endgültige Entscheidung gewartet, wie es nun mit den Musikvolksschulen weitergehen soll. Wie die OÖ Nachrichten am 15. Dezember 2018 darstellten, stehen die betroffenen Schulen vor einem schier unlösbaren Dilemma: „Wenn die Schule schulautonom ein[e] Zusatzstunde Musik beschließt, muss sie eine andere dafür hergeben. […] Auch der Einsatz von unverbindlichen Übungen [ist] wenig praktikabel.“

Abbau statt Ausbau?

Beim 69. Forum Musik am 26. Februar 2019 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit dem Thema „Musikunterricht in der österreichischen Volksschule – Abbau statt Ausbau? Situation in den neun Bundesländern“ wurde auf Einladung des Österreichischen Musikrats (ÖMR) und von mica – music austria intensiv über die derzeitigen Entwicklungen der Musikvolksschulen diskutiert.

So teilte Dieter Habernig mit, dass die Musikvolksschulen in Salzburg für ein Jahr gesichert sind und es auch für Kärnten eine Zusage gibt. Oberösterreich hat jedoch noch keine definitive Entscheidung erhalten, wohingegen sich Niederösterreich zumindest für eine Weiterführung der Musikvolksschulen ausgesprochen hat. Im Burgenland gibt es seit drei Jahren keine Musikvolksschulen mehr, aber an sechs Standorten wird versucht, den Kriterienkatalog, der eine einheitliche Linie für alle Volksschulen vorschreibt, zu erfüllen. Dieser Katalog legt fest, welche Schulen sich auch wirklich Musikvolksschulen nennen dürfen, darin ist auch vermerkt, dass jede Volksschule auf der Homepage oder in Form von Berichten präsentieren muss, was im Rahmen des Musikschwerpunkts geleistet wurde. Silvia Sammer, Landesvorsitzende der österreichischen Musikvolksschulen Steiermark, berichtete, dass es dort 14 Musikvolksschulen gibt, wobei möglicherweise noch zwei hinzukommen sollen. Eine Entscheidung über den Verbleib der Musikvolksschulen erwartet sie für die Steiermark Ende März. In Tirol gestaltet sich die Situation wiederum anders, hier wurde dem Thema medial sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und eine Zusage über die Finanzierung der Extra-Stunden für die nächsten zwei bis drei Jahre zugesichert, so Fachinspektor für Musik Tirol Martin Waldauf. Auch das Land Vorarlberg hat das Stundenkontingent für das kommende Schuljahr 2019/20 für die Musikvolksschulen zugesagt.

Positive Auswirkungen vom gemeinsamen Musizieren

Studien über mehrere Jahre konnten immer wieder den positiven Effekt des gemeinsamen Musizierens belegen. „Musikunterricht sei kein kultureller Luxus, sondern eine Investition in die Entwicklung der Kinder. Man dokumentiere deutliche Entwicklungsvorsprünge bei Kindern, die regelmäßig musizieren“, so die Psychologin, Annemarie Seither-Preisler auf steiermark.orf.at am 16. Juni 2018. Silvia Sammer ergänzt, dass „man einfach sieht, wie Musik auch bei Kindern, die zum Beispiel Legasthenie haben, die Auffälligkeiten haben, die Schwächen haben, wie die Musik diese Kinder auch weiterbringen kann.“ Aufgrund seiner langjährigen Arbeit für und an Musikvolksschulen weiß Dieter Habernig, „dass sich dieser vermehrte Musikunterricht in allen Belangen positiv auswirkt“. Umso ärgerlicher ist im Musikland Österreich, so Habernig weiter, dass es noch immer keine fixe Lösung bundesweit gibt, „weil dieses ständige Bitten und Betteln, dürfen wir, können wir, das kann es nicht sein, das ist auch nicht unsere Aufgabe, sondern unsere Aufgabe ist es als Lehrer wirklich diesen Unterricht zu machen.“ Eine Zusage für ein Jahr Weiterführung in den meisten Bundesländern ist daher zwar zunächst positiv zu sehen, jedoch langfristig nur wenig hilfreich, da sich Eltern für einen Musikvolksschul-Schwerpunkt aussprechen, der über vier Jahre geht und somit eine stete Unsicherheit bestehen bleibt, ob der Schwerpunkt weitergeführt werden kann. Der Wunsch wäre, dass das Parlament eine einheitliche, bundesweite Regelung für die Musikvolksschulen zusagt sowie dass der Name Volksschule mit musikalischem Schwerpunkt verwendet werden darf. Eine Regelung bis Weihnachten wurde zwar versprochen, aber nicht eingehalten, bis April ist diese jedoch dringend notwendig, um das neue Schuljahr überhaupt planen zu können.

30 Jahre Schul-VERSUCH

Man kann sich nur wundern, wie ein Projekt, das seit 30 Jahren erfolgreich besteht und mit dem 30 Jahre lang positive Erfahrungen gemacht wurden, noch immer als Schul-VERSUCH bezeichnet werden kann. Ein Versuch ist laut Definition etwas, bei dem man sich ausprobiert, auch scheitern kann – aber eine 30-jährige Instanz nach so langer Zeit immer noch nicht als wichtigen Teil der Bildung anzuerkennen und in das Schulwesen aufzunehmen, ist und bleibt fragwürdig. „Die Musik wirkt in alle Bereiche des Kindes, ob Persönlichkeit, ob Vernetzung der Gehirnhälften, ob Mathematik, ob Sachunterricht, in alle Bereiche und ist eben die höchste Form der Persönlichkeitsentwicklung und aus meiner Sicht müsste jede Klasse eine Musikvolksschule sein“, so Silvia Sammer. „Wenn man diesen Schwerpunkt wirklich nicht weiter behält, ist es ein Verbrechen am Bildungssystem!“

LinkS:
MusikvolksschulenVideo
Österreichischer Musikrat
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw)