Sommerakademie "Volkskultur als Dialog"

Volkskultur besitzt auf Grund ihrer klaren, einfachen Strukturen ein hohes Potential für interkulturelle Vermittlung und Verständigung. Grundmuster und Grundelemente sind in allen Kulturen in ähnlichen Formen vorhanden und lassen sich leicht gegenseitig erlernen. Es finden sich parallele Inhalte und Funktionen, die meist vertraut sind.
 
Musikalische, gestalterische oder kulinarische Merkmale der Migranten wie der Einheimischen werden als Zeichen genutzt. Im gemeinsamen Austausch bieten sie Potential für kreative Schaffensprozesse. Oft werden sie dabei Ausdruck einer Gruppe, eines Lebensstils und eines Bekenntnisses. Sie reichen in den Bereich des Marketings und gehören zum politischen Image eines Landes, einer Region oder auch einer Religion. Angesichts weltweiter Vereinheitlichung des Konsums, die man der Globalisierung anlastet, erleben Volkskulturen als Gegenentwurf  und Zeichen des Unverwechselbaren eine Renaissance. In Form von Folklore bei gemeinsamen Tanz, Musik und Kulinarischem, bei freundlich-festlichem Beschnuppern lässen sie Erfahrungen über das jeweils Eigene wirksam werden.
 
Erst aus ihrer Selbstverständlichkeit herausgehoben, erhält Volkskultur eine neue, ausdrückliche, ‚moderne’ Bedeutung. Volkskultur wird damit zum Ausdrucksmittel des Eigenen. Momente des Beharrens auf dem Eigenen wie auch des Befremdens gegenüber dem Anderen sind nicht selten.  Jedoch impliziert die Begegnung mit dem Fremden immer auch die Möglichkeit für Reflexion und Neupositionierung des Eigenen. Debatten über Migration sind so immer auch Debatten über das Eigene. Diese Erfahrungen mit Migrationen verändern eigene und fremde Lebenswelten, wobei deren Trennschärfe auch verblassen kann. Wir bemerken, wie einst Fremdes alltäglich geworden ist, auch wenn mancherorts der Verzehr eines Döners noch als Sakrileg geahndet wird.
 
In der Sommerakademie geht es um Fragen des Eigenen im traditionellen Kanon der Volkskultur. Anhand von Tracht, Brauchtum, Kulinarik, Musik, Tanz, Architektur sollen Verbindungen aber auch Konflikterfahrungen und kreative Potentiale ausgelotet werden.  In Vorträgen und Workshops stehen vor allem vermittelnde Möglichkeiten und Verbindungen zur Migration durch Volkskultur und sogenannte multikulturelle sowie kosmopolitische Gesellschaftskonzepte zur Diskussion.

Dazu laden wir alle Vertreterinnen von volkskulturellen Verbänden, im speziellen von Migrationsvereinen und Initiativen sowie Sozialeinrichtungeneinrichtungen ein. Musikerinnen, Sängerinnen und Tänzerinnen, Pädagoginnen, Studentinnen, Kulturwissenschaftlerinnen, Vertreterinnen aus Wirtschaft und Tourismus und alle an Volkskultur und deren Nutzen interessierte Personen, besonders mit Migrationshintergrund (und selbstverständlich ihre männlichen Pendants) sind herzlich willkommen. 

Foto: Nick Mangafas, Projekt Kultur Transfair, Hunger auf Kunst und Kultur mit Jugendlichen von Interface

http://www.volksliedwerk.at