Musik spielen, die vorher vielleicht schon im Ohr war – Amüsgöl im mica-Interview

“Amuse gueule” bedeutet Häppchen, das als Gruß aus der Küche vor einem feinen Menü den Appetit anregen soll. Isabella Fink, Martin Franz, Michael Fetz und Marcel Fetz haben sich die angenehme Assoziation zum gediegenen Speisen musikalisch angeeignet und bieten mit ihrer Musik einen Gruß aus der Musikküche an. Sie musizieren genau jene Musikarten in der Besetzung für Cello, Saxophon, Kontrabass und Perkussion, die ihnen selbst am meisten Spaß machen. Mit einer spielerischen Freude setzen sie sich als Amüsgöl mit musikalischen Ausgangsmaterialien auseinander und schaffen Neues. Sie blicken offen in unterschiedliche Stilrichtungen, probieren viel aus und wollen gute Unterhaltung bieten. Mit ihrer ersten CD legen die vier Individualisten aus dem Bregenzerwald nun eine Visitenkarte ihrer Band vor. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt die Cellistin Isabella Fink von den Ausgangsgedanken und dem Sammelsurium unterschiedlicher Musiken, die sie zusammentragen und für sich neu entdecken. Der Saxophonist Martin Franz berichtet über die Klangfarbenvielfalt und die musikalischen Überlegungen des Ensembles.

Silvia Thurner: Isabella Fink kommt von der Klassik und der Volksmusik, Martin Franz ist vor allem aus dem Vorarlberger Jazzorchester bekannt. Den Kontrabassisten Michael kenne ich von den Bands Firlefanz und den Silberdisteln. War es schon bei der Bandgründung wichtig, möglichst viele unterschiedliche Stilrichtungen zu vereinen?

Isabella Fink: Es war das Konzept, dass wir aus verschiedenen Richtungen kommen und sich diese unterschiedlichen Herkünfte befruchten sollen. Wir wollen uns nicht einengen auf einen Stil, weil wir genau das machen wollen, auf das wir Lust haben. Die Bandbreite reicht vom Schlager über die Charts bis zu klassischen Stücken. Jeder aus unserer Band kann sich gleichberechtigt einbringen, egal ob die jeweilige Stilrichtung nun exakt seinem Metier entspricht oder nicht.

Farbige Musik

Euer Instrumentarium ist vielfältig und bringt Abwechslung. Wie gestaltet ihr die Arrangements und wer macht sie?

Martin Franz: Die Herausforderung liegt oft darin, das Saxophon und das Cello im Zusammenklang gut auszubalancieren. Zum Teil komponiere und arrangiere ich die Stücke, aber oft entstehen die Nummern durch das gemeinsame Experimentieren in den Proben.

Kommen auch Klangerzeuger ins Spiel, beispielsweise Suppenschüsseln oder ähnliches?

Martin Franz: Wir sind offen dafür und haben auch schon in diese Richtung gearbeitet, sie stehen aber nicht im Vordergrund.

Musik von überall her ins Wälderische übersetzt

Wer schreibt und singt die Texte?

Isabella Fink: Meistens singe ich den Text, die Männer singen Background. Die meisten Liedtexte sind im Bregenzerwälder Dialekt. Entweder wir übersetzen die Originaltexte oder wir schreiben einen neuen Text auf einen Song. Unsere Konzerte leben auch von den Texten, die meistens humorvolle, aber auch ironische Inhalte bieten. Die meisten Lyrics schreibt Michael Fetz, darüber hinaus haben Karin Ritter und Doris Franziska Franz Songtexte verfasst.

Woher stammen die einzelnen Stücke?

Martin Franz: Die meisten Nummern sind bekannt, unter anderem von Broadlahn, Hubert von Goisern, den Spice Girls, wir spielen auch klassische Werke und zahlreiche andere. Mit den Ausgangsmaterialien gehen wir sehr frei um.

Isabella Fink: Michael hört sehr viel Musik und macht viele Vorschläge. Die Qualität unseres Ensembles besteht darin, so unterschiedliche Musik auszuprobieren. Hier können wir Dinge realisieren, die wir vielleicht schon lange im Kopf oder im Ohr haben, die sich bislang jedoch nicht in dieser Art umsetzen ließen.

Selbstsicht

Wie wollt ihr eure Musik verstanden wissen?

Isabella Fink: Uns ist wichtig, die Menschen zu unterhalten, darüber hinaus wollen wir selbst Spaß daran haben. Wir merken, dass es für unseren Humor auch ein Publikum gibt.

Diese Art der Unterhaltung mag ich selbst als Konzertbesucherin und auch als Musikerin sehr gerne, weil ich immer wieder in etwas Neues hineinkomme und lustvoll mit Stilbrüchen umgehen kann.

Martin Franz: Mit jeder Band, mit der ich arbeite, ist mir wichtig, dass die Musik einen Bogen hat und ich von dort etwas für mich selbst mitnehme. Dies ist auch in dieser Band der Fall, und zusätzlich kann ich hier mit Musikern und Freunden zusammen musizieren, die ich schon lange kenne und mit denen ich viel erlebt habe.

Mich erinnern eure Musik und die Art der Umsetzung an den Beginn des Duos Stemmeisen und Zündschnur. Steht hinter eurem musikalischen Tun der gleiche Impuls wie ihn Ulli Troy und Hermann Stadelmann bei ihrem ersten Projekt namens “à Wäldarfise” hatten?

Isabella Fink: Es gibt Parallelen, wir singen im Bregenzerwälder Dialekt und wir covern Musikstücke.

Martin Franz: Ulli Troy hat einen großen Output und er brachte von Anfang an eine sehr persönliche Note in die Musik ein. Ich möchte das nicht vergleichen.

Offen für Anderes und kreativ für Eigenes

Habt ihr Vorbilder?

Isabella Fink: Eher Inspirationsquellen, z. B. das Blechbläserseptett Mnozil Brass. Mir hat sehr gut gefallen, wie sie mit der Musik umgegangen sind, wie auch Broadlahn. Oder die Musicbanda Franui, die mich seit ihren Anfängen sehr begeistert.

Martin Franz: Alle kreativen und offenen Musiker sind für mich Vorbilder. Da kann ich keine Namen nennen. Ich bin für alles offen und will alles ausprobieren, und wenn etwas nicht gelingt, muss man die Kultur des Scheiterns lernen. Sonst funktioniert das nicht.

Auf der CD sind auch drei Kompositionen von dir, Martin, zu hören. Komponierst du viel?

Martin Franz: Ich bin keiner, der Tag und Nacht komponiert, aber ich komponiere sehr gerne – mir tut es gut. Für ein anderes Ensemble, die Mixed Horns schreibe ich viele Stücke.

Danke für das Gespräch.

Der Artikel ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im Februar 2014 erschienen.

Termin:
6.2.2014, 20 Uhr, CD-Präsentation, „Ein Gruß aus der Musikküche“, ORF Funkhaus Dornbirn
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