Bild Moll
Moll (c) Maximilian Payer

MOLL – „Musik“

Ehemals bei FILOU, nun solo unterwegs: Der Singer-Songwriter MOLL veröffentlicht am 20. März 2020 sein Solo-Debütalbum „Musik“ (Problembär Records). Der Albumtitel ist Programm, vom Songwriting bis zum Gitarrensolo stimmt alles im Detail. 

Albumcover Musik
Albumcover “Musik”

Wie klingt es, wenn ein Schriftsteller Musik macht? Im Fall von Lukas Meschik bzw. Moll weiß man es eigentlich schon: Das ehemalige FILOU-Mitglied hat sich abgekoppelt und probiert’s solo. Für das Debütalbum „Musik“ hat er sich hochkarätige Musiker, wie den ehemaligen Wiener Sängerknaben Max Payer (Bass), ins Team geholt. Außerdem von der Partie sind Sebastian Kierner (Gitarre) und Simon Schenk-Mair (Drums) – zu viert machen sie eine Art intellektuellen Pop, irgendwo zwischen Schwermut und Lockerheit findet sich der Vibe von Moll.

Moll-Poesie in Dur

Das Songwriting von Moll ist lyrisch vom Feinsten: Seine Lieder sind Kurzerzählungen, nachdenklich und verträumt, gut geeignet, um leicht verschlafen am Morgen aus dem Straßenbahnfenster zu sehen. Getragen werden die poetischen Texte von wunderbar harmonischen Gitarrenparts, die dem nostalgischen Feeling einen positiven Kontext verleihen. So spiegeln sich die lyrischen Texte in der instrumentalen Untermalung wider, wie etwa in den Songs „Moonwalk“ und „Der Kater nach dem Sieg“. Hin und wieder lassen sich Tocotronic-Zitate in den Liedern vermuten, zumindest wenn man Tocotronic Anfang der 2000er mit einer Prise Wiener Charme à la Der Nino aus Wien würzen würde. Grund für die Assoziationen sind die literarischen Texte und die gefinkelten Gitarrensolos, bei denen man sowohl den schriftstellerischen Background als auch die bereits vorhandene Erfahrung als Musiker von Moll merkt.

Jeder einzelne Song des Albums ist eine Ode an die Schönheiten der Sprache, der Umwelt, an besondere Augenblicke im Alltag. Liebeslieder, die, ohne kitschig zu werden, absolut romantisch sind, verträumte Erzählungen von nächtlichen Spaziergängen und zwischendurch schnellere Rhythmen, welche die Füße tanzen lassen. Ob „Lagerfeuerlied“ oder „Herbst“, Moll fesselt mit seiner Stimme, man möchte ihm ewig lauschen und sich in die Musik fallen lassen. Er braucht musikalisch nicht anecken, denn er und seine Band beherrschen ihr Handwerk. Das wohl Überraschendste ist hierbei die Art und Weise, in der einen die nachdenklichen Songtexte nie traurig stimmen. Das wohlig-warme Gefühl von Dur-Auflösungen zieht sich durch jedes Lied und man bekommt nicht genug davon. Dazu trägt wohl auch die charmante Art zu singen bei, denn obwohl prinzipiell in Hochdeutsch gesungen wird, lässt sich hin und wieder ein bisschen Dialekt vermuten.

Der Titel des Albums trifft den Inhalt als Titel ziemlich gut: Was Moll da produzieren, sind nicht nur irgendwelche Pop-Songs, es sind Geschichten, die in Musik verpackt sind. Am besten hört man sich diese auch gleich live an, Moll sind derzeit auf Tour.

Antonia Seierl

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