„[M]ir war es wichtig, im Studio keine Typen dabei zu haben“ – EBRU DÜZGUN (EBOW) im mica-Interview

Vor der Aneignung migrantischer Ästhetiken wird auf EBOWS drittem Album gut hörbar gewarnt[i]. „K4L – Kanack for Life“ (Seayou Records) erscheint am 29. März 2019. Im Zuge des Release kommt es zu einer Planet-Kanack-Tour ab April, die hoffentlich noch mehr Stationen findet als eine Handvoll Städte in Deutschland. Dass die Exil-Münchnerin in Wien lebt, ist eine Win-win-Situation. Sie zählt zu einer bisher raren Minderheit, die wegen der Musik nach Wien kommt. Bianca Ludewig traf EBRU DÜZGUN zu einem Gespräch.

Ebow hat ihre Themen beibehalten. Diese verändern sich zwar, aber Tanzbarkeit oder Sinnlichkeit ist immer dabei. Liebesbeziehungen sind eine thematische Konstante, aber auch die Herkunft und die biografische Verbundenheit zum Thema „GastarbeiterInnen in Deutschland“ sind politisch aufgeladene Wiedergänger. Als Alternativbegriff zu POC [Person of color; Anm.] bietet Ebow „Kanacke“ an. Solidarität und Empowerment  sollen evoziert werden, das ist für Ebow nicht nur biografisch eine Referenz, sondern sie sieht es auch als Ausgangpunkt ihres Genres.

Wie kommt man von München nach Wien, ist das Architekturstudium hier so herausragend? Oder was waren Ihre Beweggründe?

Ebru Düzgün: Das hat mit der Musik zu tun. Ich wollte meinen Master in einer anderen Stadt machen und da kamen Berlin und Wien für mich infrage, aber irgendwie fand ich die Musikszene in Wien doch interessanter. Ich habe mich dann hier fürs Studium beworben und wurde auch genommen.

Und wie lange ist das her?

Ebru Düzgün: Jetzt vier Jahre. Mir gefällt es sehr gut. Und ich bin auch sehr happy über meine Entscheidung!

Wie haben Sie damals angefangen mit dem Rap und wie sind Sie drangeblieben? Um dabei zu bleiben, helfen Ermutigung und geteilte Leidenschaft. Wen gab es da in München, wie war Ihr Umfeld?

Ebru Düzgün: Das war bei mir keine Entscheidung, sondern ich habe das einfach immer schon gemacht, es ist normal, dass ich Texte schreibe und Musik mache und diese auch aufführe, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Ich habe es auch wahnsinnig gern gemacht und kann mir das auch gar nicht anders vorstellen.

Bedeutet es Ihnen nichts, das auch mit anderen zu teilen oder gemeinsam zu machen?

Ebru Düzgün: Doch schon, aber es gab einfach sehr wenig Rapperinnen in meinem Umfeld, als Teenager kannte ich gar keine. Und die Jungs waren eher unter sich, es war superschwer, da reinzukommen oder mit denen etwas zu machen. Das ist mir erst viel später gelungen. Der Support war mein Freundeskreis, aber die haben keine Musik gemacht. In meiner Schule konnte ich auftreten und das Freizeitheim, wo ich war, hat es mir ermöglicht, kleinere Gigs auf Straßenfestivals zu spielen.

Welchen Support erfahren Sie in Wien? Wie erleben Sie die Szenen hier und was passiert hier aktuell im Rap? Gibt es vielversprechenden weiblichen Nachwuchs?

Ebru Düzgün: Als ich nach Wien gezogen bin; habe ich gleich viele Rapperinnen kennengelernt. Das hatte ich noch nie in einer Stadt. Und die auch so vernetzt. Es gibt z.B. das DJ-Kollektiv Bad&Boujee, mit dem ich jetzt auf Tour bin. Es gibt sehr viele Rapperinnen in Wien. Es gibt vor allem viele Räume, Veranstaltungen, Booker usw., die solche Leute auch buchen und zusammenbringen, wie beispielsweise Femme DMC und Hyperreality.

Sie haben in anderen Interviews beklagt, dass Menschen im Allgemeinen und Frauen im Speziellen einander wenig unterstützen würden, es zu wenig Solidarität gebe. Hat sich Ihre Perspektive inzwischen geändert?

Ebru Düzgün: Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich das gesagt habe … Das muss schon länger her sein. Ja, meine Perspektive darauf hat sich stark geändert, weil ich viele Musikerinnen kennengelernt habe, die sehr unterstützend sind. In Wien habe ich auch gemerkt, dass man nicht nur als eine Rapperin eine andere Rapperin unterstützt, sondern auch versucht, gemeinschaftlich etwas auf die Beine zu stellen. Es braucht auch Leute, die eine Veranstaltungsreihe machen und einen buchen. Dass es hier diese Leute gibt, ermöglicht viel in der Stadt. So etwas wie Femme DMC kenne ich in Berlin nicht, da ist es noch mal anders.

Was die politische Situation in Wien betrifft, ist Wien eher keine Verbesserung zu München. Trotzdem gibt es mehr „Widerstand“, als in Medien vermittelt wird, so mein Eindruck. Wie empfinden Sie die derzeitige Situation in Wien? Gehen Sie beispielsweise zur Donnerstagsdemo? Oder wo tut sich etwas, gibt es widerständige Dynamiken?

Ebru Düzgün: Was mir aufgefallen ist, ist, dass alle Leute, die ich hier kenne, eine sehr starke politische Meinung haben. Und die machen auch was dafür. In München weiß irgendwie jeder, was strukturell falsch läuft oder was Rassismus ist, aber man macht nichts. Hier werden einige auch laut, wie die Burschenschaft Hysteria, die sich sehr stark dafür einsetzt, dass man organisiert gegen rechts vorgeht. Oder auch bei den Donnerstagsdemos. Das fehlt mir in Deutschland, auch wenn es in Berlin einiges gibt. Die haben jetzt auch die Donnerstagdemo gemacht, ich war gerade ein paar Monate dort.

Ebow (c) zombienanny

Was haben Sie in Berlin gemacht?

Ebru Düzgün: Ich habe bei einem Theaterstück mitgemacht. Das heißt „Revolt, She Said Revolt Again“[ii], das wurde am Berliner Ensemble aufgeführt. Ich habe die Musik für das Stück gemacht und auch live mitgewirkt. Das ist jetzt vorbei. Es wird noch eine Vorstellung im Mai geben, bei dem Festival Radikal Jung im Volkstheater in München.

Österreich und die neue Regierung sind auch negativ in Diskussion gekommen, weil Frauenarbeit und feministischen Projekten die Förderung gekürzt wurde[iii]. Wie finden Sie so ein Vorgehen? Sind Ihnen Räume wichtig, wo sich Frauen untereinander austauschen können, und zwar ohne Männer? Oder ist das ein Auslaufmodell?

Ebru Düzgün: Ich finde Anlaufstellen und Einrichtungen für Frauen extrem wichtig. Es hat ja einen Grund, warum es sie gibt. Wenn man solche Probleme nicht ernst nimmt, verweigert man den Betroffenen ein sicheres Leben. Es ist erschreckend, auch wenn man die Jahre und Jahrzehnte an Arbeit bedenkt, die viele Frauen da hineingesteckt haben … Einfach nur traurig.

Für so etwas müssten sich dann vielleicht alle Kollektive mit ähnlicher Ausrichtung einmal zusammentun, um etwas auf die Beine zu stellen. Es gibt in Wien ja einige Kollektive, wie Sie schon erwähnt haben, die auch hier Schwerpunktsetzung betreiben, Hysteria, Bliss/Hyperreality, Femme DMC, FEMDEX, female:pressure etc. wo haben Sie Ihre Allianzen?

Ebru Düzgün: Wir haben selbst unsere Crew und ein bildungspolitisches Projekt, das heißt „Feige“ bzw. „wir sind feige“[iv], wir geben Workshops und machen so kleine YouTube-Videos, wo es um Sexualität oder Body Positivity geht, aber auch um Mythen. Solche Sachen mache ich, aber um mich voll zu engagieren, fehlt mir die Zeit. Aber ich spiele immer gerne auf Solipartys. Und ich versuche, dringliche Themen dann auch in meine Musik einfließen zu lassen.

Macht es Ihnen etwas aus, auf Events zu spielen, wo nur Frauen auftreten?

Ebru Düzgün: Nein, aber ich verstehe auch, dass man von einer All-female-Stage, wie es sie ja öfter gibt, auch genervt sein kann und man sich fragt, warum man nicht einfach auf der gleichen Bühne auftreten kann. So wie bei Hyperreality, die einfach ein richtig krasses Line-up auf die Beine stellen.

„Gleichzeitig […] diese Stigma zu haben […], dass man doppelt so viel wie die anderen machen muss, das prägt einen […]“

Ist Kapitalismuskritik auch ein Thema für Sie? Wie finden Sie in den gesellschaftlichen Widersprüchen die goldene Mitte?

Ebru Düzgün: Ja, die Herstellungsbedingungen für Turnschuhe sind scheiße, aber Fair-Trade-Produkte kann sich nicht jeder leisten. Ich versuche, da irgendwie meine Schritte zu machen. Was ich als Kind von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern ganz stark drin habe, ist, dass man etwas leisten muss, dieses Leistungsding. Aber dieses Fleißigsein ist keine Tugend, sondern wir mussten fleißig sein, um bleiben zu können. Man hat die ganze Zeit gearbeitet, konnte nie krank sein, weil man sonst seinen Job verloren hätte und seinen Aufenthalt. Gleichzeitig aber diese Stigma zu haben und damit arbeiten zu müssen, dass man doppelt so viel wie die anderen machen muss, das prägt einen und man landet dann schon in einer neoliberalen Denkform. Ich habe auch länger gebraucht, um zu merken, dass es nicht gut ist, immer beschäftigt zu sein.

Arbeit wird nicht als gleichwertig anerkannt, je höher der Verdienst, desto höher die Anerkennung. Auch wenn man aus den Widersprüchen nicht rauskommt, kann man sich als Rapperin aber gleich verbal betätigen und Gehör verschaffen.

Ebru Düzgün: Kapitalismus ist auch ein wichtiges Thema, es fließt mit ein, aber es ist kein explizites Thema von mir. Nur bei meiner ersten Single „Oriental Dollar“ schwingt das mit. Danach war für mich vor allem meine Gastarbeiterherkunft wichtig.

„[I]ch will die Leute […] empowern.“

Kann man das dann unter Rassismus zusammenfassen?

Ebru Düzgün: Es ist nicht nur Rassismus, auch Sexismus – vielleicht unter „Diskriminierung“. Obwohl es das auch nicht richtig trifft. Ich spreche die Themen ja auch nicht so an, dass ich Leuten die Augen öffnen will, sondern ich will die Leute, die es betrifft, empowern. Ich will auch lieber von tollen Rapperinnen erzählen statt von sexistischem Rap.

Lassen Sie uns über Ihre Musik sprechen: Sie machen immer tolle Videos zu Ihren Tracks. War es von Anfang an ein Ziel von Ihnen, Ihre Musik auch visuell umzusetzen? Welche Bedeutung hat die Bildproduktion im Kontext Ihrer Musik?

Ebru Düzgün: Wenn ich Songtexte schreibe, habe ich auch einen bestimmten Film im Kopf, deswegen war es mir immer wichtig, das auch visuell wiederzugeben. Am liebsten würde ich für jeden Track ein Video machen. Bei dem jetzigen Album habe ich mit Mirza Odabaṣi zusammengearbeitet, einem Freund von mir, der Dokumentarfilme macht. Wir hatten auch schon zusammen Musik gemacht. Er hat viel Erfahrung und wir überlegen uns die Ideen und was man dafür braucht.

Hat Ihnen der Film geholfen, hat Sie dadurch ein anderes Publikum entdeckt?

Ebru Düzgün: Ja, der Film wurde schon viel gesehen und viel gezeigt. Ich fand es auch wichtig, dabei zu sein, auch weil es nicht so viele Frauen in dem Film gibt[v] und weil es darum geht, welche Bedeutung Rap für Kinder von Gastarbeiterinnen hat. Ich habe versucht aufzuzeigen, warum wir Hip-Hop hören und warum es wichtig für uns ist.

Wo ist Mirza verortet in Deutschland?

Ebru Düzgün: Bei Solingen.

Soligen steht in der deutschen Geschichte vor allem für die Anschläge auf Gastarbeiterinnen.

Ebru Düzgün: Darüber hat Mirza auch einen Film gemacht.

Und machen Sie noch mehr Videos für das neue Album?

Ebru Düzgün: Ein zweites kommt diesen Monat noch raus. Dann würde ich gerne noch zwei weitere machen. Da ist das Finanzielle dann immer so eine Frage. Ich habe auch schon für 500 Euro ein Video gemacht, aber immer DIY zu machen schlaucht auch und ich möchte nicht mehr, dass man immer alle um einen Gefallen bitten muss. Ich möchte den beteiligten Künstlerinnen auch eine faire Gage zahlen.

„Das Experiment hat gegenüber der Raptechnik Vorrang. Competition interessiert mich nicht.“

Ebow K4L Cover

Was hat sich für Sie im Laufe Ihrer Alben in der Selbstwahrnehmung geändert? Was sind für Sie die gravierendsten Veränderungen von „Komplexität“ zu „K4L“?

Ebru Düzgün: Die Art und Weise, wie ich mit den Themen umgehe, hat sich verändert. Anfangs war es noch sehr humoristisch, bei „Komplexität“ wurde es direkter und bei „Kanack for Life“ ist es sehr klar und in die Fresse. Ich denke, man hört auch, dass ich sehr von MIA und Missy Elliott geprägt bin. Das Experiment hat gegenüber der Raptechnik Vorrang. Competition interessiert mich nicht. Missy Elliott und MIA stehen für mich dafür, sich Sachen zu trauen, die sich andere nicht trauen.

Wer hat für Sie auf dem neuen Album produziert?

Ebru Düzgün: Ich habe ja noch das Projekt Gadafi Gals und mein Album wurde von demselben Produzenten gemacht, walter p99 arke$tra. Da wir gerade das Gadafi-Gals-Album fertig produziert hatten, waren wir in einem guten Workflow, wo wir einander vor allem Sachen vorgespielt haben, die wir momentan gerne hören. Und die Aufnahmen sind auch mit Nedalot – einer DJ aus Berlin – entstanden, denn mir war es wichtig, im Studio keine Typen dabei zu haben.

Ihre Tour nennt sich „Planet Kanack“. Sind das auch Referenzen auf vergangene Projekte, an denen Hip-Hop beteiligt war, wie beispielsweise Kanack Attack?

Ebru Düzgün: Ja, nein, doch. Ich wollte das Wort neu besetzen, das ja für Gastarbeiterinnen verwendet wurde, die Entwicklung des Wortes von damals bis heute ist eigentlich absurd. Haftbefehl hatte vor ein paar Jahren auch einen Track mit dem Wort und es wird damit noch gearbeitet. Es wird versucht, es zu neu zu besetzen, vielleicht es als einen Begriff für POCs zu benutzen. So gehen wir es jedenfalls in dem Video an.

„Es ist wichtig zu zeigen, dass wir die Berechtigung haben, hier zu sein.“

Gibt es da eine neue Dringlichkeit, ist es Zufall oder Synchronizität, dass dieses Wort jetzt wieder stärker Verwendung findet? Damals war sicherlich auch offener Rassismus der Auslöser für Projekte wie Kanack Attack, heute haben wir vielleicht den NSU-Prozess und sich zunehmend schließende Grenzen und immer mehr Menschen, die sie überqueren wollen.

Ebru Düzgün: Da gibt es schon Zusammenhänge und es geht auch darum, sich zu solidarisieren, weil der Rechtsruck stärker wird. Die Angst, die das vielleicht auslöst, gilt es mit Empowerment zu bekämpfen. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir die Berechtigung haben, hier zu sein und so zu leben, wie wir es tun. Auch ist es wichtig, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und der Ohnmacht entgegenzuwirken, die ein individueller Blick auf die politische Lage vielleicht auslöst. Im Rap scheint es in letzter Zeit verstärkt darum zu gehen zu zeigen, wie toll man ist, und nicht mehr darum zu zeigen, was man gemeinsam hat oder leistet. Was macht mich zu dem, der ich bin? Das ist doch ein klassisches Thema im Rap, das aus dem Blick gerät.

K4L Videoshoot

Jetzt sind wir doch wieder bei der schleichenden Entsolidarisierung. Oder bei der Kapitalismuskritik oder dabei, wie die Dinge ineinandergreifen. Das wäre jetzt schon ein guter Schlusspunkt, aber ich möchte noch etwas zu Ihrem Album wissen: Was hat es mit dem ersten und letzten Track oder Skits auf sich? Was hat es mit dieser Rahmung auf sich?

Ebru Düzgün: Weil es um Community geht. Wenn das Album ein Film wäre, dann würde er für mich mit einem kurdischen Lied anfangen, damit, was mein Ursprung-Ursprung ist. Das Stück ist von meinem Cousin gespielt und aufgenommen worden. Bevor ich irgendwas von Hip-Hop gehört oder aufgenommen habe, gab es das. Und auch wenn es in einer Sprache ist, die ich leider nicht spreche. Es ist die Vertonung eines Gedichts, aber die Worte sind nicht wichtig und der Verweis auf den Komplex kommt dann auch nicht weiter vor. Wie immer geht es um Schmerz und um Sehnsucht und um die Hoffnung, dass es vorbei geht. Das fühlt man auch, wenn man den Text nicht versteht.

„Es ist wichtig sich mit anderen zu vernetzen, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen […]“

Verfolgen Sie, wie es um die Kurdinnen und Kurden steht? Wie gehen Sie damit um?

Ebru Düzgün: Bei dem Thema überkommt einem man schnell eine Ohnmacht, auch weil man weit weg ist. Man kann nur versuchen, in den Social-Media-Kanälen etwas Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ein Freund von mir aus München, Kerem Schrammberger, ist da sehr aktiv und ich informiere mich mithilfe seiner Seite[vi]. Ich versuche, mich mit kurdischen Künstlerinnen in Deutschland oder Österreich zu verbinden. Als Kurdin bzw. Kurde aus der Türkei ist man da auch stark assimiliert, was man daran sieht, dass ich die Sprache nicht spreche, weil das Leben dann leichter für einen ist. Mit anderen Künstlerinnen kann man dann gemeinsam solche Problematiken aufgreifen. Auch darüber, was gerade in der Türkei passiert, und was passierte. Man kriegt sehr wenig mit von dem, was im Osten der Türkei passiert. Es ist wichtig, sich mit anderen zu vernetzen, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und um auf Probleme aufmerksam zu machen, handlungsfähig zu sein. Mit Mirza habe ich auch einen Track für eine Spendenaktion gemacht, die er organisiert hat.

Was hat es mit dem letzten Skit auf sich?

Ebru Düzgün: Das ist aus dem Buch „Von der Zunahme der Zeichen“ von Senthuran Varatharajah. Er spricht sehr oft darüber, Blut im Mund zu haben, sich quasi auf die Zunge zu beißen, weil man die Sprache nicht spricht. Dinge, die einen ausmachen, werden stigmatisiert, sodass man sich schämt. Ich fand das ein krasses Bild, weshalb ich auch den Track „Schmeck mein Blut“ geschrieben habe. Das habe ich dem Autor dann auch geschrieben und gefragt, ob er für das Album nicht etwas lesen möchte. Dann hat er ein Stück aus dem Buch vorgelesen, so ist das entstanden.

„Ich habe da schon so einen weißen Cis-Typen vor Augen gehabt.“

Der Track richtet sich scheinbar vor allem an Männer? Warum?

Ebru Düzgün: Stimmt, ich sag ja auch „Junge“. Rassistische Erfahrungen habe ich nicht nur, aber vorwiegend mit Männern gemacht. Ich hatte zumindest einen Mann im Kopf als diese Person, die mein Blut schmecken soll. Das soll ja so viel wie „Schmeck meinen Schmerz“ heißen, um zu sagen: „Mir macht das nichts aus, ich blute eh die ganze Zeit.“ Die Menschen haben ja auch Angst vor Blut, generell aber vor allem Menstruationsblut sorgt für Scham. Ich habe da schon so einen weißen Cis-Typen vor Augen gehabt.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Bianca Ludewig

 

[i] Aus K4L: Skit Hengameh

[ii] https://www.muenchner-volkstheater.de/radikal-jung/inszenierungen/revolt-she-said-revolt-again-dse-mar-lago-ua

[iii] Vgl. Der Standard am 26. 07. 2018: https://derstandard.at/2000084071322/Frauenprojekte-in-Oesterreich-von-massiven-Budgetkuerzungen-betroffen

[iv] Verein für queer-feministische Bildproduktion und Bildung in Gründung, http://wirsindfeige.org

[v] Mit Chefket, Eko Fresh, Marteria, Spaiche, Saiid Ismati, Fuat Ergin, Isi, Şenol Kayacı, Elektro Hafız, Hülya Arslan, Kadir „Amigo“ Memiş, Marcus Staiger, Ebow, Flockey, Killa Hakan, Maxim, Boe B und Ćelo & Abdï

[vi] https://kerem-schamberger.de/

Termine:
17.04.2019 DE, Köln @ Yuca
18.04.2019 DE, Frankfurt @ Zoom
19.04.2019 DE, Hamburg @ Turmzimmer
25.04.2019 DE, Leipzig @ Distillery
26.04.2019 DE, München @ Milla
27.04.2019 CH, St. Gallen @ Palace
30.04.2019 AT, Linz @ Crossing Europe Filmfestival

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