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Mindesthonorarempfehlungen für den Musikbereich

Mindesthonorarempfehlungen für den Musikbereich in Österreich der IG FREIE MUSIKSCHAFFENDE (IGFM), der MUSIKERGILDE, des ÖSTERREICHISCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES/YOUNION und der AUSTRIAN COMPOSER ASSOCIATION (ehemals ÖSTERREICHISCHER KOMPONISTENBUND).

English Version

In Teilbereichen des Musiklebens existieren kollektivvertragliche Regelungen. So haben etwa die großen Orchester in den Bundesländern, aber auch das Staatsopernorchester oder die Vereinigten Bühnen Kollektivverträge. Auch der Veranstalterverband hat mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund/younion einen Kollektivvertrag für seine Mitglieder abgeschlossen.

Für die freischaffenden Komponist*innen und Musiker*innen haben die jeweiligen Interessenvertretungen Mindesthonorarempfehlungen entwickelt. Diese sind unverbindlich und unterliegen somit nicht dem Kartellrecht.

In Österreich gibt es mehrere Berufsverbände, die Mindesthonorarempfehlungen herausgeben, unter anderem den Österreichischen Komponistenbund (ÖKB) und die Musikergilde. In die Entwicklung dieser Richtlinien ist auch der Österreichische Gewerkschaftsbund/younion involviert.

Im Sommer 2020 hat sich die IG Freie Musikschaffende gegründet, die speziell für den freien Orchesterbereich und den freien Instrumentalunterricht Empfehlungen entwickelt hat.


Mindesthonorare für Kompositionen

Mindestarbeitshonorare für Komponistinnen und Komponisten – eine gemeinsame Empfehlung der younion – die Daseinsgewerkschaft (Fachgruppe Komponisten und Kapellmeister) und des Österreichischen Komponistenbundes. Alle Angaben sind Nettopreise in Euro.

1 – 10 Min.10 – 15 Min.15 – 20 Min.20 – 30 Min.30 – 60 Min.über 60 Min.
Werke für 2 Instrumenteab 2.000ab 2.600ab 2.900ab 3.100ab 3.400ab 7.100
Werke für 3 Instrumenteab 2.600ab 2.800ab 3.100ab 3.400ab 3.600ab 7.700
Werke für Solo Instrumenteab 2.800ab 3.100ab 3.400ab 3.700ab 3.900ab 8.400
Werke bis 9 Instrumenteab 3.100ab 3.400ab 3.700ab 4.000ab 4.300ab 9.180
Werke bis 15 Instrumenteab 3.400ab 3.800ab 4.100ab 4.500ab 5.100ab 10.200
Werke bis 20 Instrumenteab 3.900ab 4.200ab 4.600ab 5.000ab 5.400ab 11.475
Kammerorchesterab 4.400ab 4.900ab 5.300ab 5.700ab 6.200ab 13.114
Sinfonieorchesterab 5.100ab 5.600ab 6.200ab 6.700ab 7.200ab 15.300
Großes Sinfonieorchesterab 6.200ab 6.800ab 7.400ab 8.000ab 8.600ab 18.360
Musiktheater bis 15 Min.ab 3.000
Musiktheater bis 30 Min.ab 5.000
Musiktheater bis 60 Min.ab 7.000
Bühnenmusikab 4.000
Musiktheater/Bühnenmusik Große Häuser30 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Bei der Verwendung von Chor oder einer Solostimme25 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Bei der Verwendung von Video30 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Elektronische Werke werden wie Solowerke d. o.g. Mindesthonoraren behandelt.
Bei zusätzlicher Verwendung von Instrumentalisten gelten die o.g. Richtsätze.
Bearbeitungen/Remix/Arrangements50 % der o.g. Mindesthonorare
Die Notenmaterialkosten entsprechen den „Herstellungskosten für das Aufführungsmaterial“
Herstellungskosten für das Aufführungsmaterial15 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Festivalzuschlag25 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Klavierauszug30 % Zuschlag zu den o.g. Mindesthonoraren
Mindesttarife für Proben mit Musiker*innen:
Im Inland80 Euro/Stunde
Im Inland Festivals120 Euro/Stunde
Im Ausland160 Euro/Probe
Im Ausland Festivals200 Euro/Probe
Auftritte Improvisation:
Preis pro Auftritt und Person500
In einer Gruppe (bis drei) pro Auftritt und Person750
Im Ensemble pro Auftritt und Person400
Solo mit Gruppe/Ensemble pro Auftritt und Person1.000

Stand: März 2021


Mindesthonorare für Live-Auftritte

Die Musikergilde ist eine gemeinnützige Organisation aktiver Musiker*innen und die größte Interessenvertretung für freiberuflich Musikschaffende in Österreich.

Sie empfiehlt folgende Mindesthonorare für Auftritte von Ensembles und Bands, deren Mitglieder solistisch agieren, wie etwa eine vierköpfige Band im Popbereich oder kleine klassische Ensembles. Die niedrigste empfohlene Gage – für einen regionalen Act – beträgt pro Person 350 Euro. Für Solo-Honorare im eigentlichen Sinn gibt es keine Empfehlungen, sie unterliegen der freien Vereinbarung.

  • Konzert internationaler Act: 750,- Euro
  • Konzert nationaler Act: 550,- Euro
  • Konzert regionaler Act: 350,- Euro
  • Playbackauftritt Hörfunk: 450,- Euro
  • Playbackauftritt Fernsehen: 750,- Euro
  • Probenhonorar
    – 1 Tag (max. 8 Stunden): 50 % der Abendgage
    – Sonn- und Feiertagszuschlag: 50 % der Abendgage
  • Leistungsschutzrechte für Konzertmitschnitte: 1 Abendgage
  • Fernseh-Aufzeichnung/Übertragung: 2 Abendgagen
  • Bild/Tonträgermitschnitt: 1 Abendgage
Tipp: weitere Mindesthonorarempfehlungen der Musikergilde wie etwa für Tonträger und Werbung finden sich auf:
https://www.musikergilde.at/de/beratung/tontraeger.html
https://www.musikergilde.at/de/beratung/werbung.html
https://www.musikergilde.at/de/beratung/sonstige.html

Stand: März 2021


Mindesthonorare für freie Orchesterprojekte, musikalische Arbeit in kleinem Ensemble (alle Genres) und für Musikunterricht

Im Sommer 2020 hat sich die Interessengemeinschaft Freie Musikschaffende (IGFM) gegründet, die speziell für den freien Orchesterbereich und den freien Instrumentalunterricht Empfehlungen entwickelt hat.

Mindesthonorarempfehlungen für freie Orchesterprojekte:

Die IGFM empfiehlt, angelehnt an die Ergebnisse ihrer Berechnung dem Vorbild eines österreichischen Orchester-Kollektivvertrags zu folgen. Diese Honoraruntergrenzen sind alle zwei Jahre an die Inflation anzupassen. Die Empfehlungen orientieren sich am Dienstsystem. Ein Dienst umfasst üblicherweise 3 Stunden mit einer Pause dazwischen.

  • Honoraruntergrenze von 94,16 Euro pro Probedienst
  • Honoraruntergrenze von 188,32 Euro pro Konzertdienst

Mindesthonorare für musikalische Arbeit in kleinem Ensemble

Die Honorarempfehlungen für die musikalische Arbeit in kleinem Ensemble sind für alle musikalischen Genres konzipiert und wurden von Musikerinnen und Musikern aus diversen Bereichen begutachtet:

  • Probeeinheit: 156,94 Euro
  • Konzerteinheit: 313,88 Euro

Ein Arbeitstag dauert 6 Stunden (exklusive Anreise, Einspielung usw.) und kann somit 2 Einheiten, wie oben definiert, enthalten. So lässt sich ein gerechter Tagessatz von diesen Honorarempfehlungen ableiten, zum Beispiel:

Tagessatz für 2 Proben: 313,88 Euro
Tagessatz 1 Probe + 1 Konzert: 470,82 Euro

Bei mehrtägigen Projekten können sich Musikschaffende und ArbeitgeberInnen auf einen pauschalisierten Tagessatz für das gesamte Projekt einigen, der sich von diesen Richtlinien ableitet.

Aufnahmen
Ein einzelner Aufnahmetermin dauert bis zu 3 Stunden, mit einer Pause von mindestens 20 Minuten, und wird wie ein Konzertdienst entlohnt (siehe oben).

Instrumental- und Gesangsunterricht

Die IGFM empfehlt für den Instrumental- und Gesangsunterricht Honorare von ca. 60 Euro brutto/Stunde für den freien Musikunterricht. Dieses Honorar sollte je nach persönlicher Situation entsprechend angepasst werden.

Stand: Jänner 2021

Link:
IGFM: Dokumente zur Berechnung der Mindesthonorarempfehlungen


Kollektivvertrag für Musiker*innen

Dieser Kollektivvertrag wurde zwischen dem Österreichischen Veranstalterverband und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund, younion – die Daseinsgewerkschaft abgeschlossen. Sie gilt, wenn ein Mitglied des Veranstalterverbands Musiker*innen engagiert.

Kollektivvertrag für Musiker*innen ab 01. Mai 2019 (Gehaltstabelle)
Anlage A/1 zu § 32 des Musikerkollektivvertrages.

Angaben als monatliches Gehalt in Euro.

täglich

viermal pro Woche

dreimal pro Woche

zweimal pro Woche

Bei einer Arbeitszeit bis zu 4 Stunden pro Arbeitstag

1.282,92

942,63

792,07

556,21

Bei einer Arbeitszeit bis zu 5 Stunden pro Arbeitstag

1.489,10

1.069,85

911,09

628,84

Bei einer Arbeitszeit bis zu 6 Stunden pro Arbeitstag

1.624,00

1.165,33

987,90

692,13

 

Für die sogenannte ambulante Dienstleistung, die nur einmal wöchentlich erfolgt, sind 37 Euro brutto pro Arbeitsstunde bis zu 6 Stunden vorgesehen, bei längerer Arbeitszeit 30,70 Euro brutto.

Stand: März 2021


Mindestlohn in Österreich im Kollektivvertragsbereich

In Österreich gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Allerdings sind 99 % der Arbeitnehmer*innen von Kollektivverträgen erfasst und haben somit Anspruch auf einen Mindestlohn. WKO und ÖGB haben sich auf einen Mindestlohn von 1.500 Euro in den meisten Kollektivverträgen geeinigt.

Die Gesamtkosten für die Dienstgeberseite betragen bei einem Bruttogehalt von 1.500 Euro welches 14mal pro Jahr ausgezahlt wird ca. 27.300 Euro (je nach Bundesland).

Stand: Dezember 2020

Zum Vergleich: In Deutschland ist der Mindestlohn in einem Gesetz geregelt und beträgt ab 2021 brutto 9,50 Euro/Stunde. Es besteht Anspruch auf Urlaub und Entgeltfortzahlung bei Krankheit.

Weiterführende Links

Österreich

International

 

Die Veröffentlichung dieser Informationen erfolgt mit freundlicher Genehmigung von:
IG Freie Musikschaffende (IGFM)
Musikergilde
Österreichischer Gewerkschaftsbund/younion
Austrian Composers’ Association (ÖKB)

 

Stand: März 2021