
Milk+ verbraten in einer einzelnen Nummer definitiv mehr Ideen, als viele andere Rockbands es auf einem gesamten Album tun. Hier sind Innovation und Eigenständigkeit angesagt, sowie die Weigerung, sich auch nur in irgendwelcher Form den herkömmlichen Songformaten zu unterwerfen. Schon das Eröffnungsstück A Man On Wire gibt im Grunde genommen die Richtung vor. Ein Riff, das einem jeden Liebhaber der gitarrenorientierten Musik das Herz aufgehen lässt, richtig schönes Tempo, ein ausbalanciertes Maß an Härte, Dynamik, intelligente Breaks und ein würdiger Refrainteil, der dem Ganzen die Krone aufsetzt, bevor zur Mitte des Songs der abrupte Bruch hin zu einem sich stetig steigernden und weiten spacigen, stimmungsvollen und experimentellen musikalischen Klangbogen vollzogen wird, der wiederum schließlich im nächsten bärenstarken Track mündet. Die hohe Kunst des Progressive-Rock nennt man das wohl, was David Furrer (Gitarre, Gesang), Navid Djawadi (Bass, Gesang) und Alex Kerbl (Schlagzeug) hier vorexerzieren.
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Was Milk+ vor allem auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, alles wie aus einem Guss erklingen zu lassen. Im Unterschied zu vielen anderen Prog-Rock-Entwürfen verlieren sich die drei Musiker in keinem Moment in irgendeinem überambitionierten virtuosen Wettstreit, zu welchem sie aufgrund ihrer herausragenden instrumentalen Fertigkeiten durchaus befähigt wären. Hier wird der Bandklang in den Vordergrund gerückt, der besonders davon lebt, dass wirklich immer irgendetwas passiert. Vielleicht nicht immer hörbar an der Oberfläche, aber doch stets wahrnehmbar.
Mit Band On Wire auf jeden Fall liefern Milk+ ihr wohl bislang stärkstes Album ab, auch weil es qualitativ keinen Unterschied zu internationalen Rock-Veröffentlichungen mehr zulässt. Und das kann man wahrlich nicht von allen heimischen Outputs behaupten. (mt)
Foto Milk+: Ingo Pertramer