mica-Interview mit Wolfgang Danzmayr (KOFOMI)

Beim KOFOMI 2010 in Mittersill ist Wolfgang Danzmayr (* 1947) einer der eingeladenen Gastkomponisten. Der Komponist – damals bereits langjähriger Abteilungsleiter des Salzburger Musikstudios des ORF – begleitete und unterstützte das Komponistenforum schon bei seiner Gründung vor 15 Jahren und war auch beim allerersten Forum (nicht zum letzten Mal) mit dabei. Heinz Rögl führte mit ihm auf der idyllischen Schachernhof- Terrasse mit Blick auf den Ort und die umliegenden Berge das folgende mehrerer Interviews, die er während seines Aufenthalts durch die gesamte Dauer des heurigen Forums führen konnte.

Wolfgang Danzmayr, 30 Jahre lang Musikabteilungsleiter bei den ORF-Studios Salzburg und Burgenland ist vor allem Komponist und Dirigent. Er hat nur während seiner Redakteurstätigkeit (zu) als Verantwortlicher für Produktionen, Sendungen und Konzertmitschnitte zu (wenig) Aufhebens von seiner Kompositionstätigkeit gemacht. Nebenbei gesagt ist er ein hervorragender Orchesterpädagoge und auch Autor von Lyrik und Prosa. In Mittersill wurde eine neue Komposition von ihm uraufgeführt und in einem KOFOMI-Lab präsentierte er (auch) elektroakustische Werke aus seinen „wilden“ Studentenjahren.

HR: KOFOMI Mittersill 2010, vor dem Haus im Schachernhof: Vielen ist Wolfgang Danzmayr vor allem als ausgezeichneter Redakteur und Gestalter von ORF Rundfunksendungen (etwa auch Ö1-zeitton) gegenwärtig. Man kennt seine Stimme, aber viele kennen sehr wenige seiner Kompositionen und die sollen in unserem Gespräch durchaus im Vordergrund stehen. Du hast – du bist heuer Gastkomponist in Mittersill – gestern in einem Portrait (KOFOMI- Lab 1) einen Längsschnitt aus deiner Tätigkeit geboten. Du hast in Wien Musik studiert, und zwar Dirigieren und Komposition. Dirigieren bei Hans Swarowsky, bei dem auch Abbado und Mehta studiert haben…,

Wolfgang Danzmayr: … und Komposition bei Alfred Uhl.

Kompositionen, teils noch aus der Studentenzeit wie „Roulette“ und andere waren bereits durchaus elektronisch; scharfe, anarchische, kurze „Préludes mit abrupten Schlüssen. Du hast in der Kinderzeit der Elektronik noch mit Tonband gearbeitet, hastn ein Band sogar einmal händisch über vier Tonköpfe gezogen…

… für eine Tonbandkadenz.

Wie bist du überhaupt zum Komponieren gekommen?

Ich kann das gar nicht einmal so sehr festmachen. Ich habe bei Alfred Uhl studiert, zunächst Tonsatz, das habe ich schon neben dem Gymnasium betrieben, schon in der siebten und achten Klasse humanistisches Gymnasium. Das war aber eigentlich die Vorbereitung für die Aufnahme in die Dirigentenklasse. Ich wollte Dirigent werden, das war mein Berufswunsch. Ich habe nach der Matura in einem Jahrgang quasi zwei Jahrgänge Tonsatz absolviert und die Prüfung für die Dirigierklasse mit allen anderen erforderlichen Tests bestanden. Als Instrument habe ich nur Klavier mitgebracht. Ich war also bei Swarowsky, sein Assistent war Karl Österreicher. Das Studium bei Uhl ging weiter, ich habe es aber nie abgeschlossen.

Ich wurde auf den elektroakustischenLehrgang bei Dieter Kaufmann aufmerksam, bis dahin hatte ich eigentlich sehr wenigkomponiert. Ernsthaft angefangen hat es 70/71 in  Rom, wo ich im Meisterkursjahr bei Franco Ferrara war. Im Keller des österreichischen  Kulturinstituts stand ein Pianino, da hab ich mich oft zurückgezogen und meine ersten Klavierstücke komponiert. Und auch noch einmal etwas für Tenorblockflöte, und für Klarinette – über das Klarinettenthema aus dem zweiten Satz der „Unvollendeten“. Das waren einfache Kompositionen. Erst mit der Elektroakustik ist der Biss in mir gekommen, der wirkliche Wunsch komponieren zu wollen. Das war auch befreiend – in dem Sinn, als es nicht darum ging, welches Tonsystem zu verwenden ist: Arbeite ich jetzt mit Zwölfton- oder mit Ganztonskalen (was ich sehr gerne tat) oder: welche Harmonien? In den Klavierstücken gab es schon eine fast popartige Sonata, die ich übrigens Friedrich Gulda gewidmet hab’, mit einem Jazzteil, der war animiert von seiner Einspielung der Beethoven-Sonaten und vor allem der 32., wo er im Arioso-Teil fast ins Jazzige geht. – Das waren erste Gehversuche, gar nicht schlechte, aber das wirkliche Interesse kam mit der elektroakustischen Musik. Da hab ich eine große Befreiung gespürt, man arbeitet mit dem Klangmaterial, das man sich selber erarbeitet hatte. Dieter Kaufmann hat damals zu mir gesagt, oder mich sogar den Kollegen vorgestellt als jemand, der von der Komposition herkommt und sich daher auch in gewisser Weise leichter tut, weil er komponieren kann. Es gab Kollegen, die tolle und auch unglaublich witzige Collagen zustande gebracht haben, aber es waren keine Kompositionen in dem Sinn.

… das waren die siebziger Jahre. Wie war die Musikszene damals in Wien? Da gab es schon die „reihe“.

Da bin ich gar nicht einmal so sehr hingepilgert. Es war eigenartig, ich hab mich da zunächst eher ferngehalten. Ins Musikgeschehen bin ich erst viel mehr eingestiegen, wie ich dann im ORF war, bzw. schon vorher, teilweise von Dieter Kaufmann angeregt: Eine Recherche über Komponisten in Österreich, wo wir verschiedene Leute der verschiedenen Organisationen zusammengebracht hatten, oder auch Podiumsdiskussionen. Ich hab eine „Experimenta“-Zeitschrift herausgegeben für die „Gesellschaft für experimentelle Musik“, die wir gemeinsam gegründet hatten. Das war schon nach dem Lehrgang. Und dann ist es plötzlich geschehen, dass ich mich in Salzburg beim Abteilungsleiter im ORF gemeldet habe, der mir ein paar Jahre vorher, 1973, den Dirigentenförderungspreis des Studios Salzburg als Abschluss der Internationalen Sommerakademie überreicht hatte. Den kannte ich, dem habe ich eine Sendereihe vorgeschlagen und der hat mich dann eingeladen und mich als Aufnahmeleiter bestellt. So bin ich zum ORF gekommen. Vorher gab es eine einzige Sendung von mir über die „Komponisten in Österreich“-Sache, die ich nicht einmal selber gesprochen hatte.

Das war ein Standbein, eine materielle Absicherung deiner Existenz…

… wobei ich ja jahrelang überlegt habe, als ich schon Abteilungsleiter war, ob ich nicht wieder lieber freier Mitarbeiter werden möchte um mehr Freiheiten zu haben. Weil: das Künstlerische musste immer parallel gehen. Ohne das hätte ich nicht überlebt. Aber, um noch einmal auf die Siebzigerjahre zurückzukommen: Ich war ja wirklich ein Achtundsechziger – mit urlange Haar’. Ich war nicht aggressiv, aber sehr kritisch eingestellt gegen alles, ich war auch sehr links. – Wir haben zum Beispiel in einer Arbeitsgruppe Karl Marx durchgeackert, das „Kapital“, wir sind eh nur bis zum achten Kapitel gekommen, weil wir mehr diskutiert haben als gelesen. Ich war schon in einer Phase, wo ich wirklich alles in Frage gestellt hab. Auch das „verhasste Establishment“.

Du warst auch Pop- und Jazzfan?

Ich war immer einer Popfan, ich war ein Beatles-Fan von der ersten Stunde und bin’s bis heute. Der Jazz ist dann dazu gekommen, und ich habe immer bedauert, dass ich während meiner Ausbildung nie gejazzelt oder improvisieren gelernt habe. Außer die freien Improvisationen. Und deswegen habe ich dann meinem Sohn sofort einen befreundeten Jazz-Organisten zur Seite gestellt, der hat ihm ein paar Stunden gegeben und mein Sohn kann heute „jazzeln“, dass es eine Freud’ ist.

Du hast gestern auch ein Stück für Klavier und Tonband gespielt. Eine Soiree aus
„Augen, Nase und Mund“…

… ein „kubistisches Portrait“ hab ich’s genannt. Das war also die Studentenzeit.

In Salzburg hast du dich in die Arbeit geschmissen. Das Ende der wilden Jahre, auch der Elektroakustik, war damit ein bisschen verbunden, hast du gesagt. Du hast einen Neuanfang als Komponist gesucht.

Ja. Da entstanden einige kammermusikalische Werke, wo ich sehr von Konstruktionen ausgegangen bin. Die mich aber nicht sehr bbefriedigt haben. Und dann kam auch prompt das Aus – und eine lange Reihe von Jahren, wo ich nichts komponieren konnte. Ich war natürlich mit dem Beruf sehr beschäftigt, gerade am Anfang. Ich musste die ganzen Management-Qualitäten erst lernen im Rundfunk, ich war ausgebildeter Musiker, aber kein Manager.

Wie stand es um die Möglichkeiten in Salzburg, die hat es ja auch nicht so gegeben
damals?

Es hat sie eigentlich schon gegeben. Klaus Ager zum Beispiel, mit dem ich auch Sachen gemeinsam gemacht habe, zum Beispiel die ersten „Aspekte“, da habe ich auch noch mitimprovisiert mit dem Lois Lindner-Instrumentarium …., er war ein Bildhauer. Ich habe eigentlich den Zugang zur elektroakustischen Musik in Salzburg nicht gesucht. Im Rundfunk hätte ich zwar die Möglichkeit gehabt Tonbänder zu schneiden etc., aber nicht die Zeit.

Du wurdest Chef der Musikabteilung und hattest durchaus die Möglichkeit, von einem „Regionalstudio“ aus für verschiedene Programme, ich nehme an auch Ö1…

… hauptsächlich Ö1 …

… Mitschnitte von Konzerten zu produzieren, der gesamten Musik, auch der Festspiele natürlich…

…das war immer das jährliche „Highlight“. Aber das wirst du vielleicht gar nicht wissen, ich bin ja dazwischen einmal sogar abgehaut von Salzburg. Ich hab diese Atmosphäre nicht mehr ausgehalten und bin 83/84 ins Burgenland für eineinhalb Jahre. Hellmut Andics war damals der Intendant, die Stelle wurde frei, ich hatte davon gehört, und Andics und ich haben uns in Wien im Cafe Hawelka für 10 Minuten getroffen, waren uns sofort handelseinig und ich bin mit meiner Familie ins Burgenland und hab die dortige Musikabteilung übernommen. Ich hab die ganze dortige Gegend beackert, habe die Vorarbeiten für die heutigen Haydn-Festspiele in die Wege geleitet, sehr viel Oberschützen und Lockenhaus selbstverständlich – jeden Abend mit Gidon Kremer die Mitschnitte für die Sendungen besprochen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht und wir sind eher aus privaten Gründen wieder nach Salzburg zurück, wo wieder meine ehemalig Stelle frei war. Die wollten irgendwelche Bedingungen stellen und ich hab denen bis hinauf zu Gerd Bacher gesagt, wisst ihr was, ihr entscheidet ob der Danzmayr im Burgenland bleibt oder wieder nach Salzburg soll. Aus. Ich geh’ auf keine Bedingungen ein, und das hat funktioniert. In Salzburg, das muss ich auch sagen, war ja dann bald diese Karajan-Ära vorbei, die zwar auch faszinierend war, aber auch belastend. Und mit Mortier ist es dann sehr gut gegangen, aber auch mit Hans Landesmann, mit dem ich dann meine Verhandlungen – für die Festspiele zum Beispiel – zu führen hatte.

Du hast dich jetzt – im Vorjahr – sogar etwas vorzeitig freiwillig pensionieren lassen.

Es waren dreißig Jahre als Abteilungsleiter und drei Jahre davor dazu als freier Mitarbeiter. Ich hab sehr viel mitgemacht und erlebt, auch was alles durch meine Hände gelaufen ist, bis hier in Mittersill. Und ich habe unglaublich viel profitiert an Kenntnis – auch in der Jazzszene. Das größte Anliegen war mir immer aber auch die Moderne – und die jungen Leute.

Du warst beim allerersten Mal schon beim Komponistenforum Mittersill dabei.

Ich war beim allerersten Mal dabei, als Wolfgang Seierl hier im Wald mit Autobatterien vier Lautsprecher aufgebaut hat, die Kinder haben daneben im Bach gespielt – zu einer Webern-Komposition mit einer Tänzerin. Das war sozusagen die Urstunde. Ich kann mich auch noch gut erinnern, wie wir damals am Friedhof mit dem Vizebürgermeister zusammen am Webern-Grab waren. Ich habe die ersten zwei, drei Forums noch persönlich mitbegleitet, und dann ist es ohnedies wunderbar gelaufen.

Wie war das eigentlich mit Mitschnitten aus Mittersill, von Schlusskonzerten oder
anderem?

Wir haben etwa sieben Jahre lang die Mitschnitte gemacht, vor allem vom Schlusskonzert. Und dann ist es wieder enger geworden mit den Ressourcen und da haben Wolfgang Seierl und Hannes Raffaseder das selber übernommen.

Das Engerwerden der ORF-Budgets. Erich Urbanner hat mir in seinem mica- Interview von den Jugendkulturwochen in den fünfziger und sechziger Jahren in Innsbruck erzählt; Leiter der Musikabteilung in Innsbruck war Bert Breit und der konnte sehr viel Kompositionsaufträge und Uraufführungen samt Proben im Landesstudio Tirol ermöglichen. Irgendwann musste der auch sagen, das geht nicht mehr, wir werden zentralisiert. Es läuft alles über Wien. Hast du das in Salzburg auch gemerkt?

Absolut. Es war weniger die Frage der Zentralisierung vom Verwaltungstechnischen her. Es ist eine ökonomische Frage geworden. Ich bin 1976 nach Salzburg gekommen. Da haben wir wirklich noch aus dem Vollen geschöpft, wir haben Geld wie Heu gehabt. Das muss man ehrlicherweise sagen. Wie dann die Privatradio-Landschaft Mitte der Achtziger langsam aufgegangen ist, sind dann die Ressourcen weniger geworden. Ö1 hat immer weniger für die Länder hergegeben. So hat zunächst einmal Maximilian Blumencron Kompositionsaufträge eingeführt. Man hat dann die Aufführungen in Wien selbst gemacht, so machte ich etwa im Wiener Radiokulturhaus mit dem oenm ein Konzert mit Salzburger Komponisten, das ich dirigiert habe oder ein sehr progressives Kunstprojekt mit der „reihe“, mit … Christian Mühlbacher. Das ist dann auch weniger geworden. Es ist uns verdammt wenig an Geld übriggeblieben. Man musste auch den gewerkschaftlich organisierten Orchestern sagen, das geht nicht mehr. Es musste alles immer billiger werden, immer mehr „Goodwill”. Ich machte auch Kooperationen – mit dem Literaturhaus oder mit dem Kulturverein Schloss Goldegg. Ich habe mir noch und noch „Deals“ einfallen lassen.

Es gibt eine „Szene“ in Salzburg, Musiker und Komponisten wie Gerhard Laber, Werner Raditschnig und etliche andere interessante Komponisten…

…hochinteressante!

Wie ist die Entwicklung in Salzburg in letzter Zeit? Es ist ja sehr erfreulich auch: Neue Konzertsäle des neu- und umgebauten Mozarteums bzw. der Musikuni, das oenm, das Stadler Quartett…

Da muss ich sagen, das ist vielleicht eine der erfreulichsten Sachen in Salzburg in letzter Zeit. Mit dem Neubau der Universität Mozarteum, mit diesem Rektor – Reinhart von Gutzeit – ist es möglich geworden und wird vieles möglich, auch an Kooperationen.  Auch vom ORF aus, auch mit dem Mozarteum oder der IG Komponisten/IGNM Salzburg (Stefan David Hummel). Wir haben jedes Jahr die „Nacht der Komponisten“ live in Ö1 übertragen. Das oenm ist unglaublich gut geworden. Auch in der Politik ist vieles geschehen. Sowohl im Land vor allem, als auch Stadt Salzburg. Die ermöglichen vieles.

Andererseits: Es gab in Salzburg auch eine „Jugendszene“, es gab eine „Szene der Jugend“, die dann zur „Szene Salzburg“ wurde. Manches war auch etwas in kommerziellerem Fahrwasser.

Ende der siebziger Jahre gab es ja noch diese „Dunstglocke“ Salzburger Festspiele über der Stadt, das war aber auch erstickend. Es ist eine der größten Großtaten, dass Alfred Winter die „Szene der Jugend“ ins Leben rief. Aus diesem Pool heraus ist so vieles möglich geworden. Dann war noch das Glück, dass ein Hofrat Peter Krön, ein Bürgermeister Reschen oder ein Vizebürgermeister Fartacek etwas in Bewegung gebracht haben, z. B. die ARGE Nionntal, unglaublich vieles gebaut haben – wie das „Rockhouse“, das ist ja erst damals entstanden. Und da sind viele Subkuklturen möglich geworden. Es gab Alternativen. Salzburg ist heute unglaublich reich an „Events“, dass es schon fast zu viel ist.

Es gibt „Das Kino“ …

… es gibt sehr vieles, das Toi-Haus, das Kleine Theater, die Elisabethbühne, die als „Schauspielhaus“ ein wichtiges Theater geworden ist.

Kannst du abschließend spontan sagen, was während deiner Tätigkeit für den ORF deine für dich wichtigsten Projekte waren, an die du dich gerne erinnerst?

Das gäbe es eine Unzahl zu nennen. Ich erzähle immer gerne eine Geschichte: Als ich nnoch freier Mitarbeiter war, begegnete ich am Gang beim ORF einem sehr hageren Menschen mit unglaublichem Lockenhaar und es stellte sich heraus, er sei Jazzmusiker. Der irrte zwischen E-Musik und der U-Musik hin- und her. Beide sagten ihm, da sei die jeweils andere Abteilung zuständig. Der stellt sich mir vor und es stellte sich heraus, das war Tom van der Gell, der Vibraphonist. Ich ging zu meinem damaligen Chef Gottfried Kraus und sagte ihm, „Das darf doch nicht wahr sein, haben wir keinen Jazz im Studio?“ – und er sagte „nein, aber du hast recht, mach’ eine Produktion mit denen“. Das war die erste Jazzproduktion und damit hielt der Jazz dort Einzug.

Und dann war da Werner Raditschnig…

… der Offene-Grenzen-Künstler Salzburgs schlechthin ihn meinen Augen. Mit dem jetzigen LIVA-Direktor Wolfgang Winkler, der damals im Studio Oberösterreich war, habe ich zusammen als Producer-Duo für die Sendereihe „Offene Grenzen“ gewirkt und wir haben dort „geworkt“, wie es uns gefallen hat. Da war der Werner Raditschnig natürlich Stammgast.

Nebenbei hast du aber immer wieder komponieren „müssen“, wie du so schön sagtest. Du hattest eine meditative Richtung und Phase. Du hast 1990 gesagt „… aber Stücke sollen auch klingen“. Du warst im Radiokulturhaus, beim Musikprotokoll 1988 …

… das war ein Stück für sechs Klaviere und Pianist(inn)en – übrigens unter der Leitung von Georg Friedrich Haas, unter dem Signet „Mikrotonale Musik“ war das möglich damals …

… du machtest diese berühmte Geschichte mit 7 Klavieren im Zwölfteltonabstand (im Studio und mit dir live dazu)…

… und es gab eine Hölderlin-Geschichte mit Julian Schutting, zwei Musiktheaterprojekte mit (??) Dzevad Karahasan, ich habe mit dem Regisseur Helmut Gantschacher und seinem „arbos“ sehr eng zusammengearbeitet. Moderne Opern in Klagenfurt, szenische Konzerte. Ich war in verschiedenen Richtungen unterwegs. Und das ist das, wo ich momentan mittendrinnen stecke. Oder um es mit meinen geliebten Beatles zu beschreiben: „Get back to where you once belonged“. Einerseits ein Rückgriff auf das wo ich herkomme, andererseits hoffentlich eine Anreicherung mit meinen elektroakustischen Erfahrungen, Meditation etc. Ich habe auch in dem Stück für Mittersill („Strömungen“) wieder einen ganz meditativen Teil drinnen.

Wir können noch erwähnen, dass du Streichquartette geschrieben hast…

… auch Orchestermusik, auch Auseinandersetzungen mit Komponisten wie Brahms, Bach, Mozart, Schubert, sehr vehemente. Das ist eine sehr zweischneidige, ambivalente Geschichte, weil diese Leute sind alle so unglaublich groß. Ich habe eines meiner „Tableaux“, die Nr. 2 für Streichorchester, das auch Sándor Végh mit der Camerata aufgeführt hat, auf ein Fragment von Mozart hin komponiert, das nur aus zwei Mal acht Takten Violinstimme besteht – ursprünglich als langsamer Satz der Serenade „Kleine Nachtmusik“ gedacht und wieder weggelegt. Der Végh sagte dann Jahre später: „Sie müssen etwas über ‚Adagio und Fuge’ machen“, ich schaute ihn an und sagte „Herr Végh, das ist eines der größten Meisterwerke der Weltliteratur und ich als kleiner Komponist soll da …“ – es ist dann mit vielen Schwierigkeiten tatsächlich ein Stück daraus geworden. – Wie soll ich sagen, mich reizt, mich wieder zu reduzieren auf herkömmliche Notation, herkömmliche, traditionelle Spielweisen. Das Eine ist die Elektronik mit ihren unglaublichen Möglichkeiten. Und das andere ist die Instrumentalmusik, wo ich finde, dass man die Instrumente manchmal fast missbraucht. Um mit ungewöhnlichen Klängen noch innovativer als innovativ zu sein. Da setzt wieder mein Eigensinn ein.

Du hast mit Veronika, deiner Gattin auch seit Jahren ein schönes Orchesterprojekt laufen. Ihr spielt auch heuer zu Neujahr in Zauchensee – u. a. steht Guldas Cellokonzert auf dem Programm. Ursprünglich ein Amateurorchester …

Dieses Orchesterprojekt ist ganz wichtig. Ich hatte sechs Jahre lang ein Amateurorchester geleitet und damit habe ich Erfahrungen gemacht, wie auch mit professionellen Orchestern und Musikern.

Und jetzt ist es eine Mischung. Am jedem Pult sitzt tunlichst ein Amateur mit einem Profi. Und beide Seiten profitieren. Lieber Wolfgang Danzmayr, ich danke für das Gespräch.

Fotos: Heinz Rögl

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