mica-Interview mit pauT

Paul Schreier ist der Frontmann der Badener Band pauT. Deren Lied “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” ist seit dem Sieg beim Protestsongcontest 2010 der erste Hit der Band. Im Alter von sechs Jahren hat Schreier seine Eltern um die Anmeldung in der Musikschule angebettelt, auf die Blockflöte sollten Gitarre, Klarinette und Kontrabass folgen. Jürgen Plank hat den umtriebigen Musiker zum Interview getroffen, der seinen größten Hit auch schon live in China gespielt hat.

Wie ist es mit deinem Musikmachen nach der Blockflöte weiter gegangen?

Ein großer Wendepunkt war, als ich mit zirka 12 Jahren eine Beatles-Dokumentation im Fernsehen gesehen habe. Da habe ich beschlossen, dass ich mir auch die Haare wachsen lassen, E-Gitarre lernen und irgendwann ein Beatle werden muss. Ein halbes Jahr danach habe ich begonnen, Gitarre zu lernen und wieder ein halbes Jahr später Bass-Gitarre. Die Blockflöte habe ich gegen eine Klarinette ausgetauscht und so hat es sich entwickelt, dass ich ein Instrument nach dem anderen erlernt habe.

D.h., du hast gedacht, jeder könnte ein Beatle werden? Oder war dir das schon klar, dass das eine Band ist?
Beides. Es war schon klar, dass das eine Band ist, die aktiv nicht mehr existiert. Aber der Traum, ein Beatle zu werden, kann einen schon sehr weit bringen, auch wenn es vielleicht nicht direkt möglich ist. Ich glaube, dass kann einen schon pushen.

Deine Haare sind jetzt wieder kürzer und du hast verschiedene Stationen als Musiker durchlaufen. Was gab es denn vor deinem aktuellen Projekt pauT?
Vor pauT war die wichtigste Station in Baden meine Band Westpol, mit der wir sehr lange hauptsächlich in Baden gespielt haben und auch die CD “Die elegante Variante” aufgenommen haben, die 2008 erschienen ist. Bei Westpol habe ich Gitarre und Bass gespielt und mit den Bandkollegen begonnen, Lieder zu schreiben. Irgendwann habe ich auch begonnen, eigene Lieder zu schreiben und in gewisser Weise hat sich aus all dem heraus das pauT-Projekt entwickelt. pauT ist mein Nachfolgeprojekt, wie bei pauT habe ich auch bei Westpol Lieder mit deutschen Texten geschrieben. Ansonsten habe ich in diversen Coverbands gespielt, auf Geburtstagen, Hochzeiten und sonstigen Parties.

Überschneiden sich die Mitglieder von Westpol und pauT?
Es überschneidet sich nur in einer Person, der Gitarrist Knut ist bei Westpol gegen Ende eingestiegen. Liedertechnisch überschneidet es sich ein bisschen, wir haben ein paar Westpol-Lieder ins pauT-Repertoire übernommen und ich habe zu den Westpol-Leuten noch immer einen guten Draht.

Du hast vorhin erwähnt, dass du deine Texte auf Deutsch schreibst. Gab es auch Lieder in anderen Sprachen? Oder: Warum ist es für dich wichtig, dass die Texte auf Deutsch sind?
Die Texte waren fast immer auf Deutsch, es gab Versuche auf Englisch, aber die würde ich alle nicht als geglückt bezeichnen. Auf Deutsch bin ich beim Texten besser. Das ist direkter und da kann ich mehr das sagen, was ich sagen will. Da habe ich einfach mehr Gefühl für die Sprache.

Das hat man auch im Jahr 2010 gesehen, als du mit “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” den Protestsongcontest gewonnen hast. Wie war denn dieser Sieg im Rückblick?

Das war natürlich sehr schön und eigentlich der Startschuss für das pauT-Projekt, das aus dem Protestsongcontest heraus entstanden ist. Ich habe nach Westpol begonnen, einige Lieder aufzunehmen, quasi als Solo-Projekt, da war auch “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” dabei und ich habe dieses Lied beim Protestsongcontest eingereicht. Als ich im Halbfinale war, habe ich einige Leute angerufen und gefragt, wer bei einer Band mitmachen möchte, weil ich eine Band gebraucht habe. Und so hat sich im Rahmen dieses Contests die pauT-Band erst formiert, was eigentlich sehr schön war, weil ich schon ein ganzes Repertoire an Liedern gehabt habe, die war danach einstudiert haben und nach dem Contest haben wir unsere ersten Auftritte mit einem ganzen Set an Liedern gehabt. Das war somit ein positiver Effekt für die Band, hast du sonst durch den Sieg beim Protestsongcontest einen PR-Schub bemerkt? Generell schon, nur dadurch, dass das Projekt so neu war, war die Situation schwierig. Weil außer dem Lied “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” noch nichts da gewesen ist. Aber dieses Lied ist relativ häufig im Radio gelaufen. Wenn schon eine fertige CD, eine Homepage und so weiter da gewesen wären, wäre natürlich mehr möglich gewesen.

Ebenfalls im Jahr 2010 warst du mehrere Monate lang in Shanghai und hast dort im Österreich-Pavillon gespielt. Wie war denn diese Erfahrung?

Das war eine der tollsten Erfahrungen in meinem Leben. Es war toll, wir haben dort 4 bis 5 Mal pro Woche gespielt, jeweils einen halben Tag lang, immer kurze Konzerte. Das war sehr lustig, weil wir sehr frei agieren konnten. Wir haben zum Teil ein vorgegebenes Repertoire gehabt und haben nach Noten und fertigen Arrangements gespielt. Zum Teil haben wir auch eigene Sachen gespielt und ich habe mit den MusikerInnen dort auch “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” einstudiert. Wir haben das Lied im Österreich-Pavillon gespielt und es ist beim chinesischen Publikum auch immer sehr gut angekommen. Dazu gibt es auch ein schönes Video auf youtube, das zeigt, wie enthusiastisch alle “anzünden, anzünden” schreien.

pauT live in Shanghai!
Ja, pauT live in Shanghai.



“Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” war somit ein kleiner Hit, hat dir das in irgendeiner Form Druck gemacht, noch ein ähnlich erfolgreiches Lied zu schreiben? Der Text zu diesem Lied thematisiert das sogar, da heißt es: “Mein producer hat gesagt, ich soll den Sommerhit schreiben.”

Ich glaube, gute Lieder will man sowieso immer schreiben. Es hat mir keinen Druck gemacht, ich habe mir nicht gedacht, jetzt muss ich noch einmal ein Lied wie “Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden” schreiben. Es ist schön, dass viele Leute dieses Lied kennen und ich werde auch zum Teil bei Konzerten von Der Nino aus Wien, bei dem ich am Bass mitspiele, darauf angesprochen. Manchmal ist es auch so, dass Leute dieses Lied erwähnen und gar nicht wissen, dass ich das singe. Für mich ist es schön zu sehen, dass das Lied viele Leute kennen, manche auch ohne die Band pauT zu kennen.

Du spielst als Mitmusiker mit Der Nino aus Wien und auch mit Clara Luzia, das sind etablierte Bands, die ihre Erfolge haben. Wie kommt so etwas zustande und wie gerne machst du das?
Das ergibt sich immer über Zufälle, so es Zufälle gibt (lacht). Nino habe ich 2009 kennen gelernt, als er beim Protestsongcontest teilgenommen hat. Ich war mit Westpol auch dabei und wir waren beide im Halbfinale und Nino ist ins Finale aufgestiegen. So habe ich Nino kennen gelernt, wobei wir an diesem Abend gar nicht miteinander geredet haben, sondern uns dann auf facebook angefreundet haben. Wir haben einander geschrieben, er fand die Musik von Westpol cool und ich fand seine Musik cool. Und ich habe ihm geschrieben, er soll sich melden, wenn er einen Bassisten braucht. Er hat zurück geschrieben, dass er gerade einen Bassisten sucht, weil er gerade am Aufnehmen eines Albums ist und auch ein paar Konzerte geplant sind. Dann bin ich direkt bei den Aufnahmen zum zweiten Nino aus Wien-Album “Down in Albern” eingestiegen und bin seitdem dabei.

Und wie bist du zu Clara Luzia gekommen?

Bei einem Nino aus Wien-Konzert hat mich Clara Luzia Klarinette spielen gehört und mich gefragt, ob ich als special guest an der Klarinette dabei sein möchte. Ich habe also Klarinette mitgespielt, dann habe ich bei 1 bis 2 Liedern Bass gespielt und beim nächsten Konzert habe ich schon bei 4 Liedern mitgespielt und es hat sich also ergeben, dass ich nun fix dabei bin. Es ist schön, bei Clara Luzia dabei zu sein, jede Band ist vom Stil und vom Feeling her ein wenig anders.

Damit noch ein Mal zur pauT-Band, bei der ich musikalisch eine Hinwendung zu Austropop und auch zu Schlager heraus höre. Zu 90 Prozent machst du, so würde ich es sagen, Independent-Pop. Stören dich solche Bezüge oder ist das gewollt?
Das ist durchaus gewollt. Gerade die Old-School-Schlager aus den 1950er und 1960er-Jahren haben es mir angetan. Ich mag diesen Style der Lieder und der Texte. Beim Austropop finde ich manche Stücke cool und mit manchen kann ich weniger anfangen, mir gefällt eher die Falco-Abteilung als die Austria 3-Abteilung. Mit Dialekt-Austropop kann ich nicht so viel anfangen und ich könnte das selbst auch nie machen.

Viele MusikerInnen tragen einen Hut als Markenzeichen, du trägst immer eine Kapitänsmütze – auch jetzt während des Interviews. Wie kam es dazu?
Die Geschichte ist die: Ich war in Kroatien auf Urlaub und bin in der Sonne gelegen und plötzlich ist ein Seemann, ein Kapitän von den Wellen angeschwemmt worden. Der hat nur mehr schwer geatmet, ich wollte ihm helfen, habe ihm aber nicht mehr helfen können. Mit seinen letzten Atemzügen hat er mir diese Kapitänsmütze überreicht und gesagt, ich soll sie immer tragen und die wahre Liebe finden. Und seitdem trage ich sie.

Live: Do 25. April 2013, Freihaus, Schleifmühlgasse 7, 1040 Wien, 20:30h

Fotos: Jürgen Plank

 

http://www.paut.at