mica-Interview mit Marilies Jagsch

Marilies Jagsch stammt aus Oberösterreich und lebt seit rund 5 Jahren in Wien. Zu Beginn ihrer Karriere musste sie noch zu Auftritten überredet werden: Heuer hat sie ihre Debüt-CD veröffentlicht und beim 25. Wiener Donauinselfest gespielt. Im mica-Interview erzählt die 23jährige Jagsch von ihrem chaotischen Alltag und warum sie manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen MusikerInnen hat. Das Interview führte Jürgen Plank.

Wie war der Weg bis zu deiner Debüt-CD, die heuer erschienen ist?
Ich habe für lange Zeit immer nur zu Hause Musik gemacht und bin dann von meinem Umfeld darauf aufmerksam gemacht worden, dass ich damit hinausgehen soll und auftreten soll und so weiter. Dazu habe ich mich irgendwann überreden lassen und habe in meiner Heimatstadt in Ried im Innkreis den ersten Auftritt gehabt. Dann bin ich nach Wien gezogen und da ist alles viel einfacher gegangen. Ich habe im Vorstadt an einem Abend der Vienna Songwriting Association und Clara Luzia von Asinella Records ist auch mich aufmerksam geworden und hat mich gefragt, ob ich nicht bei ihnen veröffentlichen will. Da war ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich schon so weit bin und das hat dann noch ein bisschen gedauert und dann habe ich mich doch dazu entschieden.

Auf deiner Debüt-CD spielen einige Szene-MusikerInnen mit. Wie ist es dazu gekommen?
Ja, es spielt die halbe Band von A Life A Song A Cigarette mit. Das sind alles Freunde von mir, Ernst Molden habe ich auch durch Stefan von A Life A Song A Cigarette kennen gelernt. Bernhard Fleischmann hat auch bei einer Nummer mitgemacht, den habe ich nach einem Konzert darauf angesprochen, ob er nicht zu einer Nummer die Beats machen möchte und er war dann auch gleich einverstanden. Alexander Nefzger von Clara Luzia habe ich über die Clara kennen gelernt. Es stammen also alle MusikerInnen aus dem Freundeskreis, aber das ist ja in Wien eh alles miteinander verbandelt.

Heuer bist du im Rahmen der WUK-Platzkonzerte solo aufgetreten und ich habe dich auch einmal solo im Carina gesehen. Wie siehst du den Unterschied zwischen CD und den Live-Auftritten, oder gibt es dich auch live mit Band im Rücken?
Es ist schwierig mit allen MusikerInnen, die da bei der CD dabei sind, zu spielen, denn das sind ungefähr zehn insgesamt. Beim Donauinselfest haben wir zu fünft gespielt, mit Schlagzeug, Cello, Gitarre und Bass. Manchmal ist es leichter, wenn man nicht alleine auf der Bühne sitzt und Rückenstärkung hat, aber mittlerweile funktioniert es auch ganz gut alleine. Wenn es wie beim Donauinselfest auf einer riesigen Bühne ist, ist es besser, wenn ein Schlagzeug dabei ist. In einem kleinen, intimen Rahmen reicht oft Gitarre und Stimme. An dem Abend im WUK hat man auch gemerkt, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe, weil eben alle sehr aufmerksam zugehört haben. Es gibt da aber auch eine Grenze. Bei einem Konzert bei den Gmundner Festwochen war es wirklich so ruhig, dass man einfach alles gehört hat und das war mir schon extrem unangenehm. Ich habe mir gedacht: Die hören jetzt jeden Fehler, den ich mache und bin total nervös geworden und meine Hände haben zu zittern angefangen. Ein wenig Raumlautstärke ist schon okay.

Das Gegenteil war eben das Carina für mich, wo das Publikum nicht bereit war, den KünstlerInnen zu zu hören.
Ich wollte an diesem Abend eigentlich doppelt so lange spielen und bin dann von der Bühne gegangen. Ganz am Anfang war ich – wenn so etwas passiert ist – total verstört und habe das auf mich bezogen. Mittlerweile bleibe ich einfach sitzen und denke mir: Okay, die wollen einfach nur trinken und es geht nicht darum, dass ihnen das, was ich mache nicht gefällt und dann spiele ich einfach weiter. Das macht dann natürlich nicht so viel Spaß. Vor allem in so lauten Räumen hat man wirklich das Gefühl, dass man untergeht, denn man hört sich selbst nicht laut genug.

In den letzten Jahren gab es auch in Österreich einen Aufschwung für das Genre Singer/Songwriting. Hat das auch deine Karriere unterstützt?
Das ist schwer zu sagen, weil ich nicht weiß, wie es gewesen wäre, außerhalb von diesem Aufschwung zu veröffentlichen. Ich finde es ganz nett, dass sich da so eine Gruppe gebildet hat in Wien und dass es mehrere MusikerInnen gibt, die in diese Szene eingeordnet werden. Wobei mich das andererseits wieder stört, wenn man sagt: Das sind jetzt die Singer/Songwriter und das sind die Rockmusiker. Aber das kann man ja nicht selbst mitentscheiden.

Wie muss man sich einen Tag im Leben einer jungen Musikerin vorstellen?
Das kommt jetzt ganz darauf an, ob ich an diesem Tag etwas mit Musik zu tun habe oder nicht. Denn jeder andere Tag sieht so aus wie im Leben von jedem jungen Menschen. Ich bin Studentin und schreibe gerade meine Diplomarbeit. Die Phasen, in denen man zur Gitarre greift, die kommen dann. Es ist nicht so, dass ich mich jeden Tag hinsetze und das versuche. Das passiert auf einmal und dann wieder länger nicht. Das kann ich jetzt nicht im Rahmen eines Tagesablaufs beschreiben. Der Tagesablauf bei mir ist eher chaotisch, egal, was ich mache. (lacht) Mit Musik in irgendeiner Form beschäftige ich mich jeden Tag, ich höre schon sehr intensiv Musik. Und ich denke auch sehr viel darüber nach. Ich hätte auch die Zeit mich jeden Tag hinzusetzen und ein Lied zu schreiben, Ich zwinge mich aber nicht dazu, sondern tue das nur wenn ich dazu Lust habe. Ich habe mir an sich alles selbst beigebracht und habe irgendwann einmal Gitarrestunden genommen und bin dann darauf gekommen, dass mir das üben überhaupt keinen Spaß macht und habe dann sofort wieder damit aufgehört. In dieser Zeit habe ich auch mit meiner eigenen Musik nicht weiter gemacht.

Wie entsteht ein Lied?
Normalerweise gibt es vorher die Gitarre. Das zieht sich aber oft über Wochen, bis da das Gerüst steht und dann singe ich schon irgendeine Melodie dazu und der Text ist dann das, was als zuletzt entsteht. Das dauert noch einmal einige Wochen. Es dauert bei mir eher lange, bis ein Lied fertig ist. Ich hatte auch mal Phasen, in denen an einem Tag ein Lied heraus sprudelt und dann ist es fertig, aber das habe ich schon lange nicht mehr gehabt.

Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Ich habe nie irgendwelche großen Ziele gehabt und nicht darüber nachgedacht, wozu ich das jetzt mache. Ich mache das einfach, weil ich es gerne mache und das, was jetzt alles passiert ist, war mehr eine Überraschung. Natürlich hat man immer so kleine Ziele im Kopf, aber ich möchte mein zweites Album veröffentlichen und schauen, wie das weiter geht.

Was ist denn alles passiert?
Ich bin aus meinem Schlafzimmer hinausgegangen und vor ein größeres Publikum getreten. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das alles fast wie von alleine geht: Mit der Veröffentlichung und dass ich gute Kritiken kriege, viele Konzerte spielen kann und solche Sachen.

Wichtig ist da auch das Umfeld. Wie ist es gegangen, dieses Umfeld mit Medienmanufaktur und Asinella aufzubauen, in dem du dich als Künstlerin entwickeln kannst?
Das ist auch alles wie von alleine gegangen. Charlie Bader von der Medienmanufaktur hat auch mich gefragt, ob er Management und Booking für mich machen kann. Den habe ich auch über A Life A Song A Cigarette und Ernst Molden kennen gelernt und bei Asinella war es ähnlich, das hat nicht viel Anstrengung gekostet. Ich weiß, dass ich da sehr viel Glück gehabt habe. Ich fühle mich dann zum Teil auch anderen gegenüber ein wenig schlecht, die sich jahrelang bemühen und dann erst Erfolg damit haben. Ich habe da fast ein schlechtes Gewissen, aber das bringt eh nichts. (lacht) Es hilft natürlich schon, wenn man die richtigen Leute kennt. Das ist schon ein Netzwerk, das sehr hellhörig für neue Leute ist.

Wie geht es weiter? Wie wird die zweite CD, gibt es schon die Lieder, denkst du schon an Arrangements etc.?
Ungefähr die Hälfte der Lieder ist fertig. Es gab schon viel mehr, aber die habe ich jetzt wieder verworfen, weil ich will, dass das in eine andere Richtung geht. Ich suche gerade noch die Band, bevor ich mit den Proben anfangen möchte. In meinem Kopf gibt es schon Pläne, aber ob sich die so umsetzen lassen, wird sich weisen. Es war ja auch beim ersten Album so, dass das alles nicht genau so geplant war, was mit Arrangements passiert, das hat sich alles eher relativ kurzfristig ergeben.

Im Studio?
Ja, es waren immer so Studioblöcke mit Zeit dazwischen. Ich habe bei den Demoaufnahmen schon mit allen möglichen Kleininstrumenten wie Blockflöte und Keyboard und mit Stimmen die anderen Instrumente angedeutet und die Musiker haben das zum Teil nach der Vorlage umgesetzt und teilweise eigenständig und neu umgesetzt.

Fotos: Jürgen Plank

 

 

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