mica-Interview mit La Fons

Mit “Am Anfang war das Lied” (Lindo Records) erscheint am 14. September das Debüt-Album der österreichischen Electropop-Band La Fons. Was Nina Brunner und Alfons Bauernfeind, die beiden kreativen Köpfe hinter dem Projekt auf den Weg bringen, sind mitreißende Stücke, angesiedelt zwischen niveauvollem, modernem Liedermachertum und minimalistisch angehauchtem Pop der elektronischen Sorte. Das Wiener Zweiergespann im Gespräch mit Jürgen Plank.

Wie ist denn der Name La Fons zu erklären, der sieht ja beinahe aus wie dein Vorname, Alfons?

AB: Fons, fontis, das ist lateinisch für Brunnen und Quelle und wir beziehen uns mit dem Bandnamen auf den römischen Gott der Brunnen und Quellen. Somit steckt mein Vorname und Ninas Nachname, Brunner, im Bandname drinnen.

Seit wann gibt es euer Bandprojekt La Fons?
NB: Seit rund 2 Jahren, wir haben einander beim Jazzseminar in Schönbach im Waldviertel kennen gelernt. Dort haben wir einander unsere Lieder vorgespielt und die haben uns gegenseitig gefallen. Und dann haben wir weiter miteinander Musik gemacht und ich habe noch nie einen Gitarristen erlebt, der meine Songs so gespielt hat, dass ich zufrieden gewesen bin. Aber bei ihm hat der Rhythmus immer gleich gestimmt. Und jetzt spiele ich seit zwei Jahren nicht mehr Gitarre und jetzt klingt es besser als früher.

AB: Ich wollte eigentlich ein Solo-Album machen und ich habe begonnen die ersten Lieder dafür aufzunehmen. In Schönbach hat Nina auf Anhieb eine perfekte zweite Stimme gesungen und deshalb habe ich sie eingeladen, auf dem Album mitzusingen. Dann haben wir aufgenommen und der erste Song war fertig und so habe ich mir gedacht: Sie hat eine tolle Stimme und tolle Songs und wir sollten ein Projekt miteinander machen.

Nina, wie ist dein Background, welche Projekte betreibst du zurzeit noch?

NB: Es gab ein Bandprojekt, das hieß FÜR, damit waren wir am Aufnahmen und das ist ein Drum’n’ Bass-Album geworden. Aber inzwischen hat sich die Band zerfranst, da habe ich immer selbst Gitarre gespielt und mittlerweile treffen wir einander nur noch zum Jammen. Sonst gibt es noch Katarina und die Stadtmenschen, das covern wir akustisch Pop-Songs. Und es gibt noch die Band Heartbeat, das ist Indie-Pop-Rock mit zwei Stimmen, da spielen wir bei Hochzeiten.

Alfons, wie ist dein Background?

AB: Ich mache schon sehr lange Musik, spiele seit meinem dreizehnten Lebensjahr Gitarre und schreibe Songs, ich habe in unterschiedlichsten Bands gespielt, zuletzt waren das Blockwerk und Cunning Dorx. Duo ist irgendwie eine perfekte Bandbesetzung, weil es sehr angenehm zu organisieren ist.

Gibt es Blockwerk und Cunning Dorx noch?
AB: Ja, formal schon. Offiziell aufgelöst ist keine der beiden Bands. De facto hat keine der beiden Bands in den letzten zwei Jahren geprobt.

Wie ist denn ein typischer La Fons-Song, was macht den aus?

NB: Ich denke an tiefe Bässe, an eigenartiges Elektronik-Gefrickel und dennoch sind es ziemlich geradlinige Songs. In deutscher Sprache wollen wir in Zukunft schreiben, aber das ist schwieriger, weil da die Ansprüche halt höher sind. Englisch ist die Muttersprache er Popmusik, da fällt mir eher etwas ein, wenn ich Gitarre spiele. In deutscher Sprache sind die Texte, die ich schreibe, eher getrennt von der Musik. In Zukunft wollen wir das aber zusammenführen. Inhaltlich geht es oft um Wandlungsprozesse, um Veränderung.


Wie entsteht so ein Song, ist die Arbeitsteilung so, dass du die Texte schreibst und Alfons die Musik?

NB: Auf diesem Album sind vier Lieder von mir und vier von Alfons. Den Text von „Verrückt mich ins All“ habe ich geschrieben, das ist ein Lied von Alfons.
AB: Das ist ein altes Lied von Cunning Dorx in englischer Sprache, zu dem die Nina einen deutschen Text geschrieben hat, der aber inhaltlich ans Original angelehnt ist.

Ihr seid ja diesen Sommer auch auf Tour gegangen. 
AB: Ja, wir machten eine Tour der Donau entlang bis nach Donaueschingen, wo sich zwei Flüsse treffen, die ab dort zur Donau werden. Wir machten Halt in Krems, spielten dann in Linz in der Smaragdbar, am 13. Juli gab es in Passau eine Kunstnacht, bei der wir auch gespielt haben. Dann ging es weiter nach Regensburg, bevor wir am 20. Juli eine Pre-Release-Party in Wiener WUK gefeiert haben.

An der schönen blauen Donau.

AB: Genau, genau!

War das eure erste Tour, wie oft habt ihr bis jetzt gespielt, nachdem das Projekt ja relativ neu ist?

NB: Wir haben bei Singer-Songwriter-Abenden in Wien angefangen, etwa im Tachles, in der Fledermaus oder im Rahmen einer VSA-Veranstaltung im B72. Auch im Loft und der erste Auftritt war am Wiener Neustädter Hauptplatz im Rahmen des Viertelfestivals letztes Jahr im Sommer.

Das heißt, nach einigen Auftritten, ging es sofort nach Deutschland, wie fühlte sich das an?
NB: Schön, aufregend. Mit der CD im Gepäck ein bisschen Herumreisen.

AB: Wir sind einmal an der Donau entlang gefahren und hatten die Idee, dass das cool wäre, so eine Tour zu machen. Wenn es geht in Lokalen, sonst halt Straßenmusik.

Was kann man über  „Am Anfang war das Lied“ sagen?

AB: Der Titel „Am Anfang war das Lied“ passt wegen des Anfangs wieder ganz gut zu fons, fontis – die Quelle. Es war uns wichtig, dass das Album eine Geschichte erzählt, musikalisch und inhaltlich. Das Album soll ein Strom sein, man erkennt diese Strukturen hoffentlich beim Zuhören und das war uns wichtiger als einzelne Lieder aus strategischen Gründen in einer bestimmten Reihenfolge zu positionieren.

Wie werdet ihr das Album denn live umsetzen, nachdem da auch Elektronik dabei ist?
NB: Wir stehen trotzdem zu zweit auf der Bühne und die Arrangements sind live immer reduzierter als am Album, wir schauen, dass wir trotzdem Platz haben zum Musizieren. Das ist immer eine Gratwanderung, wenn zu viel live da ist, fühlt man sich eingesperrt und als würde man zu einem Playback singen. Der Bass kommt aber vom Band, unsere Stimmen und die E-Gitarre wird aber natürlich live gespielt.

AB: Die Live-Programmierung reduziert die Drums schon sehr stark, genau wie die Soundeffekte, damit die Spannung erhalten bleibt. Aber wir haben bei den Singer-Songwriting-Abenden gemerkt, dass da einfach etwas fehlt, nämlich die dezente Elektronik, die eingespielt wird, ohne den Live-Charakter zu verlieren.

Warum soll man sich euer Debüt-Album unbedingt anhören?
AB: Das Besondere an diesem Album ist, dass die Songs über einen sehr langen Zeitraum entstanden sind. Es ist quasi ein Best-Of-Album unseres musikalischen Schaffens der letzten fünf Jahre. Die Songs sind schon sehr gefiltert, wir haben keinen Album-Füller drauf. Alle Songs sind uns extrem wichtig und sind die Essenz von dem, was wir in den letzten fünf Jahren geschrieben haben.

Fotos: Jürgen Plank

La Fons: „Am Anfang war das Lied“ (VÖ: 14.09.2012)

 

Link:
La Fons