mica focus: 2010 – was ist das Neue an der Neuen Musik?

Im Rahmen der Gesprächsreihe „mica focus“, die sich in den vergangenen beiden Jahren den verschiedensten Verknüpfungen der Themen Kunstmusik – Öffentlichkeit – Ästhetik widmete, findet als Schlusspunkt dieser Schwerpunktsetzung am letzten Tag von Wien Modern 2010, den 20. November, im mica-music austria (1070 Wien, Stiftgasse 29) eine Podiumsdiskussion zum Thema „2010 – was ist das Neue an der Neuen Musik?“ statt, die in durchaus selbstkritischer Reflexion den heutigen Umgang mit der „Neuen“ Musik zu hinterfragen versucht. Beginn 14 Uhr.

Teilnehmer:
Impulsreferat: Werner Jauk (Musikwissenschaftler, Universität Graz)
Laura Berman (Künstlerische Leiterin „Kunst aus der Zeit“, Bregenzer Festspiele)
Helga de la Motte-Haber (Musikwissenschaftlerin, Berlin)
Katharina Klement (Komponistin, Wien)
Michael Scheidl (Regisseur, Netzzeit, Wien)
Diskussionsleitung: Renata Schmidtkunz (ORF, Wien)

Ausgehend von der ungeschminkt-realistischen Einschätzung wie sie der Philosoph und Komponist Claus-Steffen Mahnkopf in seiner „Kritik der neuen Musik. Entwurf einer Musik des 21. Jahrhunderts“ formuliert – „Neue Musik gehört zu den befremdlichsten kulturellen Erscheinungen des 20. Jahrhunderts. Während Musik für den Liebhaber immer noch die ‚klassische’ ist und der Massenkonsument alle möglichen Arten der Popmusik als einzig richtige Form des gegenwärtigen Musizierens betrachten dürfte, spielt die Kunstmusik am Ende des zweiten Jahrtausends eine Sonderrolle, die kaum mit einer anderen Kunstsparte verglichen werden kann.  Ab und an hört man von ihr – im Feuilleton oder im Gespräch mit solchen, die an der ‚Szene’ teilhaben, doch meist kann sich selbst derjenige, der sich offen um das ihm Unverständliche bemüht, nur wenig darunter vorstellen.“ –, geht es nicht nur um die gesellschaftspolitische Rolle die Musik unserer Zeit in unserer Zeit spielt, sondern auch um den Umgang innerhalb jener Kreise, die fachlich permanent damit konfrontiert sind. Welche Rolle spielt heute noch der viel zitierte „elfenbeinerne Turm“, der Rückzugsmöglichkeit für individuelles, gesellschaftlich nicht angenommenes Tun bilden mag, aber auch Flucht vor populistischen Tendenzen, die den kritischen Diskurs überlagern? Welche Begrifflichkeiten haben sich über Jahre und Jahrzehnte so eingeprägt, dass sie heute mangels differenzierenderen Vokabulars auch in Expertenkreisen dem unkritischen Gebrauch unterliegen und oftmals zu wenig auf ihre sinnhafte Anwendung hinterfragt werden? Welche Schienen fahren die verschiedenen Proponentengruppen – jene der schöpferisch Tätigen, die Angehörigen des Bühnen- und Konzertbetriebs (einschließlich der ausübenden Musiker), die theoretisch begleitende Wissenschaft, die Mittler wie etwa die Journalisten sowie letztlich der Konsument: das Publikum – individuell oder in Überschneidung? Wo ist im museal ausgerichteten Repertoirebetrieb der angestammte oder besser „geeignete“ Platz für das „Neue“? Und – Was ist denn eigentlich heute das „Neue“?

Bei dieser Gesprächsrunde unter der Leitung von Renata Schmidtkunz werden Experten verschiedenster musikbezogener Fachrichtungen ihre Überlegungen und Erfahrungen einbringen, wobei auch dem reflektierenden Dialog mit dem Publikum breiter Raum gegeben wird.

Die Ergebnisse des mica focus werden wie gewohnt auf der mica-Website sowie im Newsletter kommuniziert.

Der Eintritt zum mica focus ist frei!

 

Die Diskussions- und Vortragsreihe micafocus /Kunstmusik und Öffentlichkeit wird unterstützt durch die Abt. für Wissenschafts- und Forschungsförderung der MA7 Wien.