MIA ZABELKA & ICOSTECH – „AFTERSHOCK“

MIA ZABELKA, die Meisterin des avantgardistischen E-Geigenspiels, hat gemeinsam mit dem indischen Musiker und Labelgründer ARUN NATARAJAN alias ICOSTECH mit „Aftershock“ (Subcontinental Records) ein Album geschaffen, das sich mit seiner klanglichen Intensität, stilistischen Vielfalt und musikalischer Eigenwilligkeit zu einem ausgesprochen eindringlichen Hörerlebnis entwickelt. 

Cover Aftershock
Cover “Aftershock”

Mia Zabelka lebt zwar in der Südsteiermark, ist aber normalerweise durch ihre zahlreichen Engagements und Kollaborationen stets auf internationalem Boden unterwegs. Musikalisch bewegt sich die erfolgreiche Ausnahmekünstlerin dabei seit Jahren auf einem sehr freien, elektronisch geprägten Terrain. Dieses erkundet sie dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem indischen Drum’n’Bass-Ambient-Noise-Künstler Arun Natarajan (E-Bass/Stimme/Electronics) alias Icostech und kreiert mit diesem ein postapokalyptisches Universum zwischen Hard Ambient, freier Improvisation, Techno und experimenteller elektronischer Musik.

Ein eindringliches musikalisches Statemant

Wenn zwei musikalische Freigeister mit dem Hang zum musikalischen Extrem sich dazu entschließen, gemeinsame Sache zu machen, kann man getrost davon ausgehen, dass das Ergebnis dieser Kollaboration mit Sicherheit alle musikalischen Grenzen sprengt. Und so ist es auch. „Aftershock“ kann man als ein eindringliches musikalisches Statement zu den vergangenen Monaten verstehen, als einen Blick auf die Zeit der Pandemie und was diese mit uns gemacht hat.

Mia Zabelka und Icostech, die auf ihrem gemeinsamen Werk auch von dem amerikanischen Trompeter Joshua Trinidad unterstützt wurden, liefern in ihren Stücken, die allesamt im vergangenen Jahr entstanden sind, eine in eine wunderbare Dramaturgie eingefasste Erzählung, die sich im weiten gefassten stilistischen Raum zwischen Ambient, Improvisation, Techno, Drum’n’Bass, Noise und experimenteller Elektronik in von dunkel und heftig bis schwebend sphärischen Klangfarben vermittelt. Die Katastrophe kündigt sich mit einer bedrohlich und düster wirkenden Soundkulisse an („Prelude to shock”) und entlädt sich mit einem heftigen technoiden Klanggewitter in einem „Shock”, welches nach und nach in einen undefinierbaren Zustand der angespannten Ruhe und Ungewissheit übergeht („The Train To Nowhere“) bis dieser am Ende in einem diffus lärmenden Soundexperiment zur Explosion kommt („Aftershock”).

„Aftershock” ist ein in der Tat ungewöhnliches Album geworden, eines, das aufgrund seines erzählenden Charakters und dem durchgehend dichten Spannungsbogen eine starke Anziehungskraft entwickelt. Ein wirklich einmal andere Hörerfahrung.

Michael Ternai

 

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Links:
Mia Zabelka
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Mia Zabelka (mica-Datenbank)
Subcontinental Records (bandcamp)
„Aftershock“ auf Spotify