Matrioska Dreamteam (c) Pressefoto

MATRIOSKA DREAMTEAM – „Unusual Place“

Ein Album, auf dem die Grenzen des Jazz gesprengt werden und der Weg zu einem faszinierenden Musikerlebnis einer anderen Dimension aufgestoßen wird, genau als ein solches lässt sich „Unusual Place” (Listen Closely) – das Erstlingswerk des Trios MATRIOSKA DREAMTEAM – beschreiben.

Alle Achtung, das, was das Trio Matrioska Dreamteam auf seinem Album musikalisch vom Stapel lässt, kann man getrost als großes Kino bezeichnen. Es ist eine sehr rockbeeinflusste und leicht kammermusikalisch angehauchte Variante des Jazz, der sich Florian Sighartner (Violine), Sebastian Küberl (Kontrabass) und Judith Schwarz (Schlagzeug) verschrieben haben, eine, die vom Sound her ordentlich nach vorne drückt und richtig schön dynamisch, zum Teil sogar – ganz genreuntypisch – unglaublich mächtig und breit daherkommt. Obwohl die Nummern des Dreiergespanns sehr wechselhaften Aufbauten und vielschichtigen Spannungsbögen folgen und zahlreiche Brüche und Wendungen – von heftig und ungemein verspielt bis leise und zurückhaltend – aufweisen, wirken sie in sich geschlossen und fern jeder Sperrigkeit.

Ein fesselnder Moment nach dem anderen

Die Musik des Dreiergespanns lebt vor allem von ihrer immensen Vielfalt. Beginnt das Album mit „Five Bucks“ noch auf eher verspielte und leichtfüßige Weise, entwickelt es sich von Stück zu Stück zu einer faszinierenden und sehr abwechslungsreichen Achterbahnfahrt durch die verschiedensten klanglichen Atmosphären und Umgebungen. Von melancholisch bis bedrohlich, von sanft bis geheimnisvoll, von schräg bis gediegen: Jede Nummer hat ihr eigenes Innenleben und geht in eine andere Richtung. Experimentell bis lässig-groovig wird es etwa in „Ettis“, fast schon noisy und teufelsgeigerisch in „Das Luder“, wunderbar stimmungsvoll und bildgewaltig im Titeltrack „Unusual Place“ und, und, und. Es reiht sich ein fesselnder Moment an den nächsten – bis hin zur abschließenden Nummer „Paranormal“, die sich von Sekunde zu Sekunde unaufhaltsam zu einem düsteren, tonnenschweren, hochdramatischen und hypnotisierenden Klanghörspiel mit postrockiger Schlagseite hochschaukelt.

Matrioska Dreamteam liefern mit „Unusual Place“ ein Debüt ab, das sich definitiv von vielem abhebt, was aus der Ecke des Jazz kommt, weil es eben einen ganz eigenen Ton trifft, und zwar einen, der einen auf faszinierende Weise nicht mehr loslassen will und staunend zurücklässt. Bleibt wirklich zu hoffen, dass man von Florian Sighartner, Sebastian Küberl und Judith Schwarz auch in Zukunft noch einiges zu hören bekommen wird.

Michael Ternai

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