
Blickt man auf die verschiedenen Projekte des gebürtigen Tiroler, wird klar, dass man es bei ihm mit einem Musiker mit vielen Gesichtern zu tun hat. Der Hangspieler und Komponist ist jemand, dem der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Spielformen scheinbar keine Mühe bereitet und der sein musikalisches Glück vor allem im nicht traditionell definierten Gesamtsound findet. Manu Delago fühlt sich daher im Jazz genauso gut aufgehoben, wie auch im Pop, in der Klassik, der Kammermusik, Elektronik oder in einem experimentellen Umfeld. Und genau dieser sehr offene und scheuklappenbefreite Umgang mit der Materie Musik ist es auch, welcher auf seiner neuen CD „Manuscripts“ in spannender Weise dokumentiert wird.

Tief in die Welt der Filmmusik dringt Manu Delago etwa gemeinsam mit dem London Symphony Orchstra, das unter anderem Soundtracks für Harry Potter Filme geliefert hat, ein. Unter dem Titel CONCERTINO GROSSO lassen die Beteiligten weite und sehr stimmungsvolle Soundcollagen entstehen, welche zwischen weiten und impulsiven Melodiebögen, dezenter Verspieltheit und dem akustischen Experiment angesiedelt, ihren ganz eigenen Charme entwickeln. Nicht weniger interessant, die gemeinsam mit dem isländischen Frauenchor Graduale Nobili erarbeiteten Stücke, in denen die zurückhaltende, fast schon meditative, jedoch auch sehr vielschichtige Klangarbeit zelebriert wird.
„Manuscripts“ ist ein Album, welches die Gelegenheit bietet, sich intensiv mit dem Schaffen eines Künstlers auseinanderzusetzen, der sich die Überwindung der musikalischen Grenzen zur Aufgabe gemacht hat und dies auch stilvoll und mit Charme auch vortrefflich zu bewerkstelligen versteht. (mt)
Manu Delago