Bild A Life, A Song, A Cigarette
ALASAC (c) Andreas Jakwerth

„Man sollte sich und seine Musik nicht zu ernst nehmen“ – A LIFE, A SONG, A CIGARETTE im mica-Interview

In Österreich gibt es wahrscheinlich nur wenige Bands, die sich den amerikanischen Musikströmungen verschrieben haben. A LIFE, A SONG, A CIGARETTE – kurz ALASAC – kultivieren seit zehn Jahren ihren ganz eigenen Stil und bleiben diesem auch auf ihrer neuen Platte „All That Glitters Is Not Gold“ treu. Anne-Marie Darok hat mit der Band über ihr neues Album, ihre Anfänge und ihre Zukunftspläne gesprochen.

In der Anfangszeit wollten Sie sich Sugarplum Fairy nennen. Wie ist es dann von so einem verspielten Namen zum eher philosophischen A Life, a Song, a Cigarette gekommen?

ALASAC: Unser erster Bandname Anfang 2004 war tatsächlich Sugarplum Fairy. Bis auf ein paar Freundinnen und Freunde kannte die Band damals noch niemand, und trotzdem hatte unsere Homepage unglaublich viele Zugriffe aus Schweden. Wir haben dann recht bald bemerkt, dass es da noch eine andere Band gab und die Schweden uns verwechselt haben. Somit war das mit dem Bandnamen auch erledigt. A Life, A Song, A Cigarette kam so zustande, dass unser damaliger Keyboarder Philipp [Philipp Karas; Anm.] nach einer langen, rauchfreien Busfahrt in den Proberaum gekommen ist und sein Leben für eine Zigarette versprochen hat. Aus ein paar Wortspielereien wurde dann unser heutiger Bandname. Wobei uns Sugarplum Fairy auch noch gut gefallen würde.

In den zehn Jahren Bandgeschichte hat sich sicherlich viel getan. Welche Erinnerungen bringen Sie noch immer zum Lachen und was würden Sie im Nachhinein anders machen?

ALASAC: Eine schöne Geschichte ist, wie unser Cellist Lukas [Lukas Lauermann; Anm.] zur Band gestoßen ist. In einem Fernsehinterview haben wir damals neue Bandmitglieder gesucht und um „Bewerbungen“ per E-Mail gebeten. Die ganze Aktion war mehr ein spontaner Schmäh. Die eingeblendete E-Mail-Adresse war auch nicht mal unsere. Irgendwie haben wir dann doch erfahren, dass sich wirklich ein Musiker bei uns beworben hat, noch dazu ein Cellist. Bei der Audition hat’s nicht lang gedauert, bis er uns überzeugt hat. Außerdem war die Konkurrenz nicht so hart. Was wir anders machen würden? Schwierige Frage, am ehesten würden wir wohl eine Deutschland-Tour nicht mehr so planen, dass das letzte Konzert in Hamburg stattfindet, während der zwölfstündigen Rückfahrt ist die Stimmung im Sprinter dann nämlich nicht mehr so fetzig.

Wie arbeiten Sie als Band zusammen? Gibt es eine strenge Rollenverteilung zwischen Schreiben, Singen und Musizieren oder sind die Grenzen fließender?

ALASAC: Die gab es mal – mehr oder weniger. Früher kamen Musik und Text im Wesentlichen aus Stephans [Stephan Stanzel; Anm.] Feder. Heute schreiben wir eigentlich alle an der Musik und an den Texten, vieles schreiben wir sogar gemeinsam, was eine schöne Erfahrung ist. Stephan ist aber nach wie vor der Einzige in unserer Band, der es zusammenbringt, einen kompletten Song mit Musik und Text zu schreiben. In anderen Bereichen gibt es die Rollenverteilung aber schon noch, bei Steuererklärungen zum Beispiel – die bleiben immer beim Gleichen hängen.

„Möglicherweise gibt’s in Nebraska auch Leute, die gute Wienerlieder schreiben könnten […].“

Bei der Beschreibung Ihrer Musik liest man immer wieder Begriffe wie „Alternative Country“ oder „Americana“. Diese beiden Kategorien sind ja eigentlich sehr amerikanisch. Inwiefern verändert sich diese Musikrichtung durch Sie, da Sie eine österreichische Band sind?

Bandfoto ALASAC
ALASAC (c) Andreas Jakwerth

ALASAC: Die Musik hängt gar nicht so sehr mit der Herkunft zusammen, wie man glauben möchte. Möglicherweise gibt’s in Nebraska auch Leute, die gute Wienerlieder schreiben könnten – die wissen das wahrscheinlich nur nicht. In unseren Texten spiegelt sich die Herkunft natürlich schon wider. Das liegt ganz einfach daran, dass sie oft von ganz konkreten Orten handeln, die irgendeine Bedeutung für uns haben. Und diese Orte sind dann halt etwa Simmering oder das Beisl ums Eck.

Im Video zu „Blindhearted“ sieht man Sie auf bewegten Polaroids in scheinbar privaten Momenten. Blicken Sie mit dem Song ein bisschen auf Ihre gemeinsame Vergangenheit zurück?

ALASAC: Im Song geht’s um Beziehung und Trennung, wobei aber nicht die Beziehung zwischen uns Bandmitgliedern gemeint ist. Die Polaroids sollen das unterstreichen und zeigen Szenen der Beziehung. Auf unsere Vergangenheit schauen wir aber trotzdem immer gern zurück, weil die gemeinsame Zeit schon großartig war. An Trennung denken wir dabei aber nicht.

Das vorletzte Lied auf Ihrem Album – „To Axion Esti“ – ist ein ziemliches Epos. Wofür stehen dieser Song und sein Titel?

ALASAC: Der Titel ist Stephans griechischem Lieblingsbuch entlehnt, das auch schon vertont wurde. Bei uns ist es eine instrumentale Improvisation, die aus drei Teilen zu je etwa sechs Minuten besteht. Die Ur-Version des Stücks ist beim Musikmachen bei einer Sommerparty entstanden.

Sie sind schon einige Jahre mitten im Musikgeschehen. Was haben Sie bis jetzt für Erfahrungen mit dem österreichischen Musikbusiness gemacht?

ALASAC: Die Leute, mit denen wir unsere prägenden Erfahrungen machen und täglich zusammenarbeiten, sind großartig. Das sind durch die Bank Menschen mit ganz viel Herz und viel Liebe zur Musik. Weil ihnen die Musik so wichtig ist, haben sie auch eine beeindruckende Professionalität entwickelt. In unserer Zusammenarbeit steckt sehr viel Respekt vor dem, was das Gegenüber geschaffen hat. Solche Erfahrungen macht man in anderen Bereichen nicht so oft.

Welche Tipps können Sie österreichischen Bands geben, die gerade in den Startlöchern stehen?

ALASAC: Man sollte sich und seine Musik nicht zu ernst nehmen, sonst könnte die Freude daran verloren gehen.

Sind Sie eher eine Live- oder eine Studioband?

ALASAC: Wir sind wohl eher eine Liveband. Das Stehen auf der Bühne, das Zusammenspielen, nicht zu wissen, was als Nächstes passiert, die Reaktionen des Publikums, die Spannung davor und die Euphorie danach – das macht alles aus und darum machen wir das.

Was steht für Sie als Nächstes auf dem Plan? 

ALASAC: Jetzt stehen die Proben für die Konzerte auf dem Plan. Bei den ersten drei Alben war die Live-umsetzung kein großes Thema, weil wir schon im Studio viel live eingespielt hatten. Das ist bei diesem Album anders. Wenn wir da alles so live spielen wollen, wie es aufgenommen wurde, müssten wir das ALASAC-Orchester gründen. Das geht sich aber nicht aus, deswegen müssen wir uns die Livearrangements gut überlegen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Anne-Marie Darok

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