„Man sagt ja schnell einmal, dass einem ein Projekt Spaß gemacht hat. Aber in diesem Fall war es tatsächlich so […]“ – PETER ROM im Interview

PETER ROM zählt nun schon seit Jahren zu den Aktivposten der österreichischen Jazzszene. Wobei sein musikalischer Tätigkeitsbereich schon lange nicht nur auf den Jazz beschränkt ist, sondern mittlerweile in fast alle Genres hineinreicht. Was dem Wiener Gitarristen, Komponisten und Mitbegründer der JAZZWERKSTATT WIEN bislang noch gefehlt hat, war ein Soloalbum. Unter dem Titel „Wanting Machine“ (JazzWerkstatt Records; VÖ: 29.10.) ist nun ein solches nun erschienen. Und es ist, wie man es von diesem Musiker eigentlich erwarten konnte, ein sehr besonderes geworden. PETER ROM hat sich für die Verwirklichung seines lang gehegten Traumes etwas Spezielles überlegt und sich die Freiheit genommen zu komponieren, wie und für wen er will. Unter anderem einen Beitrag zum Gelingen dieses Albums geleistet haben so namhafte Leute wie MANU MAYR, DORIAN CONCEPT, MATTHIAS LOIBNER, PAMELIA STICKNEY, LUKAS KÖNIG, CHROSTOF DIENZ, MARTIN EBERLE, ANDREAS LETTNER, VINCENT PONGRACZ, KLEMENS LENDL, ANDREAS SCHÄRER, JULIAN SARTORIUS, CLEMENS WENGER, SIXTUS PREISS und MARKUS WALLNER. Entstanden ist ein Album, das sich aufgrund seiner großen stilistischen Breite auf faszinierende Weise jeder musikalischen Kategorie entzieht. Im Interview mit Michael Ternai erzählte der gebürtige Wiener über seine ganz konkreten musikalischen Vorstellungen, seine Inspirationsquellen für sein Solowerk und seine Vorliebe zum großen Klang.

Du bist seit vielen, vielen Jahren in den unterschiedlichsten musikalischen Konstellationen unterwegs. Du bist mal etwas näher, mal etwas weniger nah am Jazz, vor allem zeichnet sich aber deine ungemeine musikalische Breite aus. Was vielleicht wirklich gefehlt hat, war ein Soloalbum. Warum hast du dich entschieden, jetzt eines zu veröffentlichen?

Peter Rom: Im Grunde genommen spielte ich schon länger mit dem Gedanken, ein Soloprojekt zu machen, hatte ein solches immer schon irgendwie im Hinterkopf. Das letzte Projekt, das unter meinem Namen lief, war ja das Peter Rom Trio. Und das war 2008.
Warum es mit der Umsetzung des Soloprojekts jetzt so lange gedauert hat, lag vor allem an der Finanzierung und dem organisatorischen und zeitlichen Aufwand. Ich hatte die Idee, dass es im Unterschied zu anderen Projekten keine fixe Besetzung geben sollte, sondern, dass ich mir für jede Nummer andere Musikerinnen und Musiker suche, mit deren Sound dann die Idee verwirklicht werden kann. Die Realisierung einer solchen Idee bedeutete noch vor ein paar Jahren noch sehr hohe Kosten. Allerdings sind die Studiokosten mittlerweile runtergegangen und es ist günstiger geworden ins Studio zu gehen. Zudem habe ich mir im letzten Jahr während der Coronazeit mein Homestudio etwas verfeinert, was mir ermöglichte, viel von zu Hause aus zu erledigen. Letzten Endes war es dann Sixtus Preiss, der mich wieder draufgebracht hat, mich wieder mit dem Thema Soloprojekt zu befassen. In gewisser Weise war das für mich eine Art Initialzündung.

Man kann also sagen, dass du dir mit diesem Album auch einen lang gehegten Traum erfüllt hast.

Peter Rom: Ja, natürlich. Vor allem dahingehend, dass ich wirklich ohne irgendwelche Zwänge agieren und für jeden Tune die geeigneten Musiker finden konnte. Ich hatte auch keine Deadline und musste auch niemanden zufriedenstellen. Es war eine optimale Arbeitssituation und ein guter Kontrast zu dem, was ich sonst so alles mache. Wobei in all den vielen Bands und Ensembles zu spielen, natürlich auch weiterhin etwas Besonderes ist.

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Was war für dich am Entstehungsprozess von „Wanting Machine“ das Spezielle?

Peter Rom: Man sagt ja schnell einmal, dass einem ein Projekt Spaß gemacht hat. Aber in diesem Fall war es tatsächlich so, weil der Zugang ein doch etwas anderer war. Man kann auch sagen, dass dieses Album ein Ausdruck für die Bewunderung für die Musiker, die mit mir dieses Ding realisiert haben, ist.  Man muss auch noch erwähnen, dass ich mit Manu Mayr einen echten Mitstreiter an der Seite hatte. Er war von Anfang an dabei und hat er den Großteil gemischt. Dann ist da auch noch Julian Sartorius, mit dem ich vor Jahren die Band A Shifty Bunch hatte, der jetzt auch bei einem Stück “mitspielt”: Da im Lockdown Reisen nicht möglich waren, habe ich 2 Grooves von seinem Album “Beat Diary” verwendet und dann dazukomponiert, das Stück heißt auch “A Shifty Bunch”…

Auf „Wanting Machine“ wurde fast nichts programmiert, sondern wirklich fast jeder Ton eingespielt.

Peter Rom: Genau. Diese Vorgabe habe ich mir ganz bewusst gesetzt. In der Popmusik oder in der Filmmusik zum Beispiel entsteht der große Klang ja schon auch viel durchs Programmieren, bei diesem Album sollte auf jeden Fall alles eingespielt werden.

Das Erstaunliche an „Wanting Machine“ ist auch, dass die Nummern, so verschieden sie in ihrem Stil und im Sound auch sind, sehr gut miteinander funktionieren.

Peter Rom: Es war Hoffnung und Experiment zugleich, ob das alles wirklich zusammenpasst. Ich hatte aufgrund der langen Entstehungszeit insofern den Luxus, dass ich Sachen weglassen konnte. Es gab Stücke, die zwar “auch gut” waren, aber nicht ins Gesamtkonzept gepasst haben. Ich habe mich letztendlich einfach auf mein Gefühl verlassen, weil ich eigentlich immer den Grundsound im Kopf hatte. Es gab ja auch die Co-Komponisten, die auch jeweils einen anderen musikalischen Ausgangspunkt definiert haben. Letztlich war das bei der Entstehung der Stücke auch gar nicht einmal so das Thema, sondern erst dann, als es zum Mix gekommen ist und es darum ging, alles in einen Bogen zu bringen.

Bild Peter Rom
Peter Rom (c) Palma Fiacco

„Ich bin ja selber draufgekommen, dass ich besonders die Alben gerne höre, die auch vom Klang her eine Dichte haben und plastisch sind.“

Das, was für mich ebenfalls eine musikalische Spange zwischen allem bildet, sind die Atmosphäre und der Klang, die sie erzeugen.

Peter Rom: Ich war schon an vielen Projekten beteiligt, bei es denen eigentlich klar war, dass es nach dem Release gleich auf Tour geht und die CD am besten das widerspiegeln soll, was live passiert. Bei diesem Album bin ich aber schon im Vorhinein nicht von einem Liveprogramm ausgegangen, sondern von einer Abhörsituation in einer Wohnung, wo man sich die Musik über Boxen anhört. Hier hat mit Manu sehr geholfen, ihm ist es gelungen, alles nochmals verstärkt in Szene zu setzen.
Ich bin ja selber draufgekommen, dass ich besonders die Alben gerne höre, die auch vom Klang her eine Dichte haben und plastisch sind. Hier konnte ich das Augenmerk voll auf den Klang legen und mir – gemeinsam mit Manu – auch länger Zeit genommen diesen so hinzubekommen, wie ich es mir vorgestellt habe.

Im Pressetext steht auch geschrieben, dass du bei diesem Album sehr viel von Literatur inspiriert worden bist. Von den Werken Franz Kafkas zum Beispiel.

Peter Rom: Und auch von Büchern von Jonathan Franzen, den ich sehr bewundere. Aus einem dieser stammt auch der Titel des Albums „Wanting Machine“. Es sind vor allem Geschichten darüber, wie Dinge, die man für Wirklichkeit gehalten hat, sich dann doch nicht als wirklich herausstellen, dass es die eine Wirklichkeit eigentlich nicht gibt, sondern es sich um einen steten Veränderungsprozess handelt. Man kann ein und dieselbe Sache immer von verschiedenen Perspektiven betrachten und interpretieren. Und genau diese Undefinierbarkeit und Unvorhersehbarkeit ist möglicherweise auch ein Thema in der Musik.

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Du hast bei diesem Album mit Leuten aus allen möglichen musikalischen Richtungen zusammengearbeitet. Dorian Concept kommt eher aus der Clubmusik, Matthias Loibner mit seiner Drehleier eher aus dem Weltmusik-Umfeld, Pamelia Stickney aus der Experimentalmusik. Wie war es für dich, zwischen all den verschiedenen stilistischen Stühlen zu zappen?

Peter Rom: Es sind alles Musiker, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe. Dadurch war ich inspiriert und hatte schon ein paar Ideen, was ich mit ihnen aufnehmen könnte. Für mich war das Switchen zwischen den verschiedenen musikalischen Welten nicht so ein Thema, es bleibt immer Musik. Ich war auch wirklich überrascht und dankbar, dass eigentlich alle gerne mitgemacht haben und wie unkompliziert die Arbeit mit ihnen war.

Was passiert jetzt mit dem Album? Was hast du damit vor? Es mit all den Leuten auf die Bühne zu bringen stelle ich mir nicht einfach vor.

Peter Rom: Der Plan ist schon, das Album einmal live zu präsentieren. Auf jeden Fall wird es im Februar des nächsten Jahres Konzerte mit Julian Sartorius am Schlagzeug, Pamelia Stickney am Theremin, Manu Mayr am Bass und mir geben. Porgy & Bess und Fine Art Galerie in Traismauer sind schon fixiert. Aber wie ich vorher schon erwähnt habe, dieses Album war ja ursprünglich nicht für live gedacht. Aber schauen wir mal. Jetzt freue ich mich natürlich doch schon auf das Liveprogramm mit dem neuen Quartett!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Ternai

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