Lost Compadres (c) Lost Compadres

„Man muss nur lange genug durchhalten, dann kommt alles von ganz allein“ – ROBERT TAUBER (LOST COMPADRES) im mica-Interview

Zum 15-jährigen Bandjubiläum veröffentlicht die Wiener Band LOST COMPADRES ihr Album „15″. Der Gitarrist und Sänger ROBERT TAUBER sprach mit Jürgen Plank darüber, wie sich die Americana-Szene in Österreich entwickelt hat, warum es bei LOST COMPADRES zwei Sänger gibt und warum JOHNNY CASH für die Band anfangs wenig Bedeutung hatte.

15 Jahre Lost Compadres – wie hat alles begonnen?

Robert Tauber: Da muss ich ein wenig ausholen und noch einige Jahre zurückgehen. Ab Mitte der 1990er-Jahre habe ich in einer Band namens Golden Dew gespielt, damals schon mit Woody an der Pedal-Steel. Kurt ist später als Bassist eingestiegen. Wir haben relativ „straighten“ Country gespielt – aber auch damals schon ohne Fransenjacke und Hut. Immer wieder kam es auch zu Gastauftritten von Flo und Thomas, also waren da schon die späteren Compadres am Rande mit dabei – wir sind ja schon wirklich lange befreundet. Als Golden Dew zerfallen ist, gab es da sozusagen ein Vakuum, das gefüllt werden wollte und – bum – da waren die Lost Compadres.

Wie hat sich die Band danach entwickelt, von Covers hin zu Eigenkompositionen?

Robert Tauber: Als wir 2003 begonnen haben, gab es hierzulande abseits der Zeltfest-Countrybands eigentlich niemanden, der sich mit der Alternative-Country-Seite beschäftigt hat. Wir haben zumindest in Wien versucht, das gängige Countrymusik-Klischee aufzubrechen und zu zeigen, dass dieses Genre mehr zu bieten hat. Dass Musiker wie Guy Clark und Townes Van Zandt wirklich große Singer-Songwriter sind und Americana mehr ist, als Line Dance und Cowboyromantik. Anfangs waren wir eher akustisch unterwegs, 2005 haben wir dann begonnen mehr Strom in unsere Musik zu bringen und dann kam recht schnell auch eigenes Songmaterial. 2007 mit „Dense“ das erste und 2008 mit „Anyway“ das zweite Album – ausschließlich mit eigenen Kompositionen. Live mischen wir dann alles zusammen und covern nach wie vor gerne – mit Vorliebe Unbekanntes aus dem Americana-Universum.

„Die Americana-Szene hat sich in den letzten 15 Jahren wirklich gut entwickelt.“

Robert Tauber (c) Archiv Band

Wie sehen Sie die Americana-Szene in Österreich und welche Position haben die Lost Compadres?

Robert Tauber: Die Americana-Szene hat sich in den letzten 15 Jahren wirklich gut entwickelt. Wir betrachten uns gern mit etwas Augenzwinkern als die Urväter dieser Bewegung. Tatsächlich ist das natürlich parallel entstanden – plötzlich war es cool, Johnny Cash zu mögen oder zu wissen, wer Hank Williams ist. Man muss nur lange genug durchhalten, dann kommt alles von ganz allein. Ich sehe das als Bereicherung und Möglichkeit zum regen Austausch und zu schönen Kollaborationen.

Sie sind auch maßgeblich an der Veranstaltung „No Cash, No Hope“ beteiligt. Welche Bedeutung hat Johnny Cash für Sie?

Robert Tauber: Ehrlich gesagt hatte Johnny Cash für uns anfangs recht wenig Bedeutung. Auch für mich persönlich, obwohl ich mich seit 25 Jahren massiv mit dem Genre beschäftige. Erst nach seinem Tod kam die Idee eines Tributes auf – den Anstoß hat Thomas, unser Gitarrist, gegeben. Zusammen mit Charlie Bader von der MedienManufaktur Wien wurde das dann umgesetzt und 2004 wurde „No Cash, No Hope“ aus der Taufe gehoben. Seither haben wir uns intensiv mit Cashs Musik und auch seiner Person auseinandergesetzt. Er ist uns ein guter Freund im Geiste geworden – hoffentlich gefällt ihm, was wir mit seinen Songs anstellen.

Und wie stehen Sie zu Hank Williams?

Robert Tauber: Woody war immer ein großer Fan von Hanks Steel-Gitarristen Don Helms. Für die Compadres hat Hank Williams eigentlich keine große Rolle gespielt. Ich halte ihn für einen der ersten Outlaws, einen mächtiger Songschreiber mit großartigen Texten. Seine Musik ist auf das Wesentliche reduziert – fast schon Punk. Er ist sicher einer der wichtigsten Wegbereiter und Bezugspunkt für Alternative Country.

Welche Erfolge hatten Sie in den letzten 15 Jahren?

Robert Tauber: Ganz sicher die „Johnny Cash Tributes“, die uns durch ganz Österreich geführt haben. Es gab ganz viele große und kleine Begebenheiten – lustige, skurrile und manchmal auch schwierige –, in der Rückschau war es ein Kaleidoskop des Rock ‘n’ Roll. Und natürlich eine Top-10-Platzierung unseres ersten Albums in den österreichischen iTunes-Country-Charts – noch vor Willie Nelson. Das war ein kleiner, großer Triumph.

Bei Lost Compadres gibt es zwei Leadsänger, wie kam das?

Robert Tauber: Das hat sich ganz natürlich ergeben – Flo ist ein fantastischer Sänger und da war es von Anfang an klar, dass wir uns die Leadstimme aufteilen. Das gibt dem Ganzen eine schöne Färbung und Abwechslung. Noch dazu ist Flo unser Schlagzeuger und so viele singende Drummer gibt’s ja nicht.

Es gibt ein „Lost Album“ von Lost Compadres, warum ging es verloren?

Robert Tauber: 2013 hatten wir wieder genügend Material für ein Album. Die ersten beiden haben wir in Eigenregie im Proberaum aufgenommen und dann erst im Studio vom wunderbaren Chris Scheidl mischen lassen. Für das dritte Album wollten wir die große Produktion, gleich mit Bläsersätzen, Geigen: das volle Programm. Das ganze Ding hat aber aus verschiedenen Gründen nicht zum gewünschten Ergebnis geführt – und somit blieb es in der Schublade. Teilweise war es wirklich tolles Material – vielleicht gibt’s ja zum 20-jährigen Bandjubiläum eine „Deluxe-Version“ davon.

Bitte greifen Sie ein Lied aus dem aktuellen Album heraus und erzählen Sie, wie es entstanden ist.

Robert Tauber: Es ist ja generell schwierig, etwas über den Entstehungsprozess von Songs zu sagen. Auf dem aktuellen Album gibt es einen Song mit dem Titel „Older“: Thomas kam mit der musikalischen Idee und seine Bedingung für die Lyrics war, dass das Wort „older“ vorkommen muss. Also habe ich einen Midlife-Crisis-Song daraus gemacht, passt ja auch ganz gut zum Alter der Band. Aber wenn man darüber singt, bekommt man sie nicht.

Lost Compadres (c) Jerisch

„Die Lost Compadres sind für uns schon ein zentraler Punkt in unserem Leben.“

Inwiefern ist die Band für Sie und alle Bandmitglieder eine Art Lebensmodell? Etwas, was einfach zum Leben dazu gehört?

Robert Tauber: Die Lost Compadres sind für uns schon ein zentraler Punkt im Leben. Ein Zufluchtsort abseits des Alltags. Wir haben lange Zeit im Keller von Woodys Haus geprobt, das war ein bisserl wie „Big Pink“ für The Band – noch dazu war das Haus ebenfalls rosa gestrichen, unser „Little Pink“ sozusagen. Ich bin sicher, ein Teil unseres Sounds kommt aus diesem Gemeinschaftsgefühl. Wir sind ja nicht nur eine Band, sondern wir sind auch wirklich gut befreundet. Dann noch miteinander Musik zu machen, ist ein großes Geschenk!

Warum ist Pedal-Steeler Woody nicht mehr dabei?

Robert Tauber: Woody hat von Beginn an eine zentrale Rolle bei den Compadres gespielt. Ein unglaublich gescheiter und witziger Mensch, der dann noch Pedal-Steel-Gitarre spielt – besser geht’s nicht. Mittlerweile ist er 76 Jahre alt und im wohlverdienten Ruhestand. Das hat natürlich auch unsere Musik beeinflusst und uns auf eine musikalische Reise geschickt. Wir haben aber nie daran gedacht, ihn zu ersetzen, Woody bleibt ein „Compadre auf Lebenszeit“.

Würden Sie gerne mal in den USA ein Konzert spielen?

Robert Tauber: Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, wäre meine Antwort ein klares Ja gewesen. Mittlerweile ist das für uns nicht mehr so wichtig. Bühne ist Bühne, egal ob Austin, Texas oder Hadersdorf-Weidlingau.

Was wünschen oder erwarten Sie sich für die nächsten 15 Jahre?

Robert Tauber: Ich wünsche mir, dass wir noch lange Freude am gemeinsamen Musikmachen haben und auch in 15 Jahren noch in der Lage sind, das umzusetzen. Erwartungen habe ich eigentlich keine – wir spielen einfach weiter und liefern den Soundtrack zu unserem eigenen Abenteuer.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

Fotos: Archiv Band, C. Jerisch

 

Links:
Lost Compadres

Live:
Johnny Cash Tribute
12. September 2018 Metropol, Wien
13. Oktober 2018: Kulturkeller, Kalsdorf bei Graz