Music Research Lab / Lukas Hasitschka (c) Tom Mesic

„Macht weniger Instagram-Videos, sondern schreibt und arrangiert geile Songs!“ – LUKAS HASITSCHKA (WANDA) im mica-Interview

Das Interview mit LUKAS HASITSCHKA fand am diesjährigen ARS ELECTRONICA FESTIVAL im Rahmen des „Musikforschungslabors“ statt. Nach dem „Music Education Day“ im Jahr 2018 war dies die zweite Initiative des „Music Summit“, einer Arbeitsgruppe, die sich beim ARS ELECTRONICA FESTIVAL 2017 mit dem Ziel formiert hat, eine junge Generation von Musik- und Medienschaffenden zu unterstützen und deren Verständnis für die Abläufe des Musikbusiness und der Kreativwirtschaft zu erweitern. An den zwei von MICA – MUSIC AUSTRIA gestalteten Tagen stand alles unter dem Zeichen Gamesound und Musikbusiness. Das Interview führte Christoph Gruber.

Man kennt dich als Schlagzeuger von Wanda, einer der erfolgreichsten Bands Österreichs. Wie siehst du deine bzw. eure Karriere bisher?

Lukas Hasitschka: Es ging alles sehr schnell. Wir haben gerade noch das Album aufgenommen, als sich die Booking-Anfragen schon überschlugen. Als FM4 dann an uns herantrat, begann der Hype auch in Deutschland. Zwei Jahre später verkauften wir die Wiener Stadthalle aus, das war schon sehr schnell.

Wie sieht dein musikalischer Werdegang aus?

Lukas Hasitschka: Ich begann mit sechs Jahren Schlagzeug zu spielen, erst in der örtlichen Blasmusik und dann gleich mal in einer Nirvana-Coverband. Dann kam ich auf den Jazz und habe dann Jazz-Schlagzeug in Wien studiert.

Wie schaut die typische Karriere einer Band in Österreich aus? Was ist, wenn man es in Österreich geschafft hat?

Lukas Hasitschka: „Typisch“ gibt es in der heutigen Streaming-Zeit sowieso nicht mehr, aber ich würde mal sagen, Airplay im Radio ist fast unersetzlich.

Ihr steht ja in gewisser Weise in Konkurrenz mit der Band Bilderbuch – vier Männer, ähnliche Besetzung. Gibt es da etwas, bei dem ihr bewusst – im Sinne der Band als Marke – auf Unterscheidbarkeit schaut?

Lukas Hasitschka: Wir sind fünf [lacht]. Konkurrenz ist es keine, da ja unser Publikum ein ganz anderes ist. Was immer unsere ehemaligen Manager da in die Welt setzen wollten von wegen Blur/Oasis-Fight, kann ich nicht bestätigen.

Wo liegt das Geld im Musikbusiness?

Lukas Hasitschka: Gerade im Rock-Bereich macht man heutzutage das Geld zu neunzig Prozent, also durch Live-Gagen. Es gibt auch Möglichkeiten im Streaming, bei manchen Bands liegen die größeren Einnahmen beim Merchandise, vor allem, wenn man das schlau macht. Aber unser Durchschnittspublikum ist 36 und männlich, die kaufen nicht wirklich Merchandise-Artikel [lacht].

Du hast kurz Streaming erwähnt. Wie sieht’s mit Spotify & Co aus?

Lukas Hasitschka: Da kannst du bekannt werden, wenn du in den Playlisten nach vorne gereiht wirst. Geld zu verdienen ist dort eher schwierig. Außer du hast eine „Armee“ wie RAF Camora.

„Bei Wanda etwa haben wir bei jeder Tour das Ziel, ausverkauft zu sein.“

Was ist für dich Erfolg?

Music Research Lab / Lukas Hasitschka (c) Tom Mesic 2

Lukas Hasitschka: Also eindeutig: Ziele erreichen!  Wenn man irgendwo hinkommt, wo man sich hingearbeitet hat. Das kann auch im Privaten sein. Bei Wanda etwa haben wir bei jeder Tour das Ziel, ausverkauft zu sein. Deswegen gehen wir auch nicht unbedingt in riesige Hallen, sondern schauen, dass die Hallen, die wir bespielen, jedes Jahr in der Größe steigen und auch ausverkauft werden. Bei der Platte sind‘s Chart-Plätze, bei Festivals sind‘s Slots. Aber Erfolg ist für uns auch, wenn wir uns gut verstehen, gut zusammenarbeiten und die Crew mit der Band zusammenwächst.

Habt ihr so etwas wie einen Masterplan, was ihr in den nächsten, sagen wir, zehn Jahren erreichen wollt?

Lukas Hasitschka: Nein. In diesem Umbruch gerade ist vieles unplanbar. Aber ich will nicht als „alter Hase“ in einer Retrospektive im ORF Bologna spielen. Von mir aus in dreißig Jahren, aber vorher nicht.

„Es geht um die Songs und das Lebensgefühl, das die Band nach außen strahlt.“

Wenn man mit aufstrebenden Musikerinnen und Musikern spricht, haben diese oft eine bestimmte Vorstellung, wie das Musikbusiness funktioniert. Was ist aus deiner Sicht die größte Fehleinschätzung in diesem Bereich?

Lukas Hasitschka: Dass alles eine Packelei ist, um weiterzukommen, und dass alles Playback gespielt wird. Voller Bullshit. Es geht um die Songs und das Lebensgefühl, das die Band nach außen strahlt.

Gibt es von deiner Seite so etwas wie einen „Business Advice“, den du jungen Musikerinnen und Musikern mitgeben möchtest?

Lukas Hasitschka: Macht weniger Instagram-Videos, sondern schreibt und arrangiert geile Songs!

Habt ihr Leute, die für euch arbeiten?

Lukas Hasitschka: Na sicher, sonst wäre es ein bisschen schwierig auf der Bühne bei einem Festival mit fünfzehn Minuten Umbau [lacht]. Wir haben uns das einmal ausgerechnet: Von dem, was wir den ganzen Tag machen – Telefonate, Besprechungen, Fotoshootings usw. –, macht das Livespielen 0,5 Prozent aus. Das ist für uns dann eher Urlaub als Arbeit. Da kann man dann sein, wer man ist, und richtig Gas geben.

Im Hinblick auf Liveauftritte gibt es die Annahme, dass es besser ist, sich mit Auftritten rarzumachen. Was ist da deine Einschätzung?

Lukas Hasitschka: Nein! Am Anfang zwei Jahre durchspielen und alles annehmen, wo man konzertant spielen kann. Auch in Deutschland. Immer schauen, dass man sich nicht für etwas verkauft, was man nicht will.

Muss man studiert haben, um im Musikbusiness erfolgreich zu sein, vor allem im Popbereich? 

Lukas Hasitschka: Nein.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Christoph Gruber

Rückblick auf das Music Research Lab am Ars Electronica Festival 2019


Links:

https://ars.electronica.art/outofthebox/
https://ars.electronica.art/outofthebox/musikforschungslabor/
https://ciao.wandamusik.com/