Lonley Drifter Karen – Poles

Charmante, verträumte und niveauvolle Popmusik in einem wirklich edlen Klanggewand, genau eine solche bieten Lonley Drifter Karen auf ihrem neuen und inzwischen dritten Album “Poles” (Crammed). Zwei Jahre nach dem letzten, von allen Seiten hochgelobten Werk „Fall of Spring“ zeigt sich die Band um Sängerin Tanja Frinta hörbar gereift. Sowohl musikalisch wie auch vom Sound her wirkt alles um eine Spur durchdachter und vor allem dynamischer. War es in den alten Songs noch durchwegs das Piano, welches den Ton angegeben hat, vollzieht das Dreiergespann nun einen deutlichen Schwenk hin zu einer Erweiterung des Gesamtsounds um elektronische Spielerein, Gitarrenklänge, Bass-Synths und funkige Grooves. Lonley Drifter Karen erfinden sich also quasi neu, was im Ergebnis ihre Musik an Nuancen und Facetten noch reicher aus den Boxen schallen lässt.

Nein, dass es sich hier um eine Formation handelt, die sich im tausendfachen Wiederholen des alten Erfolgsrezepts verliert, kann man wahrlich nicht behaupten. „Poles“ ist ein wunderbares Beispiel für eine gelungene stilistische Umorientierung einer Band, die bestrebt ist, in ihrem Schaffen immer einen Schritt weiterzugehen. Zeigten Tanja Frinta (Gesang), Marc Melià Sobrevias (Keyboard) und der inzwischen aus der Band ausgestiegene Schlagzeuger Giorgio Menossi (neu in der Band ist nun der französische Gitarrist und Multiinstrumentalist Clément Marion) auf ihren ersten beiden Alben noch eine Ausrichtung hin zu folkigen Anleihen, bewegen sie sich nun deutlich wie nie zuvor im Kontext der Popmusik. Ein Schwenk, der sich als ein goldrichtiger erweist, hört man sich einmal durch die 13 Tracks des neuen Albums.

Denn was der multinationalen Truppe überaus eindrucksvoll gelingt, ist die kunstvolle Umsetzung einer vollkommen eigenen Interpretation des Popmusikbegriffs. Es ist vor allem die ungemein selbstbewusste Art, wie Lonley Drifter Karen diesen mit neuem Leben erfüllen, die beeindruckt. Was das Dreiergespann auf den Weg bringt, sind wunderbar verführerische, in überaus abwechslungsreichen Arrangements eingebettete und von eigenwilligen, manchmal an Science Fiction Filme der 70er Jahre erinnernden Sounds umwobene Melodiebögen, die sich vom ersten Moment an in den Gehörgängen festsetzen. Mehr noch als auf den ersten beiden Veröffentlichungen zeigt man sich diesmal von einer sehr dynamischen und energievollen Seite, was mit Sicherheit auch an der charismatischen Frontfrau und Gründerin Tanja Frinta liegt, deren Gesang in den letzten Jahren merklich an Ausdruck gewonnen hat.

„Poles“ ist schlicht ein niveauvolles Album höchster internationaler Klasse, eines das zeigt, welch spannende Wege man auch heute noch in der Popmusik gehen kann. Auf jeden Fall eine intensive Hörprobe wert. (mt)

 

 

http://www.lonelydrifterkaren.com/
http://www.crammed.be/