LINTU – „Circles“

Diese Formation hat musikalisch definitiv etwas anderes im Kopf, als die bereits breitgetretenen Jazz-Pfade ein tausendstes Mal abzuschreiten. LINTU zeigen sich auf ihrem soeben erschienenen Album „Circles“ (Freifeld Tonträger) musikalisch ungemein offen und erfrischend traditionsfern. Ihre Musik zielt mehr auf die Seele denn auf den Kopf ab. Und das auf eine bemerkenswert gefühlvolle Art.

Schon nach dem ersten Durchhören wird klar, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, deren Mitglieder sich recht wenig über die exakte stilistische Ausrichtung ihrer Musik kümmern. Im Sound von LINTU findet sich allerlei Verschiedenes: Jazz, Soul, Pop, Chanson, Folk, Swing, ein wenig Funk und vieles andere mehr. Natürlich ist es nicht so, als hätten nicht auch schon andere Bands der musikalischen Vielfalt alle Tore geöffnet, doch bei dieser Formation verhält sich doch einiges etwas anders. Zunächst einmal definieren sich Heidi Caviezel (Stimme, Geige, Komposition), Viola Pfefferkorn (Klavier, Fender Rhodes), Alexander Kranabetter (Trompete, Horn, Tuba), Daniel Huber (Flügelhorn, Trompete, Stimme), Gernot Häfele (Gitarre), Bernhard Oss (Akkordeon), Herwig Hammerl (Bass) und Alexander Yannilos (Schlagzeug) ihre ganz eigene musikalische Sprache, eine, die zwischen Melodiebetontheit, Experimentierfreude und einem gewissen Grad an Lässigkeit angesiedelt ist, erfrischend unaufgeregt und gefühlvoll vor sich her schwingt und mit einer überaus stilvollen Note zu punkten weiß.

Ein höchst abwechslungsreiches Musikvergnügen

Auch hält sich die Vorarlberger Combo, deren Mitglieder sich erst 2015 zusammengefunden haben, in ihren in warmen Klangfarben schimmernden Nummern nicht unbedingt an das eindimensionale Songformat. Die auf Englisch und Finnisch singende Heidi Caviezel und ihre Bandkollegen öffnen und erweitern dieses und fassen es in Formen, die sich über vielschichtige und wechselhafte Spannungsbögen zu ihrem jeweiligen Höhepunkt aufbauen. Geschehen tut dies einmal auf leisen und sanften Sohlen („On The Road“, „Circles“, „My Treasure“), dann wieder auf eine mehr verspielte und zugleich melancholische („Candle“, „Mä Metsan Polkua Kuljen“) oder zirkushafte und schräge Art („Monster“). Jeder Song setzt andere Akzente und gefällt auf einem anderen Weg, was die ganze Sache im Ergebnis zu einer sehr abwechslungsreichen werden lässt.

LINTU legen mit „Circles“ ein Album vor, das auf jeden Fall zu überzeugen weiß. Die von der Vorarlberger Band zum Erklingen gebrachte Musik ist eine, die in hohem Maße berührt und in ihren leisen Momenten richtiggehend unter die Haut geht. Wirklich schön.

Michael Ternai

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Lintu (Facebook)
Freifeld Tonträger