Doomina (c) Corinna Michl

„Letzten Endes geht es um Musik aus Liebe zur Sache“ – DANIEL GEDERMANN und CHRISTIAN OBERLERCHER (DOOMINA) im mica-Interview

Man könnte sie beinahe Urgesteine der österreichischen Subkultur-Szene nennen, Aushängeschilder des heimischen Post-Rocks sind sie in jedem Fall. Das vierte Album „Orenda“ (Noise Appeal Records) des Kärntner Quartetts DOOMINA zementiert diesen Status und die meisterlichen Fähigkeiten im auf Spannungsbögen und Dynamik konzentrierten Instrumental-Genre. Die Gründungsmitglieder DANIEL GEDERMANN (Gitarre) und CHRISTIAN OBERLERCHER (Bass) sprachen mit Sebastian J. Götzendorfer über Feinschliff, Erwartungshaltungen und alles vereinende Kräfte im Kollektiv.

Mit einem gewissen Abstand zum Aufnahmeprozess – wie zufrieden sind Sie mit Ihrem neuen Album „Orenda“?

Daniel Gedermann: Es war alles eine ziemliche Reise … Wir haben mit den Aufnahmen im Februar 2017 in Wien begonnen, das Recording an sich dauerte drei oder vier Tage. Das Mixing hat dann allerdings länger gedauert und Ende 2017 hat sich herausgestellt, dass wir alle Gitarren neu aufnehmen mussten.

Wie entstand denn dieses Problem?

Daniel Gedermannn: Wir wollten ursprünglich das ganze Album live einspielen. Leider kam es da zu diversen Problemen technischer Natur mit den Gitarrenspuren. Das hat dann dazu geführt, dass wir die Gitarren als Overdubs komplett neu aufnahmen, und zwar in Klagenfurt in den „PEGEL Studios“. Letzten Endes hat dieser ganze Prozess aber zu einem Sound und einem Album geführt, mit dem wir zufriedener sind als mit allen Vorgängern.

Christian Oberlercher: Es ist sicher das Album, mit dem wir am zufriedensten sind. Das höre ich mir in zwei Jahren auch noch gern an! Ganz objektiv gesehen, ist es sicher unser bestes Album – von der Produktion her, von der Qualität her.

Wobei es doch schwierig ist, objektiv zu sein, wenn man das Album selbst eingespielt hat. 

Christian Oberlercher: Ich weiß, ich weiß. Das kann man jetzt glauben oder nicht glauben. Wir sind jedenfalls so zufrieden wie noch nie zuvor!

Als Musikerin bzw. Musiker wird man nicht gerne in eine Schublade gesteckt, aber Sie sind sicherlich im weitesten Sinne dem Post-Rock-Genre zuzuordnen. Dieses hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, das Rock-Genre neu aufzurollen – mittlerweile wirkt es jedoch selbst etwas festgefahren und vieles hört sich so an, als könnte es wiederum Erneuerung gebrauchen. Wie sehen Sie das?

Christian Oberlercher: Es gibt auf jeden Fall viele Bands, die genau den plakativen Standard-Post-Rock spielen. Einige sind da durchaus ein bisschen festgefahren beziehungsweise kreieren die schönen Sound-Flächen und Tremolo-Gitarren halt mit großer Überzeugung. Wir versuchen schon, unser eigenes Ding zu machen. Die Schubladen-Frage ist immer schwierig … Post-Rock: Ja. Aber wir versuchen trotzdem, uns von der Masse abzuheben.

Was zum Beispiel auffällt, ist die ausgeprägte Rolle des E-Basses.

Christian Oberlercher: Ich bitte darum zu schreiben, dass ich gerade die Faust siegreich in die Höhe recke.

Hängt das damit zusammen, dass Sie beide die Gründungsmitglieder der Band sind?

Christian Oberlercher: Ich glaube, diese Wahrnehmung hängt vordergründig damit zusammen, dass man den Bass im Mix endlich gut hört. Dieses Mal ist der Bass endlich dort, wo er soundmäßig sein soll.

Daniel Gedermann: Und unabhängig vom Sound: Du machst mit deinem Bass teilweise mehr als ich mit der Gitarre, also was Melodien und so weiter anbelangt.

Christian Oberlercher: Ich versuche, am Bass eine eigene Geschichte zu erzählen, und ich denke, mittlerweile funktioniert das ganz gut.

„[…] insgesamt ist es wohl ein Prozess der Verfeinerung.“

„Orenda“ ist jetzt das vierte Album. Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich gravierend verändert haben oder ist es eher eine fortlaufende Verfeinerung des bereits existierenden Stils?

Daniel Gedermann: Also vom ersten aufs zweite Album damals war es ein ziemlicher Bruch, denn das erste war wesentlich aggressiver. Aber insgesamt ist es wohl ein Prozess der Verfeinerung.

Christian Oberlercher: Das Songwriting wurde über die Jahre sicher ausgeklügelter und feinfühliger. Wir haben sicher unseren grundlegenden Stil – den wir auch beibehalten haben –, haben diesen aber auf unsere eigene Art und Weise weiterentwickelt. Ob es jedoch eine Weiterentwicklung nach vorne oder nach hinten ist, muss jede und jeder selbst entscheiden.

Sie kommen aus dem Doom Metal. Fühlen Sie sich nach wie vor eher in der härteren Hälfte des Post-Rock angesiedelt oder eher in den ruhigeren Gefilden? Diese Gegenüberstellung ist ja prägend für das Genre.

Daniel Gedermann: Darüber habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Vieles geht natürlich einfach über die privaten Musikgeschmäcker und die reichen von fragiler Neoklassik bis zum härtesten Hardcore. Da wird also viel abgedeckt.

Christian Oberlercher: Ich sehe uns da auch nicht unbedingt in eine Richtung ausschlagen. Wir alle Bands in diesem Genre lieben wir vordergründig den Spannungsbogen der Kompositionen. Der macht alles aus. Das Zusammenspiel aus den melodiösen Parts und den härteren Ausbrüchen und eben, wie diese Teile ineinandergreifen.

Wie kam es zum Titel des Albums „Orenda“? Nur weil er gut klingt oder steckt da mehr dahinter?

Christian Oberlercher: Welchen Titel gibt man einem Stück, das keinen Text hat? Man spielt die Songs einfach immer wieder und irgendwann bekommt man das Gefühl, dass sich Songs nach gewissen Dingen anhören.

„Bei uns in der Band sind wir sehr auf das Zusammenspielen als Kollektiv fixiert.“

Na gut. Aber „Orenda“ ist nicht unbedingt ein Alltagsbegriff, nach dem sich schnell mal was anhört.

Christian Oberlercher: Ja, gut. Wir haben diesen Begriff aufgeschnappt, er klang gut und dann haben wir uns darüber informiert, was er eigentlich bedeutet. Es geht um die alles vereinende Kraft, die alle Lebewesen miteinander verbindet. Bei uns in der Band sind wir sehr auf das Zusammenspielen als Kollektiv fixiert.

Daniel Gedermann: Orenda steht also gewissermaßen auch für die Chemie unter uns Bandmitgliedern.

Christian Oberlercher: Ja, genau, die musikalische Chemie. Genauso, wie das intern zwischen uns passiert, ist es hoffentlich auch zwischen uns und den Zuhörerinnen und Zuhörern, sei es am Album oder bei einem Konzert.

Daniel Gedermann: Genau, in den immer restlos ausverkauften Venues [lacht]!

Christian Oberlercher: Unsere Konzerte sind in jedem Fall unsere große Stärke.

Um kurz beim Thema Namensgebung zu bleiben: In Ihrer Webpräsenz findet sich die Aussage „Doomina is just a seven letter word“, was natürlich lustig ist. Wie weit gibt es im doch recht ernsten Genre Post-Rock Platz für Spaß?

Christian Oberlercher: Na klar! Sehen Sie sich alle möglichen Titel von Mogwai an. Da sind viele extrem lustig.

Daniel Gedermann: Vordergründig sollte man sich selbst einfach nicht zu ernst nehmen. Das wird vielleicht immer klarer, je älter man wird. Natürlich rührt der Name „Doomina“ noch von der Zeit her, als wir uns vor dreizehn oder vierzehn Jahren als Doom-Metal-Band gegründet haben.

Christian Oberlercher: Ursprünglich war das Wortspiel noch treffender. Mit dem Stilwechsel haben wir den Namen aber trotzdem behalten, denn er ist ja nach wie vor witzig [lacht].

„Orenda“ ist Ihr zweites Album bei „Noise Appeal Records“. Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit dem Label? Hat das der Karriere weitergeholfen?

Christian Oberlercher: Auf jeden Fall!

Daniel Gedermann: Ja, ganz sicher. Dominik [Uhl, Betreiber des Labels; Anm.] ist ein wunderbar unkomplizierter Mensch, der das alles mit Hingabe macht. „A klassa Bursch“, wie wir in Kärnten sagen würden.

Christian Oberlercher: Er macht das aus Liebe zur Musik und zum Vinyl. Damit haben wir also auf jeden Fall einen Glücksgriff gelandet.

Gerade in der Subkultur und in solch einem Nischengenre wie dem Post-Rock, was ist eigentlich Ihre Erwartungshaltung, was das neue Album betrifft?

Daniel Gedermann: Ganz einfach vor so vielen Leuten spielen wie irgendwie geht. Von der Musik leben zu können war gar nie unbedingt der Gedanke dahinter. Eher geht es uns darum, viel auf Bühnen zu stehen und eine gute Zeit zu verbringen.

Christian Oberlercher: Letzten Endes geht es um Musik aus Liebe zur Sache.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Sebastian J. Götzendorfer

 

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