KLINGER – „Monster At The End“

ANDREAS KLINGER hat eine schöne, tiefe Stimme, die er wirklich nicht verstecken kann, auch wenn er bei seiner Band VIECH öfters als Zweitsänger fungiert. Nun packt der Wahlgrazer dieses von Natur aus eingebaute Ass im Ärmel auf seinem Solo-Debüt „Monster At The End“ unter dem Künstlernamen KLINGER aus. Und eines kann man gleich vorweg darüber sagen: Es ist ein wirklicher Geheimtipp.

Der Musiker und Sänger hat sich für diese Platte mit wenigen Titeln mit namhaften österreichischen KünstlerInnen und Künstlerinnen zusammengetan. Darunter sind Judith Filimónova von Fijuka, Philipp Szalay von Farewell Dear Ghost und Vera Kropf von Luise Pop. Und diese hoch qualifizierte Truppe lässt die musikalische Landschaft dieses Albums nur so erblühen.

Besser gesagt: Sie lassen die Landschaft in einem herbstlichen Licht erstrahlen – die Blätter kleben welk am feuchten Friedhofskies und die Kerzen auf den Grabsteinen flackern sanft mit der kühlen Brise. So kitschig dieses Bild auch klingen mag, es beschreibt die Atmosphäre einfach perfekt. In manchen Momenten erlöschen die Kerzen und die Dämmerung setzt ein. In anderen Momenten sind jedoch Menschen zwischen den Gräbern, die zwar trauern, aber gleichzeitig der Zukunft entgegenblicken.

Musik wie ein Herbstabend

Es ist eine kühle Aufbruchsstimmung, die hier angepriesen und verbreitet wird. Sie fühlt sich an wie überschüssige Energie, die einen nach einem langen Spätherbsttag nach draußen treibt, obwohl das Wetter rau ist. Man lächelt ganz unbeschwert und wenn der Moment auch gleich wieder vorbei ist, steckt doch so viel Wahrheit dahinter.

Dieses Gefühl wird durch eine Musik ausgelöst, die sehr an die amerikanische Band The National und zwischendurch auch mal an die Kultgruppe The Smiths erinnert. Es ist diese Kombination aus einer sehr dominanten Gitarre, deren verspielte Melodien einen ganz anderen Weg als die anderen Instrumente gehen, und einem Schlagzeug, das hinter einer durchsichtigen Glaswand zu spielen scheint, was dem Sound einen leichten Hall verleiht. Diese Art der Produktion erinnert auch ein bisschen an The Cure in den späten 1980er-Jahren.

Auf „Monster At The End“ ist sowieso viel von den 80ern zu hören. Etwa in „Whatever I Need To“, wo die Melodie und auch der Gesang The-Smiths-artig ist. Apropos Gesang: Andreas Klinger hat wirklich einen ungewöhnlich klaren Bass. Kombiniert wird seine tiefe Stimme mit dem Gesang von Katrin Kreiner, die im Kontrast dazu sehr jung klingt. An manchen Stellen, wenn noch mehr Vocals im Spiel sind, klingt es wirklich so, als ob ein Kinderchor beteiligt wäre. Das ist nicht als Kritikpunkt gemeint, sondern es verhält sich einfach wie eine Illusion für die Ohren.

Das Album ist nicht nur ein gelungenes Debüt, sondern auch wirklich ein Geheimtipp der heimischen Musik. Es muss hervorgehoben werden, dass eine Starbesetzung nicht immer den Erfolg und vor allem die Qualität eines Projektes sichern kann. Aber in diesem Fall spielen die MusikerInnen eine fast so wesentliche Rolle wie Klinger selbst. Wer schon in Herbststimmung ist, sollte sich dieses Album anhören, und alle anderen, die noch mit einem halbem Fuß im Altweibersommer stecken, können sich perfekt auf die düsteren Tage einstimmen.

Anne-Marie Darok

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