KLAUS KARLBAUER – „wonder wheel“

Auf seiner neuen CD „wonder wheel“ macht KLAUS KARLBAUER einmal mehr vor, was musikalisch wirklich Spannendes entstehen kann, wenn man sich vom stilistisch Vordefinierten löst und der eigenen musikalischen Kreativität freien Lauf lässt.

Wer mit dem bisherigen Schaffen des Multiinstrumentalisten und Komponisten KLAUS KARLBAUER vertraut ist, der weiß, dass dieser sich den gewöhnlichen musikalischen Konventionen eigentlich noch nie wirklich verbunden gefühlt hat. Der gebürtige Kärntner, der sein Betätigungsfeld von der Neuen Musik über die experimentelle Elektronik bis hin zum avantgardistischen Pop definiert, spricht in seinen verschiedenen Projekten stets eine musikalische Sprache, die eigentlich niemals dem klassischen Schubladendenken entspricht. Auch auf „wonder wheel“ regiert die zu allen Seiten hin ausgelebte Offenheit.

Was KLAUS KARLBAUER auf seiner neuen CD praktiziert, ist die kunstvolle und innovative Verwebung des Analogen mit dem Digitalen. Der eigenwillige Soundtüftler hat nahezu alle Instrumente selbst eingespielt (einzig bei zwei Stücken sind die Gastmusiker FRANZ HAUTZINGER und PHILIP JECK zu hören) und kombiniert den verfremdeten Klang mit einer Geräuschkulisse aus Fieldrecordings und lässt es dabei in der Stimmung mal eher düster geheimnisvoll, dann wieder melancholisch verträumt zugehen.

Die für E-Zither, Bassklarinette, Bassgitarre und Elektronik komponierten und stilistisch irgendwo zwischen Elektro-Ansätzen der 80er Jahre, Trip Hop, Downbeat, ein wenig Jazz und Klangkunst verorteten Nummern nähern sich in ihrer Art und Wirkung schon sehr stark der Filmmusik. Anstatt sich  strikt an klassische Songstrukturen zu halten, formt KLAUS KARLBAUER seine Tracks behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl zu bildhaften und sphärischen Soundgebilden, die sich Ton für Ton zu weiten und detailreich ausgeschmückten Spannungsbögen steigern.

„wonder wheel“ ist ein Album geworden, das mit der Zeit wächst. Je intensiver man sich mit dem Gehörten befasst, umso mehr läuft man auch Gefahr, sich darin zu verlieren. KARLBAUERs Musik entwickelt eine seltsame und undefinierbare Anziehungskraft, der man sich kaum verschließen kann und die man einfach nur wirken lassen sollte. Ein wirklich interessanter musikalischer Entwurf.

Präsentieren wird KLAUS KARLBAUER „wonder wheel“ am 22. November im mo.ë in Wien.

Michael Ternai

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Klaus Karlbauer