Bild KIDS N CATS
KIDS N CATS (c) Daliah Spiegel

Kids N Cats – „11 Tracks“

KIDS N CATS sind zwar nicht new aber fresh, denn die Wiener Formation beherrscht Pop wie ein Instrument und sieht dabei sogar cool aus. Nach dem Album-Debüt „KAOS“ und der Nachfolger-EP „Juicy Worlds“ 2016 folgt nun mit „11 Tracks“, ein musikalischer Kurztrip durch 11 Länder im Schnelldurchlauf.  

Trübes Rotlicht, herausfordernde Blicke, die Körper bedeckt von Obst, fast so als hätten die Früchte die Haut belagert. Als Stilleben für die Jetztzeit, so inszenieren sich die Wiener Kids N Cats. Sie sind absoluter-, ultra Pop, eine weirde Mischung aus Pop-Vergangenheit, Pop-Gegenwart und irgendwie auch sowas wie Pop-Zukunft. Genres werden hier ignoriert, Kodes werden rekonstruiert, Motive umgedeutet, der eigentliche Sinn entfernt und neu durchgemischt. Ob Memes, Filter oder einfach nur die Gesten, der tiefe Griff in die digitale Netzkultur bleibt bei Kids N Cats an vielen Stellen kaum verborgen. Das Ganze wirkt eigentlich fast so wie ein Upload einer klassischen Bandformation in den digitalen Raum und wieder back to reality.

„I dont want to save the world today. Give me some chocolate and leave me alone“

Albumcover 11 Tracks
Albumcover “11 Tracks”

Nun zum Wesentlichen: Das kürzlich auf Wouf Records erschienene Album „11 Tracks“ umfasst weniger überraschend 11 Tracks oder besser 11 unterschiedliche Erzählungen. Es handelt sich um 11 Kurztrips, die sowohl autonom wie auch als Einheit lesbar und erfahrbar werden. Die Reise geht von Israel nach Germany, France, Japan, China, Taiwan, Australia, Mexico, Brazil, Swaziland um schließlich wieder in Austria zu enden. Der Aspekt von Sprache als Form, die verbindet und trennt, ist deshalb auf dem Album stets zentral, ingesamt 6 Sprachen kommen zu Wort. Durch Kooperationen mit lokalen KünstlerInnen wie etwa Thales Silva, ChaCha, Lupa oder Nix wird der Album-Sound grundlegend mitgefärbt und der Vernetzungsaspekt auch künstlerisch verhandelt. Im Verlauf des Albums werden ästhetische Formen, Sprachen und Klänge temporär angenommen, benutzt und wieder zurückgelassen und öffnen damit eine unmittelbare Korrespondenz mit den vor Ort gefundenen Sounds und Erfahrungen. Die Klangästhetik von Kids N Cats bleibt trotz vieler stilistischer Exkurse bis zum Ende erkennbar, verblasst an keiner Stelle. Die Reise wird zu einer vielseitigen Einheit oder einheitlichen Vielheit.

Am Ende wartet dann wieder Austria, Heimat und Fremde zugleich. Diese letzte musikalische Etappe wird inhaltlich vor allem durch das zelebrierte Nicht-Wollen charakterisiert. Ein bewusstes Spiel mit dem, was man von Österreich am besten kennt. Das Album „11 Tracks“ ist die Transformation von Erinnerung zu Sound, die Möglichkeit auf Repeat zu drücken, innezuhalten, die Reihenfolge zu ändern oder bewusst zu verändern.

Ada Karlbauer

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