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KICK JAZZ – Die junge österreichische Jazzgeneration setzt ein Ausrufezeichen

Junger Jazz aus Österreich ist angesagt und scheint auf dem Sprung zu höheren Ehren zu sein. Zumindest lässt sich das aus dem großen Erfolg der ersten Auflage des Festivals KICK JAZZ im Wiener PORGY & BESS schließen. Der Club war an beiden Tagen bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung im Publikum hervorragend und der Applaus laut und frenetisch. Und auch die geladenen internationalen Festivalveranstalter dürften sich den einen oder anderen Namen in ihre Blöcke notiert haben.

Eines lässt sich nach der Premiere von Kick Jazz auf jeden Fall sagen, das von Austrian Music Export in Kooperation mit dem Porgy & Bess veranstaltete zweitägige Festival bot weit mehr als nur eine simple Leistungsschau. Die insgesamt sechs Acts (David Helbock Trio, chuffDRONE, Kompost 3, Edi Nulz, Mario Rom´s Interzone und Namby Pamby Boy) – die quasi auch als Stellvertreter der gesamten Szene fungierten – setzten an den beiden Abenden ein großes Ausrufezeichen und lieferten den eindrucksvollen Beweis dafür, was im Grunde genommen hierzulande eh schon alle gewusst haben: Jazz in Österreich lebt und ist angesagt. Der hierzulande gepflegte Sound ist modern, frisch, innovativ, vielfältig, offen und spannend. Eben auch, weil er nicht auf einen einzelnen Stil zu reduzieren ist. Und genau das wird auch honoriert, wie das an beiden Abenden rappelvolle Wiener Porgy & Bess eindrucksvoll belegt.

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Positives Feedback

Die Möglichkeit, sich ein Bild von der Qualitäten des jungen österreichischen Jazz machen zu können, hatten auch aus ganz Europa angereiste Promoter internationaler Musik- und Festivalagenturen und JournalistInnen. Und deren Fazit fällt nach den beiden Festivaltagen durch die Bank positiv aus. „Man muss schon sagen, dass das Niveau der Bands bei diesem Festival insgesamt sehr hoch war. Eigentlich war alles gut und interessant“, so des Programmchef des Stadtgarten in Köln, Reiner Michalke. Auch Edin Zubcevic vom Jazzfestival Sarajevo zeigte sich angetan: „Das Schöne an diesem Festival war im Vergleich zu vielen anderen Showcase-Festivals, dass man hier Bands präsentiert bekommen hat, die bereits so weit sind durchzustarten. Ich selber habe zumindest zwei entdeckt, die ich in Zukunft buchen will.“ Fast schon euphorisch zeigte sich Juhamatti Kauppinen vom Jazzfestival Tampere: „Ich war heuer auf vielen Showcase-Festivals unterwegs. Und eines kann ich von Herzen ganz ehrlich sagen, dieses war mit Abstand das Beste. Wir haben wirklich viele gute junge Bands mit einem frischen Sound und sehr unterschiedlichem Stil gesehen.“ Ähnlicher Meinung ist auch der deutsche Journalist Stefan Hentz (Die Zeit, Jazzthetik): „Ich kenne zwar viel aus Österreich. Es landen ja  laufend CDs österreichischer Bands auf meinem Tisch. Aber dennoch bin ich von dieser Dichte überrascht. Dass hier anscheinend so viele so junge Bands mit dennoch sehr unterschiedlichem Sound und hoher Qualität gibt, finde ich schon geil.“

Und es war in der Tat so. Die im Rahmen von Kick Jazz auftretenden sechs Acts konnten von ihrer jeweiligen musikalischen Ausrichtung nicht unterschiedlicher sein. Das David Helbock Trio spannte gleich zur Eröffnung auf wunderbar gediegener Weise den Bogen von der Musik Arnold Schönbergs über grandiose Eigenkompositionen bis hin zur eigenen Interpretationen des Star-Wars-Soundtracks. Der Fünfer chuffDRONE überzeugte mit einer ungemein abwechslungsreichen und sehr kraftvollen Performance, die zugleich auch viel Raum für atmosphärische Klangexperimente bot. Einfach nur fabelhaft und lässig wie immer agierte die Wiener Jazz-Funk-Hip-Hop-Soul-Elektronik-Combo Kompost 3. Edi Nulz brannten gleich zu Beginn des zweiten Festivaltages ein echtes Jazz-Rock-Feuerwerk der Sonderklasse ab. Musikalisch nicht weniger heiß wurde es beim Dreier Mario Rom´s Interzone, der den Jazz der freien Form zwischen Tradition und Moderne, gewürzt mit Elementen des Bebop, Funk und Swing in mitreißender Manier vorexerzierte. Die Ehre für den krönenden Abschluss des Festivals Kick Jazz zu sorgen, kam dem Trio Namby Pamby Boy zu. Und auch diese Gruppe wusste mit ihrem unkonventionellen Mix aus Jazz, Elektronik und HipHop – wie alle anderen Acts zuvor – mehr als nur zu überzeugen.

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Positive Bilanz

Die Bilanz der beteiligten Bands fällt positiv aus, Und das nicht nur wegen des großen Publikumsandrangs.  Raphael Preuschl (David Helbock Trio) etwa sieht in dem Festival „einfach eine großartige Möglichkeit, Veranstalter anderer Länder einmal näher kennenzulernen.“ Dem schließt sich auch Valentin Schuster von Edi Nulz an: „Es ist einfach  genial, dass wir so eine Gelegenheit, quasi auf dem Silbertablett präsentiert bekommen haben.“ Für Philip Nykrin (Namby Pamby Boy) war entscheidend, dass man bei diesem Festival, genau mit diesen Leuten in Kontakt getreten ist, die sich im musikalischen Sinne für genau das, das man macht, auch wirklich interessieren. Martin Eberle (Kompost3) freute sich auch zudem darüber, „dass ich mit allen meinen Kollegen einfach einmal zwei Tage abhängen konnte, was ja sonst eher selten der Fall ist. Man konnte hier die Bands hören, die man schon immer einmal live hören wollte oder einfach lange nicht mehr gehört hat. Das hat wirklich Spaß gemacht.“ David Helbock beeindruckte besonders, dass man gesehen hat, „welch Unterstützung die Szene im Moment erfährt, sowohl untereinander wie auch von anderen Leuten.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch  Judith Schwarz (chuffDrone), die meint, dass erkennbar ist, welch Zusammenhalt in der Szene vorherrscht. Man kennt sich schon lange und hat mit vielen schon einmal in anderen Projekten zusammengearbeitet. Daher findet so etwas wie Konkurrenzdenken nicht statt. „Wir begreifen, glaube ich, dieses Festival alle als eine große gemeinsame Chance.“

Zusammenfassend kann man die Erstauflage des Festivals Kick Jazz auf jeden Fall als einen großen Erfolg bezeichnen, als einen, der der jungen Jazzszene Österreichs  im Gesamten mit Sicherheit weiter Auftrieb geben wird. Die aufgetretenen Acts haben allesamt überzeugt, auch das internationale Publikum war mehr als angetan. Es wird sich herumsprechen, welch reges musikalisches Treiben hierzulande herrscht. Mit Sicherheit.

Michael Ternai

Link:
Porgy & Bess
Kompost 3
chuffDRONE
David Helbock Trio
Namby Pamby Boy
Mario Roms`s Interzone
Edi Nulz