Karl Ritter – Soundritual

Ein Musiker, der immer wieder zu überraschen vermag, bei dem nie wirklich vorausgesagt werden kann, in welche Richtung er sich auf seiner nächsten Veröffentlichung bewegen wird und für den die Weiterentwicklung seines eigenen Sounds die höchste Prämisse darstellt, ist ohne Zweifel der österreichische Jazzer Karl Ritter. „Soundritual“ (Windhundrecords), die neue CD des Ausnahmegitarristen, macht da keine Ausnahme. Losgelöst von allen musikalischen Begrifflichkeiten und Strukturen begibt sich Ritter in seinen neuen Kompositionen, beseelt vom Geiste des Experiments, auf eine spannende und atmosphärische Entdeckungsreise in die Welt der Klangkunst und Elektroakustik. Und das alleine mit seiner Gitarre (alleine beim letzten Stück erweitert sich das Klangspektrum um die Stimme von Battista Acquaviva), die er kurzerhand aus ihrem angestammten instrumentalen Kontext hebt und zu einem faszinierenden Klangkörper umfunktioniert. Gewöhnliches klingt definitiv anders.

Karl Ritter ist ein Paradebeispiel für einen echten musikalischen Freigeist. Grenzen, wenn es darum geht, seine Ideen zu verwirklichen, kennt der gebürtige Niederösterreicher keine. So ist das Festhalten an traditionellen Stildefinitionen nicht wirklich das Ding des sich in allen musikalischen Welten beheimatet fühlenden Gitarristen. Vielmehr geht es ihm stets darum, die von ihm selbst geschaffenen Freiräume zu füllen, seine eigene musikalische Sprache zu entwerfen, um sich selbst und dem Publikum neue und ungewohnte Perspektiven zu ermöglichen.

Den Titel der neuen CD, „Soundritual“, kann man in diesem Fall getrost als Programm verstehen, will das musikalische Ergebnis, welches der Gitarrist abliefert, einfach nicht in irgendeine stilistische Schublade so richtig hineinpassen. Es sind die kunstvolle Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Ton“ und der Bruch mit fast allen musikalischen Konventionen, die Karl Ritter in seinen Kompositionen an die Spitze treibt. Die insgesamt drei Stücke sind Atmosphäre pur, sie offenbaren sich als schwebende, den Raum vollends ausfüllende und aus einzelnen Tönen generierende Soundwolken. Hier regieren keine Melodien oder irgendwelche traditionellen Songarrangements. Vielmehr geht es um das Erzeugen sich ständig in Bewegung befindlicher Klangbilder, die ihre Spannung besonders aus der stetigen Verdichtung beziehen.

Der in Stockerau geborene Gitarrist zelebriert auf „Soundritual“ die meditative Macht der Monotonie, die vermutlich nur selten zuvor so abwechslungsreich und faszinierend geklungen hat. Ein Muss für Liebhaber unkonventioneller, avantgardistischer  und experimenteller Klangwelten. (mt)

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