KAHLENBERG – Wiener Zucker

Richtig schön abwechslungsreicher, handgemachter deutschsprachiger Rock mit Wiener Note – genau einen solchen bringt der Wiener Fünfer KAHLENBERG auf seinem zweiten Album „Wiener Zucker“ (Affluenza Music) in wirklich starker Manier zum Erklingen.

Albumcover “Wiener Zucker”

Ungehobelter Rock mit starker Wiener Note, das kennt man doch von irgendwoher. Und doch ist hier etwas anders. Es stimmt schon, man kann gewiss schon ein paar Parallelen zum Aushängeschild des Wiener Rock Wanda ziehen, aber dennoch muss man der Band Kahlenberg schon auch einen hochgradig eigenen musikalischen Charakter attestieren. Dort nämlich, wo sich Marco Wanda und seine Band hin zu einem eher räudigeren Klang bewegen, genau dort schlagen Sänger Frank Hoffmann und seine Kollegen Dominik Mayr (Bass), Raphael Sas (Gitarre), Wolfgang Kanduth (Schlagzeug) und Dominik Beyer (Keyboards) eine mehr elegante Note an. Wobei elegant im Falle des Fünfers aus dem Westen von Wien immer noch wunderbar kantig, unangepasst und alles andere als im Sound geglättet bedeutet.

Es hat vielleicht wirklich etwas mit der Herkunft der Band zu tun, die sich im doch eher nobleren Wiener Bezirk Döbling zusammengefunden hat, oder vielleicht spielt das auch gar keine Rolle. Auf jeden Fall wissen Frank Hoffmann und seine Mitstreiter ganz genau, wie man Songs zum Zünden bringt und sie auf eine unverkennbar eigene Art ertönen lässt. Die insgesamt zehn Nummern pendeln stimmig und höchst abwechslungsreich zwischen locker beschwingt poppig, rockig laut und lässigem Ton und erzählen allesamt ihre ganz eigene Geschichte. Hinzu kommt, dass bei Kahlenberg neben der musikalischen Ebene auch die textliche eine große Rolle spielt. Die Band wirft auf gelungene wortspielerische Art einen (selbst-)ironischen, manchmal auch zynischen Blick auf das Leben der so genannten Upper Class der Stadt, das mehr von Schein bestimmt wird als vom Sein.

Kahlenberg liefern mit „Wiener Zucker“ auf jeden Fall einmal mehr ein starkes Album ab, eines, das seinen Reiz auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht verliert. Die Songs des Wiener Fünfers haben Hand und Fuß und wissen wirklich in hohem Maße zu unterhalten.

Michael Ternai

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