Bild Juneberry
Juneberry (c) Corina Lueger

JUNEBERRY – „Juneberry“

Hinter JUNEBERRY verbergen sich mit LUCIA LEENA und JUDITH FERSTL zwei der hoffnungsvollsten Musikerinnen der jungen österreichischen Jazzszene. Als Duo versuchen die beiden – wie man es von ihnen eigentlich gewohnt ist – musikalisch einmal mehr neue Wege zu gehen. Mit Erfolg. Das bei Freifeld Tonträger erschienene Debüt zeigt sich nämlich als ein wirklich einmal anderer musikalischer Entwurf.

Die musikalische Sprache, die Lucia Leena (Gesang, Gitarre) und Judith Ferstl (Bass, Cello) auf ihrem Debütalbum erklingen lassen, ist eine in ihrem Ton sehr zurückhaltende, dezente und ruhige. Laut oder ausufernd wird es eigentlich in keinem Moment, ganz im Gegenteil: Die beiden Musikerinnen besinnen sich auf das Wesentliche, auf das Wenige, das sie aber in wirklich unvergleichlicher Manier zu einem lyrisch angehauchten und intimen Hörerlebnis werden lassen. Es sind oftmals allein die von Judith Ferstl zart gestrichenen oder gezupften Saiten des Cellos und Lucia Leenas glasklare, ausdruckstarke Stimme, die zu Gehör gebracht werden. Hin und wieder – wie beim Opener „Back to the Bottom“ – tritt auch noch der sanfte Klang einer Gitarre hinzu, aber das war es dann auch schon. Mehr bedürfen die beiden ganz offensichtlich nicht, um ihre musikalischen Vorstellung auf packende Weise in die Realität umzusetzen.

Von melancholisch bis geheimnisvoll

Stilistisch bewegen sich Lucia Leena und Judith Ferstl mit ihrem zwischen Songwriting, Jazz, experimentellem Pop und freier Improvisation angesiedelten Sound in einem mehr weiter denn enger gefassten Feld. Doch es ist nicht nur allein dieser eigenwillige und unkonventionelle musikalische Brückenschlag, der das Album des Zweiergespanns Juneberry aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fallen lässt. Lucia Leena und Judith Ferstl haben ihren ganz eigenen unverkennbaren Ausdruck entwickelt, einen, der sich eben nicht an den üblichen Songstrukturen abarbeitet, sondern von diesen doch sehr weit abgeht. Was die beiden entstehen lassen, sind tiefgründige Nummern, die mit jedem Ton und jeder Melodie zu atmosphärisch dichten und berührenden Klangzuständen erwachsen, die das eine Mal mehr ins Melancholische und Verträumte hineinreichen, dann wieder mehr ins Dunkle und Geheimnisvolle.

Lucia Leena und Judith Ferstl legen mit „Juneberry“ auf jeden Fall ein Debüt vor, das einlädt, näher hinzuhören. Die Musik der beiden ist eine, die sich in die Tiefe entwickelt und ihre eigenen fesselnden Geschichten erzählt.

Michael Ternai

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