Vesselsky // Kühn (c) Jürgen Berger

„[…] im Dialekt zu singen, war für mich extrem schwierig“ – IRMI Vesselsky und WOLFGANG KÜHN im mica-Interview

Seit dem Frühjahr 2015 machen die Pianistin und Sängerin IRMI VESSELSKY der Autor WOLFGANG KÜHN miteinander Musik. Kühn, der auch für das Projekt ZUR WACHAUERIN Texte verfasst und rezitiert, singt auf dem eben erschienen Album „wauns amoi so aufaungt“ erstmals. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählen VESSELSKY und KÜHN von ihrer Zusammenarbeit und davon, wie es ist, im Dialekt zu singen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Irmi Vesselsky?

Wolfgang Kühn: Wir kennen einander schon ziemlich lange. Wir haben früher schon zusammen gearbeitet, aber noch nie so, dass wir miteinander Musik gemacht hätten. Und ich kann nur sagen, dass es ein sehr angenehmes Zusammenarbeiten ist. Zuerst entstehen die Texte, die schicke ich dann per e-mail an Irmi und dann treffen wir uns. Und dann bin ich immer ganz überrascht, was sie aus den Texten gemacht hat. Manchmal ist das so, wie ich es im Kopf gehabt habe, manchmal ganz anders. Aber ich bin immer positiv überrascht, was sie daraus macht.

Wie ist es denn für Sie mit Wolfgang Kühn zusammen zu arbeiten?

Irmie Vesselsky (c) Jürgen Berger

Irmi Vesselsky: Für mich ist es genauso unkompliziert. Ich bekomme die Texte und es passiert ganz selten, dass ich einmal mit einem Text nichts anfangen könnte. Es gibt so zwei oder drei Texte, die noch herum liegen, aber Wolfgang schreibt einfach so, dass ich schon beim ersten Durchlesen des Textes eine Melodie oder einen Rhythmus im Ohr habe. Das ist also nicht anstrengend. Und es ist sehr angenehm, weil ihm auch selten die Musik dazu nicht gefällt, er ist da sehr dankbar. Die Zusammenarbeit funktioniert gut.

„Er schafft es oft, meine Gedanken so zu transportieren, wie ich das nicht schaffe“

Wie haben Sie früher bereits zusammengearbeitet?

Irmi Vesselsky: Wolfgang hat mir früher schon Texte geschickt und manche davon sind auf meinem ersten und zweiten Album enthalten. Die sind damals in englischer Sprache gewesen. Da haben wir uns getroffen und einfach über das Leben philosophiert und am nächsten Tag kam dann die Zusammenfassung in Form eines Textes. Er schafft es oft, meine Gedanken so zu transportieren, wie ich das nicht schaffe.

Sie singen Ihre eigene Musik üblicherweise in englischer Sprache, auf Ihrer gemeinsamen CD singen Sie im Dialekt. Wie war dieser Wechsel?

Irmi Vesselsky: Das war, zugegeben, eine extrem große Herausforderung. Ich bin zwar im Dialekt aufgewachsen und spreche zuhause mit Eltern und Großeltern noch die Mundart. Aber dann wirklich im Dialekt zu singen, war für mich extrem schwierig. Ich war außerdem gerade in einer Schauspielausbildung und habe das Bühnen-Hochdeutsch gelernt und es war überhaupt nicht förderlich für die Ausbildung in Mundart zu singen. Das war für mich etwas Neues.

„Ich habe dann versucht, so wenig wie möglich darüber nachzudenken und einfach zu tun.“

Was war die Schwierigkeit dabei? Haben Sie vom Bandkollegen Tipps bekommen, wie man mit dieser Sprache umgehen kann?

Irmi Vesselsky: Am Anfang habe ich mir einiges an Musik angehört, wie man das so macht. Und habe letztlich alles abgelegt und beschlossen, intuitiv vorzugehen und mich gar nicht anzupassen. Sonst passiert es, dass man nicht authentisch klingt. Ich habe dann versucht, so wenig wie möglich darüber nachzudenken und einfach zu tun.

Sie haben mit ihrem anderen Bandprojekt Zur Wachauerin ohnehin mit Dialekt zu tun. Haben Sie Tipps für den Umgang mit Dialekt geben können?

Wolfgang Kühn: Es gab schon Momente, dass Irmi bei den Proben gefragt hat: „Wie sagt man das jetzt? Das kriege ich nicht hin! Die Leute glauben, ich spreche eine Fremdsprache, wenn ich Dialekt singe.“ Aber ich finde, auf der CD ist die Umsetzung total gut gelungen. Ich glaube, dass diese Sprache nach einigen Auftritten so im Blut drinnen ist, als wenn sie immer im Dialekt gesungen hätte.

„Das Lied „refugee in me“ ist im letzten Sommer entstanden, also gerade in der Zeit, in der die Flüchtlingsproblematik besonders stark war“

Die CD enthält das Stück „refugee in me“. Was ist der Hintergrund zu diesem Lied?

Wolfgang Kühn (c) Jürgen Berger

Wolfgang Kühn: Das Lied „refugee in me“ ist im letzten Sommer entstanden, also gerade in der Zeit, in der die Flüchtlingsproblematik besonders stark war. Gerade als es diesen schrecklichen Fund mit dem Lastwagen in Parndorf gab. ‚Flüchtling’ war das Thema und ‚Flüchtling’ war für viele ein Unwort. Ich habe nachgedacht und bin darauf gekommen, dass wir irgendwie alle Flüchtlinge sind. Wir alle laufen vor etwas davon. Manche laufen einfach vor Verantwortung oder vor Problemen davon. Das wollte ich mit diesem Text zeigen, dass wir alle Flüchtlinge sind und dass es keinen Unterschied macht, ob man nun ein geographischer Flüchtling ist oder vor etwas anderem flüchtet.

Haben Sie mit diesem Thema sofort etwas anfangen können oder war das ein schwieriges Thema?

Irmi Vesselsky: Nein, das war überhaupt nicht schwierig. Wir haben darüber auch gesprochen, weil wir bei einer Benefizveranstaltung zum Thema Flucht dabei gewesen sind. Ich hatte nur das Problem, dass man das Gefühl bekommen könnte, wir wollen das Thema ausschlachten und daraus Profit ziehen. Deshalb haben wir die Nummer sehr im Hintergrund behalten.

Ein Lied, zwei Versionen

Beim letzten Lied geht es auch um die Wachau, entsteht da eine Verbindung zu Ihrem Projekt Zur Wachauerin? Gab es diesen Text ohnehin schon?

Wolfgang Kühn: Es geht um die Wachau und um die Donau. Die Wachau kennt man, weil sie einfach von April bis Oktober präsent ist, aber für mich interessanter ist die Zeit, wenn dort alles schläft. Wenn sich nichts tut, wenn kein Gasthaus mehr offen hat. Und darüber habe ich einfach dieses Lied geschrieben. Das ist im Zuge unseres ersten Auftritts voriges Jahr im Juli entstanden. Damals gab es noch nicht viele gemeinsame Stücke. Die Melodie ist von der Irmi und das hat einfach total gut zusammen gepasst.
Es gibt auf unserer gemeinsamen CD das Lied „woidviertl am meer“, das auch auf der neuen CD von „Zur Wachauerin“ drauf ist. Das war meine Idee, zu schauen, was verschiedene MusikerInnen mit einem Text machen können.

Sir Tralala hat als Produzent agiert, wie kam es dazu?

Irmi Vesselsky: Ich arbeite seit Jahren mit ihm zusammen, David war immer wieder als Geiger mit mir auf der Bühne. Zuerst haben Wolfgang und ich mit Homerecording begonnen und haben dann aber jemand gebraucht, der die Aufnahmeleitung übernimmt. Wir haben also mit Sir Tralala gesprochen und dem hat das Projekt getaugt und er hat zugesagt.

Wie ging es dann weiter?

Irmi Vesselsky: Manche der bereits aufgenommenen Spuren haben wir verwendet, die hat er nur gemischt. Eingesungen wurde alles noch mal neu. Eigentlich sollte er hauptsächlich den Mix machen, aber David ist immer mehr in die Produzentenrolle geschlüpft. Und mit den Geigenmelodien gibt er sowieso sein eigenes Tüpfelchen dazu.

War es im Studio von Sir Tralala wirklich so eiskalt, wie das die Linernotes beschreiben?

Wolfgang Kühn: Es war wirklich eiskalt. Wir sind mit Handschuhen und Haube im Studio gesessen.

Irmi Vesselsky: Ich hatte einen Heizstrahler mit, wir saßen da mit dem Heizstrahler drinnen! Das Studio ist in der Nähe vom Flughafen Schwechat, ich glaube, wir haben ein paar Flugzeuge auch auf den Aufnahmen drauf.

Wie haben sich diese Umstände auf die Arbeit an der Musik ausgewirkt?

Irmi Vesselsky: Die Umstände haben sich so ausgewirkt, dass wir zügig gearbeitet haben. Es war zwar kalt und düster, aber trotzdem heimelig. Das Studio hat genau zur Stimmung unseres Albums gepasst. Es war nichts da, was dich ablenkt, es waren insgesamt vier Studiotage.

„Wenn man sieht, dass Dialektmusik salonfähig ist, dann trauen sich die Leute vielleicht auch im täglichen Leben Dialekt zu sprechen“

Inwiefern seid ihr Teil eines Trends zum Gesang in deutscher Sprache bzw. im Dialekt?

Wolfgang Kühn: Ja, ich glaube, das hat in den letzten 5 bis 10 Jahren einen ziemlichen Aufschwung genommen. Mit Ernst Molden, Der Nino aus Wien und jetzt Voodoo Jürgens. Solche Sachen boomen und es gefällt den Leuten, weil ein Bewusstsein entstanden ist, dass man auch so reden kann, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wenn man sieht, dass Dialektmusik salonfähig ist, dann trauen sich die Leute vielleicht auch im täglichen Leben Dialekt zu sprechen. Das ist ja nichts Schlimmes.

Wie war es für Sie erstmals zu singen?

Wolfgang Kühn: Das war spannend. Bei Zur Wachauerin sind die Texte zwar so angelegt, dass sie auch gesungen werden könnten, aber die Kollegen meinen immer, ich soll die Texte sprechen. Es war eine Herausforderung für mich, zu singen und ich war über das positive Feedback der Leute überrascht.

Danke für das Gespräch.


Vesselsky // Kühn live

21.03.2017: Sargfabrik, Wien
29.09.2017: Samerstall Niedernsill, Salzburg


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Jürgen Plank