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Mary Broadcast (c) Agnes Slupek

„Ich habe das Gefühl, dass ich mich erstmals richtig gefunden habe“ – MARY BROADCAST im mica-Interview

Eine Künstlerin, die sich und ihren Ausdruck gefunden hat. MARY BROADCAST zeigt sich auf ihrem neuen Album „Svinx“ (Between Music) gewandelt und gereift. Der Pop, den sie zu Gehör bringt, schwingt tiefgängig und melancholisch, ihre Texte drücken Nachdenklichkeit, Melancholie und doch auch immer ein wenig Optimismus aus. MARY BROADCAST sprach mit Michael Ternai über den Entstehungsprozess ihres neuen Albums, das Beschreiten neuer Wege und die Suche nach dem ureigenen Sound.

Seit dem Erscheinen Ihres letzten Albums „Dizzy Venus” sind vier Jahre vergangen. Warum hat es dieses Mal etwas länger gedauert?

Mary Broadcast: Der Grund, warum es dieses Mal länger gedauert hat, hat damit zu tun, dass ich parallel zu den Arbeiten am Album mit meiner Masterarbeit begonnen habe. Und das schränkt dich in deiner Zeit dann doch ein. Aber Gott sei Dank ist sie jetzt fertig geworden. Gleichzeitig mit dem Erscheinen des neuen Albums.

„Svinx“ ist ein Album geworden, das überrascht. Auch weil Sie musikalisch neue Wege gehen. Das Album klingt in Summe größer und auch ernsthafter. Kann man sagen, dass Sie mit diesem Album genau dort angekommen sind, wo Sie und Ihre Band musikalisch immer hinwollten?

Mary Broadcast: Ich denke, in gewisser Weise schon. Wir hatten bei diesem Album sehr klare Vorstellungen. Meine Band und ich haben dieses Mal wirklich versucht, Songs mit Tiefgang zu schreiben. Von der Musik wie auch von den Texten her. Das war unser primäres Ziel. Und dennoch, obwohl wir diesen Gedanken immer im Hinterkopf hatten, sind die Songs letztlich dann doch irgendwie von selbst passiert. Wenn ich mir jetzt die Songs anhöre, finde ich es ziemlich cool, was wir da geschaffen haben. Ich habe das Gefühl, dass ich mich erstmals richtig gefunden habe.
In den letzten Jahren habe ich mich auch wegen meiner Masterarbeit, die ich jetzt beendet habe, viel damit beschäftigt, warum manche Künstlerinnen und Künstler so eigenständig klingen, welche Klänge und Sounds sich hinter deren Musik verbergen, die sie so einzigartig und unverkennbar machen. An diesen Leuten habe ich mich in gewissem Sinne orientiert. Ich habe sie quasi als Maßstab hergenommen. Ich wollte dieses Mal diese Unverkennbarkeit meiner Musik, diese ganz spezielle eigene Note hinbekommen.

Mehr als noch auf den bisherigen Alben wirkt es so, als hätten Sie auf „Svinx“ Ihre Persönlichkeit einfließen lassen. Etwas dunkel, nachdenklich, in manchen Momenten zerbrechlich, aber letztlich doch selbstbewusst und stark.

Mary Broadcast: Dass auf diesem Album meine Persönlichkeit eine große Rolle spielen sollte, war eigentlich beabsichtig. Wir wollten ein Album produzieren, dass zu meiner Persönlichkeit passt, haben bei diesen Überlegungen aber eher an das optische Konzept gedacht. Ich erhalte nun von vielen Seiten das Feedback, dass auch die Songs sehr mit meiner Persönlichkeit verbunden sind. Es ist wohl alles in allem sehr viel runder geworden, als wir vermutet hätten. Ich fühle mich mit der Musik, die ich jetzt mache, einfach sehr wohl und insofern wird es wahrscheinlich auch stimmen, dass auf diesem Album sehr viel mehr von mir drinsteckt, als es auf meinen bisherigen Veröffentlichungen der Fall war.

„Meine Texte waren immer schon mehr melancholisch als lustig.“

Die Texte sind auf jeden Fall sehr nachdenklich ausgefallen. Welche Themen oder Erlebnisse haben Sie beim Schreiben der Texte beeinflusst?

Mary Broadcast: Ich glaube, dass ich eigentlich auch früher schon zu einer gewissen Nachdenklichkeit geneigt habe. Meine Texte waren immer schon mehr melancholisch als lustig. Nur hat sich dieser Aspekt früher in meiner Musik, die dann doch etwas optimistischer geklungen hat, nie so richtig widergespiegelt.
Ich verarbeite in meinen Texten persönliche Erlebnisse. In der Zeit des Songwritings für dieses Album hatte ich mit gröberen Beziehungsproblemen zu kämpfen. Und diese hatten natürlich auch Einfluss auf die Musik im Gesamten. Daher klingt sie auf „Svinx“ vielleicht um diese Spur melancholischer. Was aber natürlich nicht heißt, dass die Songs auch in Zukunft dieselbe Stimmung haben müssen. Jetzt, nachdem ich diese schwere Zeit überwunden habe, geht es mir gut. Und Songs, die ich jetzt schreiben würde, würden vermutlich ganz anders klingen.

Auch Ihre Musik selbst hat sich im Vergleich zu früher sehr gewandelt. Vor allem der Sound klingt deutlich detailreicher und vielschichtiger. Wie ist es dazu gekommen?

Mary Broadcast: Die Songs habe ich dieses Mal zwar auch alle selbst geschrieben, aber daran, wie sie jetzt klingen, hat die Band einen maßgeblichen Anteil. Im Besonderen muss ich da Thomas Hierzberger hervorheben. Der hat früher bei uns den Bass gespielt, bis ich entdeckt habe, dass er eigentlich auch ein richtig guter Pianist ist. Ich konnte ihn dazu überreden, auf das Keyboard umzusteigen, was er auch getan hat. Sein Rollenwechsel innerhalb der Band ermöglichte uns einen ganz anderen Zugang. Thomas experimentierte viel herum und kam mit für uns ganz neuen Sounds daher. Diese hatten maßgeblichen Einfluss darauf, in welche Richtung es ging. Thomas Sounds haben den Nummern genau diese zusätzliche Tiefe verliehen, die wir wollten.

„[…] in Grundzügen war uns schon von Beginn an klar, wohin es gehen soll.“

War eigentlich schon von Beginn an klar, wie der Sound der Platte in etwa klingen soll?

Mary Broadcast: Wir haben wirklich sehr lange herumgetüftelt und die Sachen zunächst in unserem Home-Recording-Studio aufgenommen. Als wir damit fertig waren, sind wir zu Markus Kienzl [Sofa Surfers; Anm.], der die Platte produzieren sollte, gegangen. Mit ihm haben wir uns dann mehr oder weniger darauf geeinigt, wie die Songs klingen sollen. Natürlich hat sich in der Folge dann noch etwas verändert. Wir haben die Songs ja noch einmal komplett neu aufgenommen, was dann wieder etwas Neues reingebracht hat. Aber in Grundzügen war uns schon von Beginn an klar, wohin es gehen soll. Genauso war uns klar, dass aufgrund der Zusammenarbeit mit Markus der Anteil der Elektronik ein höherer sein wird.

Bild Mary Broadcast
Mary Broadcast (c) Agnes Slupek

Stimmt, der elektronische Anteil ist definitiv höher als früher. 

Mary Broadcast: Wobei es natürlich schon elektronischere Bands gibt als uns. Ich würde auch nicht sagen, dass wir jetzt die elektronischen Extreme ausloten. Aber es war auf jeden Fall spannend, auch einmal diese Elemente in unsere Musik einfließen zu lassen.

„Ich habe bei der Produktion von ‚Svinx‘ gesehen, dass ich noch nicht dort angekommen bin, wo ich hinkommen kann.“

Überhaupt scheinen Sie dieses Mal sehr experimentierfreudig gewesen zu sein.

Mary Broadcast: Es war auf jeden Fall so, dass ich dieses Mal vorhatte, musikalisch andere Wege zu gehen und alles Herkömmliche zu eliminieren. Das, was man aus anderen Musikrichtungen, wie zum Beispiel Soul und Blues, her so kennt. Die Dinge, die für diese Stile so typisch sind.
Wir haben wirklich viel ausprobiert. So haben wir zum Beispiel bei den Gitarrenparts versucht, Riffs komplett zu vermeiden und stattdessen mehr mit einzelnen Klänge zu arbeiten. Was ich sehr spannend gefunden habe, weil sich für mich dadurch auch neue musikalische Perspektiven eröffnet haben.
Dieses Album ist für mich der Ansporn dafür, noch tiefer in solche Materien einzutauchen. Was mich zum Bespiel im Moment sehr interessiert und was ich jetzt auch schon versucht habe, ist, weniger mit typischen Akkordfolgen zu arbeiten. Oder mit Akkorden zu arbeiten, die nicht wie Akkorde klingen. Ich kann mir auch gut vorstellen, in Zukunft noch mehr in eine elektronische Richtung zu gehen. Ich habe bei der Produktion von „Svinx“ gesehen, dass ich noch nicht dort angekommen bin, wo ich hinkommen kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Ternai

SVINX Release Party – Donaukanaltreiben
31.5. Das Werk, Wien, 21.30
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