Im music austria Notenshop: Michael Amann

Im music austria Notenshop ist der Komponist Michael Amann mit drei Werken aus seinem umfassenden Oeuvre vertreten. Für den in Wien lebenden Vorarlberger sind Genauigkeit und Ausdruck die beherrschenden und konkurrierenden Elemente in seinem Schaffen. Literatur und sinnliche Wahrnehmungen dienen dabei als Vorlage für die auskomponierte Intuition, die aber ausführbar bleiben soll. Um den InterpretInnen Raum für individuelle Stimmungen und Gefühle zu lassen, setzt Amann auf einfache Umsetzungen seiner präzisen Klangvorstellungen und erstellt keine Partituren zum Fürchten.

Trotz der Freude am Ausprobieren und Verändern gibt es eine Konstante im Leben des Literaturliebhabers: Homers „Odysseus“. Schon in den 90er Jahren war diese fiktive Reise Inspirationsquelle von Stücken wie „Penelope“, „Kirke“ oder „Oxen of the sun“. Auch noch im Jahr 2010 stellt Amann seiner Komposition ein Zitat des Epos voran. In „Eos“ für tiefe Stimme, Bassklarinette und Harfe wird die Göttin der Morgenröte vertont. In einer vierminütigen Aufwärtsbewegung singt die Bassstimme heller und klarer. Die einzelnen Wörter werden dabei zur Unkenntlichkeit verfremdet und schwanken zwischen obertonreichen Vokalausgleichen und geräuschvollen Konsonanten hin und her. An wenigen Stellen wird der vertonte Text deutlich, etwa bei Wörtern wie „Tithonos“ oder „Mensch“. Die begleitenden Stimmen geben durch ihre nebulösen Zusammenklänge der Musik ihren mystischen Charakter. Mit dem sinnbildlichen Aufgehen der Sonne jedoch verschwinden allmählich die dunklen Akkorde und zerstreuen sich in hohe Sechszehntelfiguren.

Das „Scherzo“ wurde geschrieben für eine Reihe von Auftragskompositionen im „nom de Haydn“. Durch Haydns Streichquartette op. 33 hat sich das „Scherzo“ als meist dritter Satz in einer Sonate oder Sinfonie etabliert. Extreme Lagen, schnelle Läufe und eine Vermeidung von Akkorden charakterisieren das dreisätzige Klavierwerk von Amann. Unterbrochen werden diese hektischen, punktuellen Klänge von vielen doppelten Taktstrichen, die „ als Fermaten gedacht werden“ können.

Die Komposition für Kontrabass solo ist geprägt von der Anwendung vielfältiger Spieltechniken und der genauen klanglichen Vorstellung Amanns. Zum anderen aber sind Tonhöhen und Metren vom InterpretInnen teilweise selbst bestimmbar und geben Möglichkeiten zur freien Gestaltung. „Con anima, senza rigore“ ist nicht nur der Werktitel, sondern beschreibt auch den Werdegang seines Komponisten. War das geistige Durchdringen des Materials für den jungen Studenten noch entscheidend, stehen 2011 zunehmend Emotionen im Vordergrund.

Margarete Buch

Foto Michael Ammann: Rudolf Rösch © Mit freundlicher Genehmigung von Doblinger Musikverlag