Im Mittelpunkt steht die Klangkultur, denn der Ton macht die Musik – Alex Ladstätter im Interview

Musikinteressierte Menschen des Landes haben den Klarinettisten Alex Ladstätter sicher schon im Rahmen von Orchesterkonzerten des Symphonieorchesters Vorarlberg, bei den Bregenzer Festspielen, als Kammermusiker oder auch bei der Bürgermusik Lauterach gehört. Anfang des Jahres hat der vielseitige Musiker zusammen mit der Pianistin Keiko Hattori eine CD vorgestellt. Engagements hat Alex Ladstätter bei den namhaftesten Orchestern, vor wenigen Wochen war er beispielsweise mit den Wiener Philharmonikern auf Konzertreise in Rom. Im Rahmen des Gedenkkonzertes für Claudio Abbado musizierte er im großen Musikvereinssaal das Klarinettenquintett von W.A. Mozart. Darüber hinaus arbeitet der gebürtige Bregenzer mit dem Wiener Instrumentenbauer Karl Radovanovic zusammen, erfolgreich haben sie neue Klarinetteninstrumente entwickelt. Mit seiner Schwester, der Geigerin Natallia Ladstätter, und Keiko Hattori hat Alex Ladstätter kürzlich das „Ensemble Vision“ gegründet. Ihr Debütkonzert geben die drei Ende April und präsentieren in diesem Rahmen zugleich das neueste Werk von Richard Dünser „The return of the hunters“. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt Alex Ladstätter von seiner Ausbildung, wichtigen Marksteinen seines bisherigen Werdeganges, er nimmt Stellung zur Neubesetzung am Landeskonservatorium und berichtet von zukünftigen Plänen.

Du hast bei Martin Schelling Klarinette gelernt und deine ersten musikalischen Erfahrungen in größeren Gruppen, zum Beispiel bei der Bürgermusik Lauterach gesammelt. Was hat dir die Blasmusik gebracht?

Dort konnte ich viele wesentliche Erfahrungen sammeln. Es ist wichtig und motivierend, dass man als Musikschüler nicht nur alleine im Kämmerchen spielt, sondern auch in einer größeren Gruppe musiziert. Da habe ich damals von der hervorragenden Jugendarbeit bei der Bürgermusik Lauterach sehr profitiert und bin heute noch stolzes Mitglied dieses Vereins.

– Lehrer und Mentoren zugleich –

Nach der Matura hast du bei Gerald Pachinger, Soloklarinettist der Wiener Symphoniker, in Graz studiert. Was hast du bei ihm gelernt?

Ich schätze die Klangkultur von Gerald Pachinger sehr. Genau in diese Richtung geht auch meine Klangvorstellung, denn der Ton macht die Musik, wie man so schön sagt. Darüber hinaus hat er mir seine bodenständige und musikantische Art zu musizieren sehr gut vermittelt.

Nach dem Master in Graz hast du dich entschlossen, bei Alois Brandhofer am Mozarteum deine Studien zu vervollständigen. Warum hast du ihn gesucht?

Ich wollte bereits mit fünfzehn Jahren bei ihm lernen, damals war er ja am Landeskonservatorium tätig. Als er im Jahr 1997 Feldkirch verließ, kurz nachdem ich die Aufnahmeprüfung geschafft hatte, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Aber vielleicht wollte es das Schicksal, dass der ideale Zeitpunkt erst kommen sollte. So konnte ich als ausgebildeter Klarinettist mit ihm an den musikalischen Feinheiten arbeiten und es verbindet uns noch heute ein enger Kontakt.

– Bisherige Marksteine –

Du hast schon bei einigen namhaften Orchestern gespielt. Was waren die bisherigen Highlights?

Vor kurzem war ich mit den Wiener Philharmonikern auf einer Konzertreise in Rom. Mit diesem Orchester hatte ich schon in Wien unvergessliche Erlebnisse unter Dirigenten wie z.B. Pierre Boulez oder Sir Simon Rattle. Ein prägendes Erlebnis auch war der Auftritt in der Royal Albert Hall in London im Rahmen der BBC Proms mit dem „Deutschen Symphonie Orchester Berlin“ unter Ingo Metzmacher. Etwas Besonderes war natürlich für mich als gebürtiger Bregenzer der Zeitvertrag bei den Wiener Symphonikern während den Bregenzer Festspielen 2010 und die vielen schönen Konzerte mit dem Symphonieorchester Vorarlberg.

– Eine Frage des Klangideals

Am Landeskonservatorium war die Stelle für Klarinette ausgeschrieben. Neuer Dozent wird dem Vernehmen nach ein Klarinettist, der das Böhm’sche System spielt. Meines Wissens spielen in Vorarlberg jedoch etwa 95% der MusikschülerInnen und Lehrenden das deutsche System. Was hältst du von dieser Entscheidung?

Das ist ein heikles Thema. Hinter diesen beiden Spielsystemen stehen, neben der anderen Grifftechnik, vor allem unterschiedliche Klangideale. In Österreich und Deutschland gibt es eine Tradition des deutschen Systems. Ich bin groß geworden damit und habe diese Spielweise mit all ihren Vor- und Nachteilen lieben und schätzen gelernt. In Feldkirch verlässt man nun diesen Weg. Es wird schon Gründe dafür geben. Ich möchte mich dazu aber nicht weiter äußern.

– Froh, Neues entdecken zu können –

Du hast schon öfters mit zeitgenössischen Komponisten zusammen gearbeitet, kürzlich hast du „open spaces“ von Gernot Wolfgang präsentiert und Ende April wird „The return of the hunters“ von Richard Dünser uraufgeführt. Was sind für dich Qualitätsmerkmale neuer Kompositionen?

Für mich ist wichtig, dass die Musik von Anfang bis Ende einen musikalischen Bogen aufweist, die Klangkultur der Instrumente zur Geltung kommt, die harmonischen Zusammenhänge einen Sinn machen und hinter dem Stück eine Geschichte beziehungsweise eine Vorstellung steht. Interesse habe ich auch an experimentellen Spielweisen wie Multiphonics oder Slaps. Ich bin froh, wenn ich etwas entdecken kann, das ich noch nicht kenne.

– Musikmarkt und Klarinettenbau –

Es gibt viele gute Musiker, aber wenige wirklich interessante Orchesterstellen für Klarinette. Wie erlebst du den Musikmarkt?

Das Auswahlverfahren bei Orchestern hat Vor- und Nachteile. Es ist nicht so wie im Sport, dass der Schnellste oder Beste gewinnt. Oft spielen dabei andere Faktoren auch eine Rolle. Ich versuche, die Wettbewerbssituation trotzdem positiv zu sehen und von jedem Auftritt etwas mitzunehmen. Einerseits bin ich bei der Auswahl der Orchesterstellen eher wählerisch, andererseits hat bisher das letzte Quäntchen Glück aber noch gefehlt. Dafür bleibt mir Zeit, mich vielfältigen anderen Projekten zu widmen.

Du entwickelst mit dem Instrumentenbauer Karl Radovanovic auch neue Klarinetteninstrumente.

Ja, vor eineinhalb Jahren haben wir angefangen, Klarinetten zu entwickeln. Die vorliegende erste A-Klarinette war ein sehr erfolgreiches Projekt und es gibt bereits zahlreiche Bestellungen. Der Prototyp einer B-Klarinette ist nun auch fertig. Darauf sind wir schon sehr stolz.

Danke für das Gespräch.

Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im April 2014 erschienen.

Sonntag, 27. April, Landesmuseum Vorarlberg, 11 Uhr
„Ensemble Vision“ mit Natalia Ladstätter, Violine; Alex Ladstätter, Klarinette und Keiko Hattori, Klavier. (u.a. Werke von Weinberg, Ravel, Bartók und Richard Dünser „The return of the hunters“ UA)

CD-Tipp: Die CD „open spaces“ mit Alex Ladstätter und Keiko Hattori ist im Label von Joe Morscher (VMS, LC 14751) erschienen.

 

http://www.zappelmusic.com/