Im Loth: Film + Musik – Geheimnisse einer Seele

Zu einem höchst interessanten audiovisuellen Erlebnis kommt es am 6. Oktober im Wiener Konzerthaus. Ein Ensemble rund um die E-Geigerin Mia Zabelka, die Kontrabassistin Zahra Mani und den E-Gitarristen Daniel Pabst vertont im Rahmen der “Im Loth” Konzertreihe den Stummfilm “Geheimnisse einer Seele” von Georg Wilhelm Pabst aus dem Jahre 1926. Bearbeitet und in Visuals umgesetzt wird der Film von Videokünstlerin Mia Makela.

Das Wiener Konzerthaus wendet sich mit seinem Zyklus “Film + Musik live” an musikalisch interessierte Cineasten. Auf dem Programm stehen vier Filmvorführungen mit Live-Musikbegleitung. Eröffnet wird der Reigen mit dem Stummfilm “Geheimnisse einer Seele” von Georg Wilhelm Pabst. Musikalisch begleitet wird dieser von drei exponierten VertreterInnen der heimischen Improvisationsszene. Geigerin Mia Zabelka steht seit nun über 20 Jahren für die Entwicklung neuer Improvisationstechniken. Sie zählt zu jener Sorte von MusikerInnen, die genrebedingte Grenzen eher als eine Art festgesetzte Barriere begreifen, welche es gilt, außer Kraft zu setzen. Ihre Werke bewegen sich stets auf dem schmalen Grad zwischen Improvisation und Komposition, schlagen mal in die Richtung, mal in die andere aus. Experimente mit Sounds stehen im Vordergrund der künstlerischen Arbeit, die Musikerin erschafft unter Anwendung von Computern und Elektronik ungemein dichte und intensive Klanglandschaften, die trotz ihrer Komplexität hörbar bleiben.

 

Ähnlich experimentell agiert auch die Zahra Mani. Wie Zabelka ist auch die Kontrabassistin steht das Spiel mit Klängen im Vordergrund der künstlerischen Auseinandersetzung. Ein Meister seines Faches ist auch Daniel Papst, der zudem der Enkel des Filmemachers Georg Wilhelm Pabst ist. Seine Offenheit und musikalische Virtuosität stellt der Gitarrist unter anderem in seinem Projekt Trafo unter Beweis. Egal ob im Jazz, Rock oder in der Improvisation, beheimatet fühlt sich Papst in vielen Stilen.

 

Inhaltlich setzt sich Georg Wilhelm Pabst mit “Geheimnisse einer Seele” als einer der ersten seines Metiers mit der Psychoanalyse auseinander. Der Filmemacher erzählt die Geschichte einer psychischen Erkrankung eines Mannes, die sich vor allem durch Albträumen und Obsessionen manifestiert. Pabst gelang in seiner Arbeit der Kunstgriff, einen Bogen zwischen den abstrakten, surrealistischen Traumsequenzen und den Szenen aus dem gutbürgerlichen Leben der Hauptfigur zu spannen. Gerade dieser Kontrast erschuf eine bizarre Atmosphäre von zuweilen beklemmender Komik.

Gerade diesen Kontrast herauszuarbeiten, stellt auch die Herausforderung für die MusikerInnen dar. Die von der Videokünstlerin Mia Makela bearbeiteten und zusammengestellten Visuals fungieren dabei als eine Art Partitur, an der sich Zabelka, Mani und Pabst orientieren müssen. Durch den Dialog zwischen zeitgenössischer Videokunst und  improvisierter und elektronischer Musik soll jener Atmosphäre nahegekommen werden, die Georg Wilhelm Pabst durch seine eindringliche Bildersprache einst entstehen ließ.

 

 

Wiener Konzerthaus